WSV: Geht es ohne Insolvenz?

Nach ihrem Sieg lotet die Initiative 2.0 die Chancen für den Neuanfang aus.

Wuppertal. Jubel gab es am Freitagabend in der Uni-Halle — doch gleich im Anschluss an die für sie so triumphal verlaufene außerordentliche Mitgliederversammlung des Wuppertaler SV begann für die Mitglieder der Initiative 2.0 der harte Alltag. „Wie sehen die nackten Zahlen des WSV aus, gibt es eine Alternative zur Insolvenz, wie geht es sportlich weiter?“ sind die Fragen, die nun zu klären sind.

„Wir kommen in einen dunklen Raum. Den kann man nicht auf einmal erhellen“, hieß es nach der ersten Verwaltungsratssitzung, die die 13 neu gewählten Amtsträger gleich im Anschluss, an die Mitgliederversammlung abhielten. Der Cronenberger Unternehmer Stefan Kirschsieper wurde dabei zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt, Jörg Wolff zu seinem Stellvertreter. Mit Äußerungen nach draußen wolle man sich nun möglichst so lange zurückhalten, bis gesicherte Daten vorlägen.

Eventuell heute soll vom Verwaltungsrat und den Abteilungsleitern ein neuer Vorstand mit Alexander Eichner, Lothar Stücker und Achim Weber gewählt werden. Voraussetzung ist, dass der aktuelle Vorsitzende Klaus Mathies, entweder von selbst zurücktritt oder vom Gremium abgewählt wird.

Mathies’ Leitung der Mitgliederversammlung hatte auch Jürgen Harmke, Sprecher der Initiative WSV 2.0 hervorgehoben. Mathies: „Ich habe auf Provokation verzichtet, einige hatten ja im Vorfeld ein Hauen und Stechen erwartet. So eine friedliche Versammlung hat es beim WSV wohl noch nie gegeben.“ Er erwarte nun, dass Mitglieder der Initiative auf ihn zukommen.

Auch mit Ex-WSV-Präsident Friedhelm Runge will die Initiative das Gespräch suchen. Es gibt das Angebot von Friedhelm Runge, im Falle des Regionalligaverbleibs auf die Rückforderung seiner Darlehen zu verzichten. Aber: Nur wenn es einen steuerverträglichen Weg gibt. Ob das realistisch ist, soll geprüft werden. „Aber gerade die steuerlichen Belange waren es ja, an denen es auch in der Vergangenheit hing“, sagt Harmke vorsichtig. Das Gespräch mit dem langjährigen Präsidenten dürfte die Initiative aber auch aus einem weiten Grund suchen: Sollte Runge einer Insolvenz widersprechen, würde der Verein zerschlagen.

„So wie ich ihn kenne, wird er den Verein nicht so aufs Spiel setzen. Er sieht ihn ein bisschen wie sein Lebenswerk an“, hatte Lothar Stücker am Freitag gesagt. Die Möglichkeit habe man der Versammlung aber nennen müssen, damit es nicht nachher heiße: Das habt Ihr uns gar nicht gesagt.

Die Runge-Anhänger unter den 413 stimmberechtigten Mitgliedern hielten sich am Freitag im Hintergrund. Zahlenmäßig ließen Sie sich wohl am besten durch das Abstimmungsverhalten vermuten. 389 stimmten ab, kein Mitglied der Initiative 2.0 erhielt weniger als 279 Stimmen — die meisten Ex-WSV-Torwart Thomas Richter mit 335.

„Nachkarten bringt ja nichts“, sagte etwa das bisherige Verwaltungsratsmitglied Jörg Barth. Rolf Dasberg, der eigentlich als Verwaltungsrat kandidieren wollte, sagte. „Wir wären fünf, sechs Mann gewesen, aber nachdem Herr Runge seine Unterstützung für die Regionalliga zurückgezogen hatte, machte das keinen Sinn mehr.“

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