WM 2018: TV-Kritik zum WM-Finale: Réhty schwach - Experten machen es besser

WM 2018 : TV-Kritik zum WM-Finale: Réhty schwach - Experten machen es besser

Moskau. Abgesehen vom pathetisch-langen Vorspann, bleibt „das Zweite“ am Finaltag erst mal bodenständig. Die filmischen Teamvorstellungen werden durch Experten im Studio in Baden-Baden ergänzt.

„Ich glaube, die Kroaten können hier was reißen“, sagt Oliver Kahn auf Anraten seines Bauchgefühls. Er kann auch tiefgründiger. „Keine Mannschaft kommt im Turnier häufiger über außen als Kroatien“, streut er Statistiken ein. Deutsch-Franzose Gernot Rohr passt perfekt in die Runde, liefert Sachkundiges zu „Les Bleus“. „Man glänzt nicht, ist aber effizienter geworden“, sagt Rohr. Das gilt für Frankreich, er könnte aber auch das ZDF meinen. Für emotionale Momente sorgt der Außenreporter in Stuttgart. Beim Public Viewing mit vielen kroatischen Fans ahnt man: Es könnte laut und schrill werden — so wie die Abschlussfeier vor dem Anpfiff, aber dafür kann das ZDF nichts.

Lauter werden kann auch Kommentator Béla Réthy, aber er variiert seine Stimme dosiert. Schrill wird er nie. Dafür ist der 61-Jährige in seinem dritten WM-Finale viel zu erfahren. Kleinere Zuordnungsprobleme macht er wett, als er den Freistoß vor Frankreichs 1:0 korrekt als „kleines Schiedsrichtergeschenk“ einstuft. Das 2:1 ist für ihn „ein Elfmeter, über den man diskutieren kann“. Und es wird diskutiert. Réthy legt sich nach den Zeitlupen fest: „Ich hätte ihn nicht gegeben. Der Abstand war zu gering, es war keine Absicht.“

Fußball-WM 2018: Engländer Harry Kane Torschützenkönig

Widerspruch gibt es in der Pause von Ex-Schiedsrichter Urs Meier: „Ohne Videobeweis hätte man ihn nicht gegeben.“ Nach Ansicht der Bilder sei ein Strafstoß aber zu vertreten. Nigeria-Trainer Rohr klärt über die strenge Sichtweise der FIFA auf: Wenn die Hand nicht am Körper liegt, ist es Elfmeter. Réthy mag in der Bewertung falsch liegen, aber er hat Mitspieler, die für ihn ausputzen. Eine solide Teamleistung des ZDF, aus der der Kommentator in der zweiten Halbzeit nicht mehr herausragt. Das Ergebnis sei „viel zu hoch“, findet Réthy — eine Minderheitenmeinung.

Siegerinterviews, eine langatmige Ehrungszeremonie — viel Zeit ist zu überbrücken, ein trockenes Unterfangen für Réthy. Zurück ins Studio: Die TV-Experten dürfen ihre WM-Highlights benennen, das ZDF hinterfragt noch mal das deutsche Scheitern und zieht eine russische Stimmungsbilanz. Ernsthaft? Es hätte bessere Inhalte gegeben: Eindrücke aus Paris, von den Kroaten in Stuttgart, Aussagen von Finalsiegern und -verlierern. Auf den letzten Metern geht dem ZDF leider ein bisschen die WM-Begeisterung aus.

Mehr von Westdeutsche Zeitung