Wuppertaler SV: Wer setzt beim WSV den Hut auf?

Wuppertaler SV : Wer setzt beim WSV den Hut auf?

Vorstandsfrau Maria Nitzsche sucht mit dem Verwaltungsrat nach Mitstreitern. Das Chaos ist fast noch größer als 2013.

Zumindest in ihrem Homeoffice hat Maria Nitzsche ihre Arbeit am Donnerstag wieder aufgenommen. Das nach den Rücktritten ihrer Kollegen Lothar Stücker und Manuel Bölstler einzig verbliebene Vorstandsmitglied, gleichzeitig hauptamtliche Geschäftsstellenleiterin des Wuppertaler SV und zuletzt nach Anschuldigungen gegen ihre Person krankgeschrieben, versucht in Zusammenarbeit mit den sechs verbliebenen Verwaltungsräten die Zuständigkeiten zu klären, um die Handlungsfähigkeit des Vereins sicherzustellen.

Als einziger Vorstand - das ist klar - ist sie nicht zeichnungsberechtigt. Doch wer setzt sich von den verbliebenen Verwaltungsräten Tobias Wicht, Jens Thelen, Stefan Schey, Jörg Rönisch, Carsten Engmann und Frank Niederhoff den Hut auf? Wicht war am Montagabend nach dem Rücktritt von Verwaltungsratschef Thomas Lenz (er hatte sich mit seinen Argumenten zur Abwahl Nitzsches nicht durchsetzen können) als neuer Stellvertretender Vorsitzender gewählt worden. Der neue Vorsitzende Jürgen Hoß war aber keine 24 Stunden später wieder zurückgetreten. Sie sei mit allen amtierenden Verwaltungsratsmitgliedern in Kontakt, so Nitzsche.

Das Chaos ist fast noch größer als 2013, als nach dem Rücktritt von Friedhelm Runge und seines Stellvertreters Lothar Stücker der damalige Verwaltungsratsvorsitzende Christoph Strieder für einige Wochen das Ruder in die Hand nahm, bis es mit Klaus Matthies als Übergangspräsident dann bei der Jahreshauptversammlung zur geordneten Machtübernahme der Initiative 2.0 kam.

Ähnliches ist derzeit noch nicht zu erkennen, auch wenn sich hinter dem Pulverdampf erste Allianzen unterschiedlicher Lager zu formieren scheinen. Die verbliebenen Verwaltungsräte hatten sich am Dienstagabend in einem Offenen Brief an die WZ dazu bekannt, dass sie versuchen wollen, bis zur Jahreshauptversammlung am 8. April weitere Mitstreiter für den Verwaltungsrat und den Vorstand zu finden. Sie könnten diese dann auch übergangsweise ernennen.

Wer zeichnet im März die Gehälter ab?

„Ich habe inzwischen mit externen Beratern, einem Fachanwalt für Insolvenzrecht, einem Vertreter der Sparkasse und auch Experten im Vereinsrecht gesprochen“, sagt Maria Nitzsche, die klären muss, wer Verantwortlichkeiten übernehmen kann. Etwa auch in Bezug auf laufende Zahlungen und die Spieltagsabwicklung. Das nächste Heimspiel ist zum Glück erst am 16. März gegen Dortmund. Am 15. werden die Gehälter fällig - für Spieler und die übrigen Vereinsmitarbeiter. Die Februargehälter seien noch pünktlich überwiesen worden.

Wer trägt auf der Jahreshauptversammlung die Zahlen für das Spieljahr 2017/18 vor, die noch nicht genannt wurden? Das Defizit muss erheblich gewesen sein, wie aus dem Gesamtstand an Verbindlichkeiten von 750 000 Euro hervorgeht, die Lothar Stücker nach der geglückten Rettungsaktion für die laufenden Saison bekannt hatte. „Es wäre natürlich gut, wenn er dann die Zahlen vortragen würde. Ich bin ja erst seit September 2018 dabei“, sagt Maria Nitzsche. Mit der Kanzlei Stücker muss sie ohnehin weiter zusammenarbeiten, denn dort werde ein Großteil der Buchführung gemacht. In einem Untermandat sei WSV-Geschäftsstellenmitarbeiterin Nadine Bardolatzy im Stadion lediglich für Buchungen und Personalangelegenheiten zuständig.

Dem widersprach Lothar Stücker inzwischen gegenüber der WZ. Die Buchführung werde seit Anfang 2017 ausschließlich über die Geschäftsstelle des WSV abgebildet. Maria Nitzsche sei seit bereits sein eineinhalb Jahren als kaufmännische Leiterin auch mit für die Finanzen zuständig.

Zurück zu den Darstellungen von Maria Nitzsche: Den Kontakt zu Sponsoren halte Marvin Klotzkowsky, wobei Nitzsche bekennt, dass sie von einigen auch schon angerufen worden sei und einige auch selbst angerufen habe, um Nachfragen nach der aktuellen Situation zu beantworten. „Mir ist noch keiner bekannt, der abgesprungen ist“ sagt sie.

Zu den ihr vorgeworfenen Verfehlungen - unter anderem Vorenthalten von wichtigen Informationen gegenüber den anderen Vorständen und zu große Nähe zu Mitarbeitern (Spielern?) - will sie sich weiter nicht konkret äußern. Sie hatte lediglich betont, das seien Dinge gewesen, die eine Entlassung nicht rechtfertigten.

Dass sich auf der Geschäftsstelle zwei Lager gebildet hätten - pro und contra Nitzsche - sei ihr bewusst. „Ich habe allen Gespräche angeboten“, sagt sie. Dass jemand bereits gegangen sei, sei ihr nicht bekannt.

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