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WM-Auftakt 2022: DFB-Elf protestiert mit Geste gegen Fifa-Verbote​

„One Love“-Streit : Deutsche Nationalspieler protestieren mit Geste gegen Fifa-Verbot

Es wurde erwartet: Die deutsche Nationalmannschaft hat beim WM-Auftakt gegen Japan ein Zeichen gesetzt - danach folgte die Bundesinnenministerin.

Die deutsche Nationalmannschaft hat kurz vor dem WM-Auftakt gegen Japan am Mittwoch mit einer stillen Geste auf das Verbot der One Love-Binde reagiert. Die Spieler der DFB-Elf hielten sich beim Mannschaftsfoto demonstrativ den Mund zu.

Die DFB-Auswahl sendete damit sehr offensichtlich ein Zeichen an den Fußball-Weltverband FIFA, der in Katar die „One Love“-Kapitänsbinde von Manuel Neuer und sechs weiteren europäischen Mannschaftskapitänen verboten hatte. Neuer trug stattdessen am Mittwoch im Khalifa International Stadion in Al-Rajjan die von der FIFA vorgegebene „No Discrimination“-Binde, die gegen Diskriminierung jeder Art stehen soll. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) setzte ebenfalls ein klares Zeichen - sie trug die von der Fifa auf dem Platz verbotene „One Love“-Binde. Die Innenministerin verbreitete am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter ein Foto von sich auf der Tribüne, das sie mit der Binde am linken Arm zeigt.

Die FIFA hatte sportliche Sanktionen angedroht für den Fall, dass die mehrfarbige „One Love“-Kapitänsbinde bei den WM-Spielen in Katar doch getragen wird. Der DFB verzichtet daher wie alle an der Kampagne teilnehmenden Nationen auf die geplante Aktion.

WM 2022 in Katar: „FIFA arbeitet mit Einschüchterung und Druck“

„Die FIFA arbeitet mit Einschüchterung und Druck, das muss man zunächst konstatieren“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf in der ARD. „Ich stehe zu allem, was ich gesagt habe zum Thema Menschenrechte. Wir sind in der Opposition zur FIFA, das ist ganz wichtig, dass das hier deutlich wird. Wir müssen überlegen, welche Schlüsse wir daraus ziehen.“

Um das Tragen der „One Love“-Kapitänsbinde bei der Weltmeisterschaft in Katar zu verhindern, hat der Fußball-Weltverband FIFA offenbar einen stärkeren Druck auf die europäischen Teams ausgeübt als bislang bekannt. Das berichteten die Offiziellen des dänischen Fußball-Verbands DBU am Mittwoch bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im WM-Quartier ihrer Mannschaft in Al-Rajjan.

„Am 21. November bat die FIFA um ein dringendes Treffen, um die Angelegenheit zu besprechen“, erklärte der DBU-Direktor Jakob Jensen. „Die FIFA kam ins englische Team-Hotel und machte hier deutlich, dass es sportliche Sanktionen geben würde, wenn jemand die Binde trägt. Und sie sagten, dass es mindestens eine Gelbe Karte gäbe.“

Sportdirektor Peter Möller nannte dieses Verhalten des Weltverbands „inakzeptabel. Wir distanzieren uns entschieden von den Methoden der FIFA“, sagte der frühere Nationalstürmer. „Allein die Tatsache, dass wir keine klare Antwort zu den möglichen Strafen bekommen haben, sagt doch alles.“

(red/dpa/afp)