Spieler sollen angeblich gehen: Wie schlecht geht es dem WSV wirklich?

Wuppertaler SV : Fast alle Spieler sollen angeblich gehen dürfen - Wie schlecht geht es dem WSV wirklich?

Der WSV hat Spieler und Mitarbeiter über die angekündigten „umfassenden Sparmaßnahmen“ informiert. Um 15.30 Uhr fand ein knapp einstündiges Krisengespräch statt, an dem Vorstand, Trainer und alle Spieler teilnahmen. Zum Ergebnis kündigte der Verein eine Presseerklärung an. Im Anschluss absolvierte die Mannschaft ihr erstes Training nach der Winterpause auf dem Stadion-Nebenplatz.

Ein Trainingsauftakt im Krisenmodus. Noch bevor am Montag bei Fußball-Regionalligist Wuppertaler SV der erste Meter nach der Winterpause gelaufen und der erste Ball gespielt wird, bat der Vorstand die Mannschaft zum Gespräch, um sie – wie berichtet – sozusagen als Erste über die Auswirkungen der Sparmaßnahmen zu informieren, die man sich für  den Rest der Saison und darüber hinaus auferlegt, um – wie es heißt  - die Zukunft des Vereins zu sichern. Nach WZ-Informationen wurden auch die Spieler zum Gespräch gebeten, die aus unterschiedlichen Gründen noch nicht mittrainieren können.

Auch der Trainer ist vorab noch nicht informiert

Auch Trainer Adrian Alipour, der erst am Montag aus dem Urlaub zurückkam, trafen die Nachrichten überraschend. „Ich muss erst mal mit Manuel Bölstler auch über meine Zukunft sprechen“, sagte er am Morgen, wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob im Anschluss an das Gespräch trainiert würde. „Mir ist egal, wo trainiert wird, Hauptsache es wird trainiert“, sagte Alipour.

Um 15.30 Uhr trafen alle Spieler am Stadion am Zoo ein, um sich vom Vorstand aus erster Hand über die aktuelle Entwicklung informieren zu lassen. Zuvor hatte der WSV-Vorstand die Mitarbeiter der Geschäftsstelle zum Gespräch gebeten. Über Inhalte dieses Gespräches wurde Stillschweigen vereinbart. „Natürlich wird trainiert“, sagte Bölstler nach einer knappen Stunde beim Verlassen des Besprechungsraums. Die Situation stelle sich anders da, als in den Medien zu lesen sei. Bei der anschließenden Übungseinheit trainierten dann erwartungsgemäß keine Gastspieler oder Zugänge mit.

Während die Spieler des WSV nach der Besprechung aus der Kabine heraus grüßend aber ohne Stellungnahme an den wartenden Journalisten vorbei auf den Trainingsplatz liefen, nahm sich Trainer Adrian Alipour Zeit zu einer kurzen Stellungnahme. In der Sache verwies er auf eine spätere Stellungnahme des Vereins, verdeutlichte aber, dass die normale Trainingsarbeit zunächst unberührt bleibe. „Die Lage ist nicht erfreulich, aber unsere Aufgabe ist jetzt, professionell damit umzugehen. Wir müssen uns auf das wichtigste Spiel des Jahres vorbereiten. Das ist das Niederrheinpokalspiel gegen Homberg (für den 10. Februar angesetzt, d. Red).“ Welche Spieler ihm dann zur Verfügung stünden, wisse er freilich noch nicht. „Ich hoffe aber, dass es eine schlagkräftige Mannschaft sein wird, auch wenn einige Spieler den Verein bis dahin verlassen haben sollten, um ihm finanziell Luft zu verschaffen.“ Damit bestätigte er indirekt die Vorabmeldungen, dass Spieler den Verein ablösefrei verlassen könnten, wenn sie einen anderen Klub finden würden.

„Ich versichere, dass der Vorstand hier sich alle Beine ausreißt, damit es hier weitergehen kann“, schloss Alipour sein Statment. Trotz des Ernstes der Situation gelte es, auch im Training den Spaß nicht zu vergessen und zu lachen, das habe er auch der Mannschaft gesagt.

Auf den Trainingsplatz ging bis Enes Topal, der laut Alipour ein Probetraining bei einem türkischen Zweitligisten absolviert, sowie den noch angeschlagenen Dennis Malura und Daniel Grebe (wurden währenddessen behandelt) die gesamte aktuelle Mannschaft. Mit beim Training waren auch der zuletzt verletzte Peter Schmetz, der nach seinem Fußbruch allerdings noch Laufschuhe trug, und Daniel Hägler. Der Außenstprmer, der wegen Addktorenverletzung bisher komplett ausgefallen war, macht die gesamte 100-minütige Einheit mit. Die bestand nach einer kleinen Ballübung zu Beginn aus einem Spiel Zen gegen Zehn über den ganzen Platz und war von hohem Tempo geprägt.Anscheinend eine gute Gelegenheit, die schlechten Nachrichten von vorher in Energie umzusetzen.

Offenbar hofft der Verein durch den Weggang von fünf, sechs Spielern die aktuelle Klippe noch umschiffen zu können. Ob auch von einem Gehalts- oder zumindest Prämenverzicht die Rede gewesen war, war nicht zu erfahren, aber wahrscheinlich.

Noch hat niemand den Verein verlassen

Wie berichtet hatte Manuel Bölstler schon vor Beginn der Winterpause mit allen Spielern gesprochen, einigen mitgeteilt, dass sie sich einen neuen Verein suchen könnten, weil man nicht mehr mit ihnen plane. Bisher hat es aber noch keinen Vereinswechsel gegeben.  Regionalliga-Torschützenkönig Christopher Kramer, für den Angebote vorlagen und für den man bei einem Wechsel eine Ablösesumme verlangen würde, hatte vor wenigen Tagen unserer Zeitung signalisiert, dass er wohl bis zum Saisonende bleiben werde, weil die bisherigen Angebote für ihn nicht gepasst hätten.  Am Montagnachmittag traf Kramer als letzter der WSV-Spieler am Stadion ein. Nach eigenen Angaben würde er gerne in Wuppertal bleiben. Nun müsse er die Situation aber neu bewerten, sagte er später. Was nütze es, wenn er weiter in Wuppertal spiele und nach einigen Spielen stelle sich dann vielleicht doch heraus, dass es hier nicht weitergehe. Angebote von außen lägen ihm durchaus noch vor.

Wie hoch ist das Minus?

Wie groß die finanziellen Probleme des WSV sind, darüber gab es vom Vorstand noch keine Auskunft, sondern man verwies auf eine spätere Mitteilung. Klar ist, dass nach der Insolvenz 2013, nach der man sich einen Neubeginn ohne Altschulden versprochen hatte, wieder erhebliche Verbindlichkeiten aufgelaufen sind.  Bei der Jahreshauptversammlung im Frühjahr 2016 war davon die Rede gewesen,  dass der Kassenkredit von 150 000 Euro bereits ausgeschöpft sei. In diesem Jahr hatte man mit einem Etat rein für die Mannschaft  von 360 000 Euro  den Aufstieg in die Regionalliga geschafft. Im folgenden Jahr war der Mannschaftsetat auf 660 000 Euro erhöht worden, die Saison schloss man aber mit einem Minus von 136 000 Euro ab, was noch hätte vermieden werden können, wenn man erneut das Finale im Niederrheinpokal und damit den DFB-Pokal erreicht hätte. Doch man scheiterte dann im Halbfinale knapp an Rot-Weiss Essen.  Auch aufgrund zurückgehender Zuschauereinnahmen lief in der Saison darauf ein weiteres Defizit von rund 150 000 Euro auf. Der Etat für die erste Mannschaft war da noch einmal auf 850 000 Euro erhöht worden. Genaue Zahlen soll es erst in der Jahreshauptversammlung in diesem Frühjahr geben – zusammen mit einem Ausblick. Die laufenden Darlehen seien aber stetig bedient worden, hieß es, ohne dass ein Gesamtschuldenstand genannt wurde. 

Dass der ohne Gegenmaßnahmen auch für die laufende Saison wachsen dürfte, lässt sich denken. Nach dem im Jahr 2017 als Anreiz für Sponsoren aufgestellten Konzept 2020, das bis dahin einen stetigen Aufbau und möglichst den Aufstieg in die Dritte Liga vorsieht, wurde der Etat für die Erste Mannschaft (umfasst auch das Gehalt von Sportdirektor und Vorstand Manuel Bölstler) noch einmal auf 950 000 Euro erhöht. Sieben, teilweise namhafte Spieler wurden dazugeholt. Doch die Hoffnung, oben mitspielen zu können, erfüllte sich genauso wenig wie die auf wieder steigende Zuschauerzahlen. Mit einem Schnitt von 3000 hatte man kalkuliert – 2590 sind es aktuell, wobei die vermeintlichen Top-Heimspiele gegen Essen und Oberhausen schon gespielt sind.

Gibt es Zahlungsrückstände?

Ob der WSV mit Zahlungen im Rückstand ist, darüber gab es bisher keine Auskunft. Sportamtsleiter Norbert Knutzen wollte das etwa in Bezug auf die Stadionmiete, die der WSV zu entrichten hat, weder bestätigen noch dementieren, verwies darauf, dass das Vertragsangelegenheiten wären. „Die Zahlung hat schon mal gestockt, bisher sind aber alle Rechnungen gezahlt worden“, sagte er lediglich und klammerte dabei noch die ganz aktuelle Situation aus. Auch über die Höhe der Zahlung gibt das Sportamt keine Auskunft. Nach WZ-Information handelt es sich vierteljährlich um eine vierstellige Summe. Generell sagte Knutzen: „Wir haben als Stadt ein sehr großes Interesse daran, dass der WSV als wichtigster Fußballverein in Wuppertal eine verlässliche Nummer bleibt.“

Was ist mit dem Trainingslager?

Was vor dem Hintergrund der neuerlichen Entwicklungen mit dem Trainingslager in der Türkei ist, auch dazu war Manuel Bölstler am Montagmorgen  nicht zu erreichen. Noch im alten Jahr hatte der Verein mitgeteilt, dass die etwa 30 000 Euro teure Maßnahme  für 27. Januar bis 3. Februar gebucht sei. Den Widerspruch, dass man einerseits in Finanznöten sei und sich andererseits ein Trainingslager gönne, obwohl in der Tabelle nach oben kaum mehr etwas geht und man auch keinen Lizenzantrag für die Dritte Liga stellt, man andererseits nach unten abgesichert scheint, hatte man so beantwortet: Die Maßnahme werde über  Sponsoren zweckgebunden finanziert  und nicht aus dem Etat bestritten. Sie sei wichtig, um die neue Mannschaft – auch im Winter sollte es wieder Veränderungen geben – einzuspielen.