Der Wuppertaler SV ist seit drei Spielen ungeschlagen

Fußball-Regionalliga : WSV zittert sich zum Sieg gegen Wattenscheid

Im alten Westduell besiegt der Wuppertaler SV die abstiegsbedrohte SG Wattenscheid nach starker erster Hälfte am Ende knapp mit 3:2 (3:0) und ist seit drei Spielen ungeschlagen.

Am Tag des Ehrenamts hat der Wuppertaler SV im Duell der ehrwürdigen Westklubs einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga gemacht. Mit 3:2 besiegten die Wuppertaler vor 2283 Zuschauern im Stadion am Zoo die stark abstiegsbedrohte SG Wattenscheid und vergrößerten den Abstand auf den ersten Abstiegsplatz auf zwölf Punkte. Es war gleichzeitig der erste Sieg im ersten Spiel unter Interimstrainer Pascal Bieler, während Wattenscheids neuer Sportdirektor Peter Neururer, der zum vierten Mal mit auf der Bank saß, immer noch auf einen Sieg der Schwarz-Weißen warten muss. Nach überlegen geführter erster Hälfte musste der WSV allerdings im zweiten Durchgang um die drei Punkte zittern, geriet nach einer Gelb-Roten Karte gegen Enes Topal nach 50 Minuten noch mächtig ins Schwimmen.

Kevin Hagemann bringt den WSV in Führung

Pascal Bieler hatte gegenüber dem 0:0 in Köln unter Vorgänger Adrian Alipour personell nur eine Änderung vorgenommen. Für den gelbgesperrten Daniel Grebe rückte Gino Windmüller ins Mittelfeld vor. Dafür bekleidete Peter Schmetz nach abgelaufener Rotsperre wieder die Innenverteidigerposition. Die jungen Niklas Lübcke im Tor und Phil Britscho links in der Viererkette erhielten erneut den Vorzug, obwohl die verletzten Sebastian Wickl und Mario Andric wieder im Kader standen. Dem gehörten diesmal „nur“ drei A-Jugendliche an.

Die Kniffe von Bieler funktionierten zunächst. Der WSV wirkte von Beginn an gut organisiert. Und das diesmal auch nach vorne – gegen allerdings erkennbar verunsicherte Gäste. Kevin Hagemann hielt zunächst einmal konsequent die rechte Außenbahn, Gaetano Manno blieb links, und innen lauerte Enes Topal.

Nach zehn Minuten dann der erste zwingende Angriff. Meier behielt im Mitterfeld nach Balleroberung die Übersicht, schickte Britscho links auf die Reise und der flankte schön auf Windmüller. Doch dessen Kopfball aus etwa 15 Metern war kein allzu großes Problem für Torwart Edin Pepic. Eine Minute später war der allerdings machtlos. Innenverteidiger Dennis Malura schickte Kevin Hagemann mit einem feinen Pass in den freien Raum. Der behielt vor dem Tor die Nerven, spitzelte den Ball an Pepic vorbei ins Eck. WSV-Rufe im Anschluss nur von der Tribüne. Die „Nord“ blieb still (das Transparent „keine Stadionverbote auf Verdacht“hängt weiter).

Bis dahin hatte der WSV das Spiel klar im Griff. Doch ein erster Warnschuss von Mael Corboz, der knapp vorbeiging, zeigte, dass Wattenscheid die Punkte so leicht nicht abgegeben wollte. Kurz darauf, nach einem Fehlpass von Peter Schmetz, lief der Ex-Sprockhöveler Berkant Canbulut aufs Tor zu, wurde aber noch gestoppt. Einen Ballverlust von Jan-Steffen Maier konnte Malanda Tunga nicht nutzen. Vielleicht ein Grund dafür, warum Wattenscheid in der Tabelle so schlecht steht.

Danach übernahm wieder der WSV die Initiative und hatte eine Schrecksekunde zu überstehen, als der starke Kevin Hagemann wieder einmal seinem Gegenspieler entwischt war, der ihn von hinten festhielt und Hegemann auf seinen (operierten?) Arm fiel. Zudem hatte ih der Gegenspieler noch unabsichtlich auf die Hand getreten. Der Schiedsrichter hatte kein Foul gesehen,ließ weiterspielen und Hagemann konnte zum Glück nach kurzer Behandlung mit einer Bandage an der Hand (der vierte Handverletzte beim WSV binnen kurzer Zeit) wieder mitmachen.

WSV bleibt sehr effektiv

Danach dominierte der WSV wieder, ohne glänzen zu müssen. Einem Tor von Enes Topal verweigerte Schiedsrichter Ricardo Morais zurecht die Anerkennung. Topal hatte den von Peter Schmetz verlängerten Ball wohl mit der Hand berührt und reklamierte auch nicht, als er dafür die Gelbe Karte sah. Das 2:0 fiel kurz darauf trotzdem, als Unglücksrabe Steve Tunga Malanda eine Flanke beim Klärungsversuch ins eigene Netz köpfte (35.). Schön herausgespielt dann das 3:0 unmittelbar vor der Pause. Enes Topal flankte von links in die Mitte, wo Jan Steffen-Meier aus dem Mittelfeld durchgestartet war und den Ball mutterseelenallein in die Ecke köpfen konnte.

Beginn der zweiten Hälfte brachte sich der WSV mal wieder selbst in die Bredouille. Der schon gelbverwarnte Enes Topal fragte energisch nach, als aus seiner Sicht ein Foul an ihm nicht geahndet wurde und erhielt die Gelb-rote Karte. „Der Gegenspieler hat zuvor soagr zugegeben, dass er gefoult hat“, sagte Topal später verständnislos. Schiedsrichter Morais pfeift übrigens normalerweise 1. Luxemburgische Liga, und es blieb nicht seine einzige merkwürdige Entschedung.

Der WSV gerät in Unterzahl stark unter Druck

40 Minuten Unterzahl also, nachdem man schon in Aachen sogar 75 Minuten nur mit zehn Mann hatte spielen müssen. Pascal Bieler reagierte mutig, schickte Semir Saric für Mittelfeldspieler Meik Kühnel aufs Feld, um die Mittelstürmerposition wieder mit einem schnellen Mann besetzt zu haben.

Ihre Defensivhaltung gaben nun die Ultra-Fans auf, stimmten ab der 54. Minute (bekanntlich das Gründungsjahr des WSV), erstmals seit Wochen wieder ihre Gesänge an.

Dennoch sah es kurz darauf nach einer drohenden Abwehrschlacht aus. Wattenscheid kam durch Kapitän Nico Buckmaier nach einer Stunde zum Anschlusstreffer. Bei seinem Tor aus spitzem Winkel sahen weder Abwehrspieler Jan-Steffen Meier noch Torwart Lübcke gut aus. Lübcke, beim 0:0 in Köln noch der Held des Tages, geriet in der Folgezeit mehrmals ins Schwimmen, wirkte leicht beeindruckt.

Nach 70 Minuten kassierte Kapitän Gaetano Manno dann seine neunte Gelbe Karte. Nach einer rüden Attacke gegen Dennis Malura hatte er auf Foul reklamiert, der in mehreren Szenen umstritten entscheidende Schiedsrichter zeigte ihm den gelben Karton. Malura musste raus, erhielt einen Ellenbogenverband und wurde durch Stürmer Kenan Dünnwald-Turan ersetzt. Der Schiedsrichter hatte die Zuschauer endgültig gegen sich aufgebracht. Immerhin feuerten sie den WSV jetzt deutlich an. Der hatte nach einem Pfostenschuss von Buckmaier die nächste Schrecksekunde zu überstehen, wirkte nicht stabil. Bei einem guten Konter hätte Hagemann allerdings auch das 4:1 erzielen können.

Stattdessen fiel nach 82 Minuten das 2:3. Lobinger konnte von rechts gegen mehrere WSVer flanken, und am zweiten Pfosten stand Julijan Popovic blank. Kurz darauf sah Torwart Lübcke bei einem Freitsoß von Mail Corboz schlecht aus, hatte Glück, dass der Ball an die Latte klatschte. Und erneut nur wenig später durfte Lübcke dann zum Glück die Faust ballen, als er einen Schuss von Lex Lobinger, der aus nächster Nähe an den Pfosten ging, anschließend mit einem Reflex noch rausboxte. Es ging in die fünfminütige Nachspielzeit, in die Schiri Morais dem Wuppertaler Torwart, der einen Abstoß aus seiner Sicht zu langsam ausgeführt hatte, erst einmal die Gelbe Karte mitgab. Ein wirklich bunter Nachmittag, ging dann mit einem am Ende sogar glücklichen WSV-Sieg zu Ende.

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