Das sind die Hintergründe der Krise des WSV

Finanzielle Sorgen: Das sind die Hintergründe der WSV-Krise

Die Krise des Wuppertaler Sportvereins erinnert in Teilen an die jüngere Vergangenheit des Vereins. Der Umschwung könnte aber klappen. Eine Analyse.

Der Wuppertaler SV steht vor dem finanziellen Abgrund. Diese Nachricht schlug am Montag in der Stadt wie ein Blitz ein, auch wenn bei Wuppertals Aushängeschild im Fußball schon lange die Einnahmen nicht mehr mit den Ausgaben übereinstimmten. Viele Insider zeigten sich deshalb nicht überrascht. Wie schlimm es wirklich ist, da ließen sich die Verantwortlichen bis Montagabend immer noch nicht in die Karten schauen, doch es muss fünf vor zwölf sein, wenn man zu dem Rettungsanker greift, allen Spielern die Freigabe zu erteilen.

WSV-Trainer Adrian Alipour zur aktuellen Lage

Die Maßnahme erinnert an die Situation unter Friedhelm Runge im Winter 2013, als der damalige Präsident zu derselben Lösung griff - allerdings aus Verärgerung, dass die sportlichen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Diesmal liegt der Fall anders. Die Zeiten des Mäzenatentums wollte man hinter sich lassen, nachdem Runge Anfang 2013 zurückgetreten und die Bewegung WSV 2.0 den Verein in die Planinsolvenz geführt und von seinen Altlasten befreit hatte.

Jetzt ist es das Konzept WSV 2020, das die 2.0-Nachfolger (vom Ursprungsstamm sind nicht mehr viele übrig) dem Verein verordnet haben, das ihm den Rest geben könnte. Denn eine zweite Insolvenz würde der WSV kaum überleben. Keine Frage, die Aufbauarbeit der vergangen zwei Jahre war bemerkenswert, die Mannschaft scheint personell so stark wie lange nicht. Auch im administrativen Bereich legte man zu. Doch dabei hat man zu lange die Augen davor verschlossen, dass dieser Ansatz finanziell auf Sand gebaut war. Die Hoffnung: Bei sportlichem Erfolg ziehen die Einnahmen nach. Ständige Etaterhöhungen einerseits, enttäuschte Erwartungen bei den Zuschauern, und kaum steigende Erlöse auf der Sponsorenseite - das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Jetzt die Notbremse zu ziehen, das Konzept zurückzufahren und abzuspecken, ist wohl die einzige Lösung, um das Boot über Wasser zu halten, das zu lange mit voller Fahrt in schwerer See unterwegs war. Natürlich müssen sich die Verantwortlichen hinterfragen und die Gremien, die sie kontrollierten. Einfach von Bord zu gehen, ohne Alternativen zu präsentieren, würde die Wellen kaum glätten - im Gegenteil. Das Boot, das zuletzt sportlich rein von Sportvorstand Manuel Bölstler gelenkt wurde, wäre steuerlos.

Es gilt zu retten, was zu retten ist. Und da gibt es einiges. In erster Linie die starke Nachwuchsarbeit, die noch dazu mit Nocken und Stadionnebenplatz gerade erst zwei Spielstätten erhalten hat. Dass die Jugendabteilung so erfolgreich wie lange nicht ist, schlägt sich in der ersten Mannschaft kaum nieder. Im Gegenteil wurden da zu Saisonbeginn viele fertige Spieler geholt. Mit reduzierten Zielen könnte man sich wieder mehr auf den eigenen Nachwuchs besinnen.

Drücken wir die Daumen, dass das Schlimmste abgewendet wird. Viele schimpfen auf den WSV - egal ist er kaum jemandem in Wuppertal.

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