Vom AC Turin bis zum WSV: Trainerlegende Horst Buhtz wird 90

Vom AC Turin bis zum WSV: Trainerlegende Horst Buhtz wird 90

Der ehemalige Erfolgstrainer Horst Buhtz war einst der zweite deutsche Profi- Fußballer in Italien.

Wuppertal. „Keine Frage“, sagt Horst Buhtz, „meine schönste Zeit als Trainer hatte ich beim WSV.“ Was nicht verwundert, denn es war auch seine längste und erfolgreichste. Der heutige Jubilar kam 1968 zum WSV und führte den damaligen Regionalligisten (heute zweite Bundesliga) 1972 zum Bundesliga-Aufstieg, legte ein tolles Erstligajahr hin und war menschlich wie fachlich hoch geschätzt . Nach gut sechs Jahren wurde er 1974, in der WSV-Abstiegssaison, entlassen (siehe Artikel unten).

Grundlage für seine erfolgreiche Trainerkarriere, in der auch Bundesliga-Aufstiege mit Borussia Neunkirchen und Bayer 05 Uerdingen standen, war seine Karriere als Spieler. „Ich war Halbstürmer, ein Typ wie Van der Vaart, nur, dass der von links kommt und ich über die rechte Seite“, sagt Buhtz und antwortet auf die Frage, ob er auch ein guter Kopfballspieler war, ganz unbescheiden wie aus der Pistole geschossen: „Ich konnte alles.“

Von 1947 bis 1950 studierte Buhtz in Frankfurt Sport („Studiengebühren musste ich nicht zahlen. Wahrscheinlich, weil ich kein Geld hatte“) und kickte parallel bei Kickers Offenbach. Mit den Hessen stand er 1950 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, unterlag aber dem VfB Stuttgart.

Nach zwei Jahren beim VfB Mühlberg (heute KSC) wechselte der 29-Jährige als zweiter deutscher Kicker überhaupt ins Land, wo für Fußballer Milch und Honig flossen. „Wie die Zeit beim AC Turin war? Na herrlich, was denn sonst. Das Wetter war schön, das ganze Ambiente sowieso, einfach grandios“, sagt der Pensionär und gerät auf der heimischen Couch in Langenfeld ins Schwärmen. Auch die Bezahlung war stattlich: Umgerechnet 150 000 Mark gab es in „Bella Italia“. Buhtz, ohnehin ein Bonvivant, leistete sich gleich einen Käfer-Cabrio. „Der hat 7200 Mark gekostet.“

Obwohl als Spieler erfolgreich, blieb ihm eine Länderspielkarriere versagt. Er stand zwar dick im Notizbuch von Bundestrainer Sepp Herberger, doch es reichte nur zu einem B-Länderspiel.

„Herberger hat mich vertröstet: „Horst, Sie haben doch noch Zeit, der Fritz (gemeint war Fritz Walter, Anm. d. Red.) ist doch älter als Sie.“ Das WM-Endspiel 1954 in Bern erlebte Buhtz nur als Tourist. „Die Karte habe ich mir selbst gekauft.“ Als Italien-Profi traf ihn später der Bannstrahl Herbergers, der Auslandslegionäre nicht berücksichtigte.

Nach Jahren als Spielertrainer in der Schweiz startete Buhtz 1962 seine erfolgreiche Trainerlaufbahn in Deutschland und in der Türkei (1976 Pokalsieger). Seine letzte Trainerstation waren 1983 die Stuttgarter Kickers, wo er einen gewissen Jürgen Klinsmann trainierte.

Über das aktuelle Fußballgeschehen ist der 90-Jährige bestens informiert, schaut viel Fußball, gerne auch Handball im Fernsehen. Sein Rezept für ein hohes Alter? „Sein Arzt sagt, es gehe ihm so gut, weil er sein Leben so lebt, wie er es will“, meint Ehefrau Hilde. Trockener Kommentar des Geburtstagskinds: „Ich habe Glück gehabt, wer wird schon 90.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung