WSV will gegen Essen Revanche fürs Hinspiel nehmen

Fußball-Regionalliga: Heißes Derby in kühlen Zeiten

Gegen Essen hofft der WSV am Sonntag auf viele Zuschauer. Ein Derbysieg soll die Stimmung heben.

„Revanche“ steht groß auf den Plakaten in der Stadt, die den ewig jungen Fußball-Westschlager zwischen dem Wuppertaler SV und Rot-Weiss Essen ankündigen, der am Sonntag um 14 Uhr im Stadion am Zoo seine Neuauflage feiert. Und WSV-Trainer Adrian Alipour, der beim demütigenden 1:5 im Hinspiel noch nicht im Amt war, bezeichnet es als „Spiel der Spiele“, auf das er genauso brenne wie seine Kicker. Auch Essens wiedergenesener Torjäger Marcel Platzek wird nach dem 3:0-Pokalsieg in Nettetal, als er zwei Tore erzielte, vom Reviersport damit zitiert, dass er „Bock auf die Partie in Wuppertal hat.

Das Bemühen ist groß, die stets brisante Partie zwischen beiden Klubs auf ein besonderes Level zu heben, auch wenn am Sonntag „nur“ der Tabellen-Siebte auf den Achten trifft und beide nach früher Euphorie im Saisonverlauf einige Enttäuschungen hinnehmen mussten. „Es wäre schön, wenn eine sechs vorne stehen würde“, sagt WSV-Sportvorstand Manuel Bölstler, auf die Frage nach seiner Zuschauererwartung. Von 6000 ist der WSV trotz aller Werbung und einer Sonderaktion für Schüler noch ein gutes Stück entfernt. 2700 Karten waren bis Donnerstag verkauft, inklusive der gut 1100 Dauerkarten und rund 200 Schülerkarten.

In der vergangenen Saison sahen die Partie, die ebenfalls für den Dezember angesetzt gewesen war und erst im April ausgetragen werden konnte, 5647 Zuschauer im Stadion am Zoo. Es war der beste Saisonbesuch, auch wenn es damals für beide Teams um nichts mehr ging. Aktuell liegt der Saisonrekord des WSV bei 4070 aus dem Spiel gegen Aachen. Nicht nur beim Zuschauerschnitt von 2500 liegt der WSV bisher unter den Einnahmeerwartungen.

Werden im Winter auch aus Spargründen Spieler abgegeben?

„Die finanzielle Unterstützung ist bisher nicht wie erwartet“, sagt Manuel Bölstler und schließt inzwischen nicht mehr aus, dass beabsichtige Kaderkorrekturen im Winter auch genutzt werden könnten, um Gehalt einzusparen. Das könne durchaus auch Leistungsträger betreffen, für die es sicher einfacher sein dürfte einen neuen Verein zu finden, sagt Bölstler, der nicht müde wird, darauf zu verweisen, dass sich der WSV mit einem Etat für die erste Mannschaft von 950 000 Euro ohnehin im unteren Drittel der Liga bewege.

Anders als etwa Essen, sei man nicht in der Lage, Kaliber wie Platzek, Kai Pröger oder Danny Baier mit einem guten finanziellen Angebot langfristig zu halten. „Wir haben trotzdem immer wieder gezeigt, dass wir einen guten Kader zusammenbekommen und junge Spieler heranführen können“, sagt Bölstler. Diesen Weg wolle man auch nicht verlassen.

Kapitän Geatano Manno nennt den aktuelle Kader den besten in den vier Jahren, in denen er wieder zurück in Wuppertal ist. „Das haben wir in einigen Spielen auch bewiesen, leider fehlt etwas die Konstanz“, sagt er. Nach zwei sehr harten Trainingswochen freuten sich nun alle in der Mannschaft sehr auf die Partie gegen Essen. „Wir müssen mehr laufen als je zuvor, wollen natürlich auch Fußball spielen, aber erst geht es über die Mentalität“, sagt Adrian Alipour und nimmt das Wort „Schlacht“ in den Mund.

Bis auf Peter Schmetz, der mit seiner Fußverletzung für den Rest des Jahres ausfalle, dem Rekonvaleszenten Daniel Hägler (trainiert seit einer Woche wieder mit) und Yusa Alabas (Adduktorenprobleme) stünden alle Mann zur Verfügung, so Alipour. Er habe die Qual der Wahl und so werde es bestimmt auch Härtefälle geben. Beim Derby dabeisein will schließlich jeder.

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