WM 2018: Warum Marco Reus jetzt so wichtig ist

WM 2018 : Warum Marco Reus jetzt so wichtig ist

Der Dortmunder Marco Reus ist 29 und spielt seine erste WM. Er ist hoch motiviert und in guter Form — und hat damit vielen anderen etwas voraus.

Kasan. 29 Jahre alt ist er. 33 Länderspiele und zehn Tore sind nicht schlecht, aber eigentlich ist diese Bilanz ein Witz, wenn man das Talent des begabten Kickers betrachtet. Zu wenig. Die Gründe dafür sind einfach zu benennen: Immer und immer wieder kamen Verletzungen dazwischen. Hochbegabt und hochempfindlich — das trifft auf den Dortmunder zu.

Bei dieser WM, seiner ersten, hat er den Teamkollegen dennoch etwas voraus. Das Wissen um Last-Minute-Siege zum Beispiel. Hatte Timo Werner, mit dem er zuletzt gegen Schweden nach der Pause eine freischaffende Flügelzange bildete, in diesem Spiel Zweifel an so einem Erfolg, so kramt Reus tief in seinem Erfahrungsschatz mit Borussia Dortmund: „Ganz neu war das für mich nicht. Ich habe das schon einmal erlebt, als wir mit Dortmund gegen Malaga zwei Treffer in der Nachspielzeit geschossen haben und in der Champions League weitergekommen sind.“

Diesen Glauben, dieses Selbstbewusstsein sieht er auch in der Nationalelf, die jetzt endlich auch seine Nationalelf ist. Denn Reus ist angekommen, gegen Mexiko erst eingewechselt, Hoffnungsträger dann gegen Schweden, im Südkorea-Spiel aufgestiegen zum Anführer — so oder so ähnlich lautet die steile DFB-Karriere der letzten Wochen. Die Machtverhältnisse drehen sich gerade, die Weltmeister von 2014 sind zum Teil ihre Stammplätze los. Reus, der WM-Debütant, spekulierte zwar keinesfalls auf die Mexiko-Krise, ein Gewinner dieser ist er dann aber doch.

Die Botschaften des Mannes, der unter Lucien Favre bei Borussia Mönchengladbach zum echten Potenzialspieler wurde und bald wieder unter eben jenem Favre in Dortmund trainieren wird, sind, anders als in frühen Zeiten: klar und deutlich. Höflich ohnehin. Reus ist vielleicht immer noch ein bisschen zurückhaltend, aber immer verbindlich. Und er ist auf seine fußballerische Art einer, der Verantwortung nicht mehr ablehnt.

Der über Ahlen Und Gladbach zum BVB zurückgekehrte Reus ist ein gereifter Spieler. Beispiele? Es sei kein Untergang, wenn der Bundestrainer ihn mal aus dem Team nehmen würde. Der Teamplayer.

Deutschland hat 23 Spieler mit Riesenqualität, alle brennen für die Aufgabe, das hat sich gegen Schweden bewahrheitet. Ein Motivator.

Und auch für Mesut Özil, Sitznachbar von Reus in der Kabine, bricht er ein Lanze: „Mesut ist sehr wichtig für uns, und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er uns in diesem Turnier noch helfen wird.“ Der Versteher.

Die Nummer 10, der gerade auf die Bank verdrängte Arsenal-Star, und die Nummer 11 ziehen an einem Strang. Reus lässt kein Fitzelchen Raum für Kritik an Özil. Der Kumpel.

Sportlich betrachtet könnten sich Reus und Werner bei diesem Turnier zur neuen Traumachse entwickeln. Gegen Südkorea steht das nächste Endspiel an, ein Sieg mit zwei Toren beendet alle Rechenspiele um das Weiterkommen. Reus: „Wir haben ein Ziel: Südkorea schlagen.“

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