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Fans fordern von Verantwortlichen des Wuppertaler SV mehr Tranparenz

Fußball : WSV-Fans fordern  mehr Transparenz

Die Initiative „Aktive Gegengerade“ hat sich in einem offenen Brief an Vorstand und Verwaltungsrat gewandt. Sie warnt nach der überstandenen Insolvenz vor neuen Schulden und neuen Abhängigkeiten. Linksverteidiger Moritz Römling kommt auf Leihbasis vom VfL Bochum.

In einem offenen Brief hat sich die WSV-Faninitiative „Aktive Gegengerade“ an den Vorstand und den Verwaltungsrat des Wuppertaler SV gewandt und um Antworten auf Zukunftsfragen gebeten. Für den Verein biete die überstandene Insolvenz wieder einmal die Chance, sich neu aufzustellen und neu auszurichten und da erwarte man Antworten.

So verständlich, der Wunsch der Sportlichen Leitung sei, sich im Winter zu verstärken, gelte es in keinem Fall, neue Schulden zu machen oder sich in neue Abhängigkeiten zu begeben, zumal Friedhelm Runge, der den Verein aktuell stark unterstützt, diese Unterstützung zeitlich begrenzt habe. Gleichzeitig wünsche man sich, die Fans wieder stärker mitzunehmen - auch bei diesen Entscheidungen. „Natürlich ist es schwierig, gerade in dieser Zeit gute Wege zu finden, um den Kontakt zu den Fans nicht zu verlieren, aber andere Vereine versuchen es wenigstens“, heißt es in dem offenen Brief.

Die aktuelle Intransparenz erzeuge nur Misstrauen. Nach den Neuwahlen, die es im Verwaltungsrat bereits im Dezember gegeben hat, um ihn unter anderem mit Ex-Oberbürgermeister Andreas Mucke, Stephan A. Vogelskamp von der Bergischen Agentur, GMW-Chef Hans-Uwe Flunkert oder Anwalt Karsten Schaudinn aufzufüllen, gab es noch keine offizielle Mitteilung. Derzeit soll man dabei sein, eine digitale Jahreshauptversammlung zu planen, Nachfragen werden aber bisher nicht beantwortet. Eine Pressemitteilung sei in Arbeit. Die Abstimmung scheint offenbar schwierig zu sein. Das Gremium gilt als zerstritten. Das hat sich offenbar auch nach der Neubesetzung nicht geändert, in die unter anderem die „Aktive Gegengerade“ große Hoffnungen setzt.

Unterdessen vermeldete der VfL Bochum, dass man mit Linksverteidiger Moritz Römling (19) nach Lars Holtkamp ein weiteres Eigengewächs bis zum Saisonende an den WSV ausgeliehen habe.

Der Offene Brief der Aktiven Gegengeraden im Wortlaut:

Lieber Vorstand, lieber Verwaltungsrat,

zum neuen Jahr 2021 wollen wir euch alles Gute wünschen und unsere Perspektive auf die Situation in unserem WSV darstellen – denn jetzt müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Die Insolvenz ist so gut wie durch, was uns von Altlasten befreit. Das ist für den Verein mal wieder eine Chance, sich neu aufzustellen und auszurichten. Hier müssen klare und umsichtige Entscheidungen her. Natürlich wünschen sich viele, mit Blick auf die Tabelle, Verstärkung, damit ein Abstieg in die 5. Liga vermieden wird. Verständnis haben wir auch für den Sportvorstand, der die stärkst mögliche Mannschaft zusammenstellen möchte. Allerdings gibt es auch mit neuen Spielern keine Garantie, das Ruder rumzureißen. Aus diesem Grund sollte man jetzt nicht mit allen Mitteln, die wahrscheinlich gar nicht vorhanden sind, auf dem Spielermarkt tätig werden. Das Schlimmste, was dem WSV passieren kann, ist nicht der Abstieg, sondern dass wieder Schulden auf dem Konto stehen. Schulden wären auch bei Verbleib in der 4. Liga eine Katastrophe - nicht zuletzt für die Außenwirkung.

Zudem sollte der Verein tunlichst aufpassen, nicht in andere Abhängigkeiten zu geraten. Es darf nicht vergessen werden: Herr Runge will nach eigener Aussage höchstens noch ein Jahr an der Seite des WSV stehen. 2021 muss also auch ein Übergang organisiert werden, bei dem das Finanzgefüge der Mannschaft auf Mittel des Vereins - ohne das Sponsoring von Herrn Runge - abgestimmt ist, sonst landen wir schnell wieder da, wo wir noch zu Beginn des Jahres standen.

Mit dem neu besetzten Verwaltungsrat steigt die Hoffnung, dass gerade darauf geachtet wird. Jetzt zeigt sich, ob die Verantwortlichen an der Perspektive eines bodenständigen Verein arbeiten: Baut eine Mannschaft, die bezahlbar ist!

Eine solche Perspektive ist realistisch und nachhaltig - der kurzfristige maximale sportliche Erfolg kann aktuell nicht das primäre Ziel sein. Wir glauben, dass die Fans das verstehen werden und weiterhin kommen werden (wenn sie es denn dürfen), wenn man offen und ehrlich mit ihnen kommuniziert. Wir als Fans lechzen nach Ehrlichkeit und sind es leid von Luftschlösser zu hören. Ihr als Verantwortliche habt die Möglichkeit, einen solchen bodenständigen Verein zu entwickeln.

Wir vermissen zudem die Mitnahme der Fans. Informationen sind sehr rar gesät, wenn es um die Zukunft des Vereins geht. Herr Runge als Sponsor spricht von Liga 2 und dass die Insolvenz so gut wie durch sei. Von den Vereinsverantwortlichen gab es dazu keine Mitteilung, auch wenn wir uns über die Zusendung der Stadionzeitung gefreut haben. Doch auch in dieser Ausgabe der 1954 bleiben sehr viele Fragen offen und die Antworten sind für uns nur schwer nachvollziehbar:

- Wie kann Herr Zerrath sagen, dass er mitbekommen hat, dass der Verein wieder in der Stadt angenommen wird? Wurde da einmal mit den Fans gesprochen? Woran wird eine solche Aussage festgemacht?

- Das Hervorheben, eine Ausgliederung sei unausweichlich, um das wirtschaftliche Risiko für den Verein abzuwenden, bedeutet in unseren Augen einen Freibrief für Schulden. Dazu lesen wir, dass ein Investor oder eine Investorin Einfluss haben will.

- Es ist unseriös, den Fans zu verkaufen, dass die 3. Liga durch die Mehreinnahmen aus Fernsehgeldern finanziell zu stemmen sei. Wird sich da nicht mal bei Mannschaften erkundigt, die in dieser Liga spielen? Die Fernsehgelder werden doch durch die Mehrkosten, Reisen quer durch Deutschland, Sicherheitsauflagen etc. wieder aufgefressen.

- Die aktuelle Intransparenz schürt mal wieder Misstrauen und verursacht teilweise sogar Gleichgültigkeit gegenüber dem Verein. Hier entfremden sich langjährige und treue Fans immer weiter vom WSV und statt diesen Trend zu erkennen, feiern sich die Verantwortlichen für Ihr Handeln.

Ohne finanzielle Zuwendungen von außen würde es dem WSV schlecht gehen - hier wird zu Recht Respekt eingefordert. Ohne die Fans läge er aber schon längst unter der Erde - wo bleibt also der Respekt für die Fans?

Angekündigte Transparenzversprechen wurden nicht eingelöst! Wir fordern den Finanzvorstand die Budgetplanung für die Saison 2020/2021 zu veröffentlichen, bzw. zu informieren, wie die Mitglieder hier einen Einblick bekommen können.

Natürlich ist es schwierig, gerade in dieser Zeit gute Wege zu finden, um den Kontakt zu den Fans nicht zu verlieren, aber andere Vereine versuchen es wenigstens. Wir als Fans würden uns wünschen, dass sich das Image des Vereins in der Stadt wieder verbessert, doch das schaffen wir nicht alleine. Hier muss der Verein voran gehen, oder zumindest die Aktionen der Fans anerkennend würdigen und mitmachen und den Aktionen eine Plattform geben.

Das alles würden wir gerne auf einer Jahreshauptversammlung besprechen, doch wir bekommen keine Informationen ob eine JHV wenigstens in 2021 geplant ist. Dass zum ursprünglichen Termin letzten Jahres keine stattfand, kann ja jede und jeder nachvollziehen.

Im Verlauf des Jahres haben andere Vereine aber gezeigt, dass es auch digitale Konzepte gibt, die umsetzbar wären. Hier könnte aufgrund der komplett fehlenden weiteren Informationen der Eindruck entstehen, dass die ausgefallene JHV den Vereinsverantwortlichen sehr gelegen kommt. Wir stellen uns die Frage, ob es schon Pläne gibt, wie und wann eine Mitgliederversammlung in 2021 durchgeführt werden kann.

Es bleibt nicht aus, dass wir mal wieder skeptisch in die Zukunft des WSV gucken. Doch es ist unser Verein und wir alle können und sollten ihn zusammen gestalten. In unserer Vorstellung ist das ein sympathischer bodenständiger in der Stadt verankerter Wuppertaler Sportverein. Der, egal wo er spielt, durch seine gute Atmosphäre, beste Stimmung und gelebte Tradition besticht. Wollt ihr das auch? Dann sind wir dabei! Ihr müsst uns nur einbeziehen.