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Ex-WSVer Keita-Ruel: Aus dem Knast auf den Platz

Ex-WSVer Keita-Ruel: Aus dem Knast auf den Platz

Mit Ratingen spielt Daniel Keita-Ruel am Sonntag gegen seinen Ex-Verein WSV. Er ist „Freigänger“.

Ratingen/Wuppertal. Der Medienrummel um Daniel Keita-Ruel ist derzeit groß, viele wollen ein Interview mit dem Stürmer, der seit September in Diensten der Ratinger Spielvereinigung Germania 04/19 steht. Für den 25-Jährigen selbst ist das Duell gegen den Wuppertaler SV das „Spiel der Saison“, wie er sagt. Immerhin wird der gebürtige Wuppertaler das Stadion am Zoo am Sonntag (Anstoß 14.30 Uhr) erstmals nicht im Trikot des WSV betreten. Und erstmals wird er an seiner alten Wirkungsstätte als „Freigänger“ auflaufen.

Denn im September 2012 wurde Daniel Keita-Ruel verurteilt — zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis wegen schweren Raubes. Ein Jahr zuvor war er verhaftet worden, saß in Untersuchungshaft. „Drei verlorene Jahre“ nennt der Fußballer die Zeit, die seit seiner Festnahme vergangen ist. „Wer weiß, wo ich heute wäre. Aber ich habe genug negativ gedacht. Ich schaue jetzt nach vorne“, sagt er.

Irgendwann wieder höher als Oberliga spielen, das hat sich der antrittsschnelle Angreifer vorgenommen. Aber erst einmal will er sich mit und bei Ratingen etablieren. Dass er dort wieder das tun kann, was er am liebsten macht, habe er vor allem seinem Trainer zu verdanken. „Den Vertrauensvorschuss, den Peter Radojewski mir gegeben hat, will ich mit guter Leistung zurückzahlen“, sagt Keita-Ruel.

Zwei Tore und drei Vorlagen in neun Spielen, das lässt sich gut an. Die Vorbereitung bei Ratingen hatte er im Sommer zwar nicht mitmachen können. Erst Ende August hatte er den Freigänger-Status erhalten. „Als er zu uns kam, dachte ich, ein paar Wochen braucht er noch, um wieder fit zu werden“, sagt Peter Radojewski. Doch zu seiner Überraschung stieg „Keita“, wie ihn alle nennen, körperlich fitter denn je ins Training ein, erinnert sich der Ratinger Coach, der bis Mitte Februar dieses Jahres noch Cheftrainer beim WSV war.

Das kam nicht von ungefähr, denn im Gefängnis hatte der junge Fußballer schnell einen Job als „Sportwart“ bekommen. „Von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr abends war ich für den Sportbereich zuständig. Wenn dort verschiedene Gruppen trainieren wollten, musste ich sie einteilen, schauen, dass der Fitnessbereich sauber ist. Aber vor allem konnte ich selbst die ganze Zeit Sport machen“, erzählt Keita-Ruel, der von WSV-Athletik-Trainer Thomas Ediger alle zwei Wochen einen neuen Trainingsplan bekommen hatte — und sich daran hielt. „Oft habe ich sogar das Doppelte gemacht“, verrät Keita-Ruel das Geheimnis seines Fitness-Erfolges.

Auch Peter Radojewski hatte den Kontakt zu seinem Schützling nie abreißen lassen: „Es ist aber das erste Mal gewesen, dass ich einen meiner Spieler im Gefängnis besuchen musste“, gibt der Ratinger Trainer zu. Seit Daniel Keita-Ruel Freigänger ist, sehen sich die beiden ausschließlich auf dem Platz. Nach einem Spiel oder nach dem Training muss der Deutsch-Franzose nämlich wieder ins Gefängnis. Da er im Sommer auch eine Ausbildung als Versandkaufmann begonnen hat, ist die Zeit, die er in seiner Zelle verbringen muss, kurz.

Morgen will er seiner Familie und seinen Freunden, vor allem aber seinem Trainer zeigen, dass er sich verändert hat. Schlagzeilen will er nur noch Positive machen: „Zum Beispiel, dass ich mit Ratingen aufsteige“, sagt er.