Gewaltausbruch in Ägypten: „Der Fußball wird benutzt“

Gewaltausbruch in Ägypten: „Der Fußball wird benutzt“

Für den Fan-Forscher Gunter A. Pilz sind Machtspiele der Politik Auslöser der Krawalle in Ägypten.

Hannover. Der Gewaltexzess im ägyptischen Fußball war nach Ansicht des Fan-Forschers Gunter A. Pilz das Ergebnis von politischen Machtspielen. „Das hat weniger, fast gar nichts, mit typischen Fußball-Auseinandersetzungen zwischen Fans zu tun. Der Fußball in seiner großen Attraktivität wird hier benutzt, um politische Brutalitäten und Machtspiele durchzuführen“, sagte der Universitätsprofessor aus Hannover.

„Vieles spricht dafür, dass eine kritische Opposition von der militärischen Diktatur eingeschüchtert und mundtot gemacht werden soll. Der Fußball wird da nur benutzt und tradierte Feindschaften nur aufgegriffen“, sagte Pilz. Fans seien instrumentalisiert worden.

Vor allem die Rolle der Sicherheitskräfte bewertet der Fan-Forscher kritisch. „Nach meinen Informationen waren rund 3000 Polizisten im Stadion sowie im Umfeld und haben sich das Ganze später fast nur angeschaut. Mit 3000 Polizisten hätte man, wenn man das gewollt hätte, den Spuk schnell beenden können.“ Pilz fordert bei der Aufarbeitung der Tragödie eine harte Linie. „Ich hoffe, dass Menschenrechts-Organisationen, Vereinte Nationen und Zivil-Gesellschaften nun massiv Druck auf die Machthaber ausüben. Das darf sich nicht wiederholen.“

In der deutschen Fußball-Bundesliga haben die Bilder aus Ägypten Trauer ausgelöst. „Die Nachrichten und Bilder aus meiner Heimatstadt Port Said schockieren mich“, sagte Mohamed Zidan vom FSV Mainz. Der Ägypter spielt mit der halben Mannschaft von Al-Ahli in der ägyptischen Nationalmannschaft zusammen.

Hany Ramzy, einst ägyptischer Nationalspieler und Ex-Profi bei Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga, hält die Krawalle für inszeniert: „Das Spiel ging 3:1 für Al-Masri aus. Welchen Grund hat man, nach einem Sieg aufs Feld zu rennen und Menschen zu töten?“, sagte der ehemalige Bundesliga-Profi. „Das war vorher geplant. Das Stadion war voll, es war ein wichtiges Spiel. Es war ein guter Anlass, etwas Schlimmes zu tun“, sagte Ramzy.

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