1. Sport
  2. Fußball
  3. Wuppertaler SV

Der Wuppertaler SV läuft den Ansprüchen hinterher

Erneut am Scheideweg : Der Wuppertaler SV läuft den Ansprüchen hinterher

Auch unter Neutrainer Björn Mehnert setzt sich die Ergebniskrise bisher fort.

Was für eine Saison für den Traditionsverein Wuppertaler SV in der Fußball-Regionalliga. Im Sommer hatten viele  Konkurrenten fast ein wenig bewundernd Richtung Stadion am Zoo geschaut, denn der WSV schien sowohl seine hausgemachten wirtschaftlichen Schwierigkeiten,  als auch die Unbillen der Coronakrise gut zu verkraften. Dank der Rückkehr von Ex-Präsident Friedhelm Runge als Ankersponsor konnte die Mannschaft personell aufgerüstet werden. Nachdem die Vorsaison bei einem Mini-Etat von offiziell 300 000 Euro von vorneherein nur im Zeichen des Kampfs gegen den Abstieg gestanden hatte, hofften Sportvorstand Thomas Richter und der neu verpflichtete Sportliche Leiter Stephan Küsters, eine „ruhige Saison spielen zu können“. Viele Trainer erwarteten den WSV angesichts von Neuzugängen wie Marco Königs, Tim Wendel, Jonas Erwig-Drüppel oder Kevin Pires, die bereits in höheren Ligen gespielt haben, eher zwischen den Plätzen fünf und zehn. Doch momentan sieht die Realität ganz anders aus. Reihenweise hat der WSV zuletzt gegen vermeintliche Konkurrenten aus den unteren Tabellenregionen verloren, ist nach dem 0:1 am Mittwoch in Bergisch Gladbach auf Platz 18 abgerutscht und droht, auf einem Abstiegsplatz überwintern zu müssen. Sollte es zu einem Saisonende nach der Vorrunde kommen, wovon derzeit freilich nicht auszugehen ist, könnte das ganz bittere Folgen haben.

Dabei hatte Friedhelm Runge vor wenigen Tagen in einem Interview im Reviersport sogar davon gesprochen, dass er sich in zwei Jahren einen Angriff auf die 2. Liga vorstellen könne. Für zwei Jahre hat der 81-Jährige dem Verein zunächst seine Unterstützung versprochen, ist auch der Anker im aktuellen Insolvenzverfahren, das der WSV an diesem Freitag hofft, erfolgreich abschließen zu können und in den man den Gläubigern ein Quote von sechs Prozent versprochen hat. Insgesamt 1,885 Millionen Euro an Schulden sind im Insolvenzplan aufgelistet, viel davon angehäuft in den Spielzeiten 2017/18, als die Zuschauereinnahmen auch aufgrund zahlreicher Nachholspiele weit hinter den Erwartungen geblieben waren, sowie in der darauffolgenden Spielzeit, als man den Etat nach einem erfreulichen dritten Platz noch einmal aufgestockt hatte, bei erneut viel zu optimistischen Einnahmeerwartungen.

Aktuell ist der Verein wieder am Scheideweg angekommen. Eine Ablehnung des Insolvenzplans, würde sogar das Aus bedeuten. Immerhin sieht es nicht danach aus, denn zahlreiche Gläubiger haben ihr Wohlwollen bereits ausgedrückt. So geht es vor allem um  den künftigen Kurs, wobei es noch keine Übereinkunft mit Friedhelm Runge und dem gerade unter anderem mit Wuppertals Ex-Oberbürgermeister Andreas Mucke aufgestockten Verwaltungsrat gibt – und eben um die prekäre sportliche Situation. „Das wird bis zum Ende Kampf um den Klassenerhalt sein“, hat Trainer Björn Mehnert, der vor zwei Wochen den aufgrund der sportlichen Bilanz abgelösten Alexander Voigt ersetzte, nach dem 0:1 am Mittwoch gesagt.

Bei nur einem Punkt aus zwei Kellerduellen konnte auch Mehnert die Trendwende bisher nicht schaffen. Stephan Küsters denkt laut über Verstärkungen in der Winterpause nach, doch die sind nur realisierbar, wenn auch Friedhelm Runge mitspielt. Es bleibt spannend beim WSV –  auch über Weihnachten hinaus.