Wuppertaler SV: Kopfschütteln nach Aussagen von WSV-Vorstand Stücker

Wuppertaler SV: Stellungnahme von WSV-Vorstand Stücker sorgt für Kopfschütteln

Der Vorstand des Wuppertaler SV nimmt zu den personellen Konsequenzen nach dem Scheitern des bisherigen Kurses Stellung. Das sorgt teilweise für Unverständnis. Alte Weggefährten berichten von Unstimmigkeiten über die Ausrichtung des Vereins.

Von Verständnis bis zu heftigem Kopfschütteln reichen die Reaktionen nach der persönlichen Erklärung von WSV-Vorstandssprecher Lothar Stücker, der sich zur Finanzsituation dieser Saison und der geglückten Rettungsaktion im Januar äußerte, mit der Einnahmen und Einsparungen von 260 000 Euro erzielt werden konnten. Insbesondere Stückers Aussage, der WSV habe kein Ausgabeproblem sondern ein Einnahmeproblem wird mit Unverständnis aufgenommen. Schließlich war schon im Sommer absehbar, dass die großen Sponsoren nicht kommen würden und die Resonanz auf das Konzept 2020, das eine jährliche Anhebung des Etats vorsieht, um die Mannschaft aufzubauen, sich in Grenzen hielt. Und das vor dem Hintergrund eines Darlehensstandes von 750 000 Euro, den Stücker jetzt nannte. Dennoch wurde nach Platz drei der Mannschaftsetat von 860 000 auf 950 000 Euro aufgestockt - im Vertrauen auf höhere Zuschauereinnahmen.

Ehemaliger Verwaltungsrat wollte den Kurs nicht mittragen

„Da ist in den vergangenen Jahren eine enorme Schuldenlast aufgebaut worden“, sagt etwa Kreishandwerksmeister Arnd Krüger, der nach dem Neuanfang nach der Insolvenz im Jahr 2013 dem Verwaltungsrat angehörte, sich wie viele andere aus der damaligen Initiative WSV 2.0 aber längst aus diesem Gremium verabschiedet hat. Damals war als Begründung von Arbeitsüberlastung die Rede, Krüger gibt aber zu, dass es eben auch unterschiedliche Ansichten über die Ausrichtung des Vereins gegeben hatte. „Wir standen eher für eine vernünftige Jugendarbeit und dafür, die Spieler über die A-Jugend-Bundesliga an die erste Mannschaft heranzuführen, auch wenn das mehr Zeit gebraucht hätte, um den WSV nach oben zu führen.“ Das Motto, mit dem die Initiative 2.0 damals angetreten war, lautete in der Tat: „Wir wollen den WSV wieder in der Sportschau (sprich dritte Liga) sehen“. Doch mehrere Verwaltungsräte wollten damals auf die Bremse treten, als die Verbindlichkeiten sich summierten - und verabschiedeten sich, als ihr Kurs nicht durchkam.

Dr. Jürgen Hoß, aktueller Verwaltungsrat, spricht von einer schwierigen Lage. Der Verwaltungsrat habe zwar in den vergangenen zehn Monaten Kenntnisse über die Finanzentwicklung erhalten, allerdings nicht in dem Maße, wie das wünschenswert gewesen sei. Besser sei es geworden, seit die neue kaufmännische Leiterin Maria Nitzsche, seit September auch Vorstand, in der Finanzkommission regelmäßig berichtet habe. Derzeit sei man im Verwaltungsrat noch dabei, sich einen Überblick über die Gesamtlage zu verschaffen. Davon, und ob es gelinge, eine starke neue Verwaltungsratsmannschaft zusammenzubekommen (etliche machen nicht weiter), will er abhängig machen, ob er im April bei der Jahreshauptversammlung wieder antritt.

Dann will auch Lothar Stücker ausführlich Bericht erstatten. Sein eigenes Schicksal lässt er offen, hatte in seiner Erklärung von notwendigen personellen Konsequenzen gesprochen. „Erst einmal geht es um den Verein und die Frage, ist unser Konzept noch tragfähig“, so Stücker. Das Konzept 2020 erklärt er in weiten Teilen für gescheitert. Im Dezember hatte er in unserer Zeitung noch davon gesprochen, dass es nur zeitlich nicht umzusetzen sei.

Die Frage zu personellen Konsequenzen wird sicher sein, wer bereit wäre, angesichts der immensen Schuldenlast in die Verantwortung zu gehen. Zusätzlich zu den 750 000 Euro Darlehen, die bis 2025 zurückzuzahlen seien, sind auch Zinszahlungen zu leisten, auch wenn die laut Stücker „gering“ sind und es einen Sondereffekt gebe, der die Zahl relativiere. Welchen, will er auf der Jahreshauptversammlung sagen. Das generelle Problem sei aber, dass das Sponsoring nicht auf ein Niveau gehoben werden konnte, um den Verein von Zuschauereinnahmen unabhängiger zu machen. „Wir können uns nicht wieder von den Fans retten lassen“, so Stücker.

Doch wie konnte es passieren, dass man sich in dieser Saison so deutlich (um rund 200 000 Euro) verkalkuliert hat, wobei man aktuell mit 2590 noch recht nah am kalkulierten Zuschauerschnitt von 3000 liegt. Stücker: „Wir haben den Fehler gemacht, die Gesamteinnahmen der vergangenen Spielzeiten als Vergleichsgrundlage zu nehmen, inklusive Freundschaftsspielen und Pokal.“ Das Budget sei übrigens auch im Verwaltungsrat und Finanzausschuss diskutiert worden und kein Alleingang.

Da in den restlichen Spielen der Saison nun aber damit zu rechnen gewesen sei, dass der Schnitt weiter sinke (jetzt geht man von 1500 pro Spiel aus) habe man nach dem Gutachten der Wirtschaftsprüfers im Dezember keine positive Zukunftsprognose mehr stellen können und die Notmaßnahmen ergriffen. Auch um den Vorstand zu schützen, der sonst in der Haftung sei.

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