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WM 2018: Schwedens Augustinsson: „Wir können jedem Team weh tun“

WM 2018 : Schwedens Augustinsson: „Wir können jedem Team weh tun“

Seit Sommer 2017 spielt Ludwig Augustinsson für Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga. Der Linksverteidiger kam seinerzeit vom FC Kopenhagen und gehört zur hoffnungsvollen Generation der Schweden.

Diese hatte ihre Geburtsstunde im Juni 2015. In Prag wurde Augustinsson damals unter anderem mit Victor Lindelöf (Manchester United), Filip Helander (FC Bologna), Joseph Baffo (Eintracht Braunschweig), Oscar Hiljemark (FC Genua 1893), John Guidetti (Celta Vigo) sowie dem von Mönchengladbach umworbenen Angreifer Isaac Kiese-Thelin (RSC Anderlecht) überraschend U 21-Europameister.

Bis auf Lindelöf tragen diese Akteure noch nicht die Trikots der größten Vereine Europas. Ihr Können aber haben sie inzwischen auch in Schwedens A-Nationalmannnschaft unter Beweis gestellt. In Abwesenheit des endgültig zurückgetretenen Superstars Zlatan Ibrahimovic ließen sie in der Qualifikation zur WM zunächst die Niederlande scheitern und verurteilten auch Italien erstmals seit 1958 zum Zuschauen.

Herr Augustinsson, waren die Niederlande und Italien so schlecht oder ist Schweden so gut?

Ludwig Augustinsson: Wir sind auf jeden Fall nicht zu unterschätzen. Auch beim knappen 1:2 in Frankreich haben wir gezeigt, dass wir Probleme bereiten können.

Die Qualifikation begann mit einem eher schmeichelhaften 1:1 gegen die Niederlande sowie einem äußerst zähen 1:0 in Luxemburg. Wann hat die Mannschaft gemerkt, dass sie trotzdem eine Chance hat?

Augustinsson: Drei Tage nach dem Sieg in Luxemburg haben wir gegen Bulgarien klar mit 3:0 gewonnen und dann kam das besagte Spiel in Paris. Wir haben die Franzosen dominiert und lange geführt. Da haben wir gefühlt, dass etwas geht.

Worin liegt das Geheimnis des erreichten Erfolges?

Augustinsson: Wir arbeiten als Gemeinschaft. Andere Mannschaften sind individuell sicherlich besser besetzt, aber mit unserem Teamgeist können wir viel erreichen. Wenn der Gegner den Ball hat, dann verteidigen alle mit hoher Disziplin und viel Herz. Können wir den Ball erobern, gilt es schnell Raum für die Kreativität unserer Angreifer zu schaffen.

Vorne musste es nach 15 Jahren erstmals ohne Zlatan Ibrahimovic funktionieren. Hätten Sie sich für die WM seinen Rücktritt vom Rücktritt gewünscht?

Augustinsson: Zlatan ist der größte schwedische Fußballer aller Zeiten. Er kann einer Mannschaft mit seinen Qualitäten enorm viel geben und ist auch mit seiner Art als Typ ein Gewinn. Er war jedoch wegen Verletzungen bis in den März hinein nicht richtig fit und hat eine Rückkehr auch deshalb nie ernsthaft in Erwägung gezogen.

Da war es umso wichtiger, dass mit dem Gewinn der U 21-EM vor drei Jahren ein goldener Jahrgang herangereift ist...

Augustinsson: Ja, dieses Turnier war ein echter Weckruf. Und da die meisten Spieler inzwischen in den starken Ligen Europas unterwegs sind, könnte der schwedische Fußball eine erfolgreiche Zukunft besitzen. Der Verband SvFF hat ein gutes System aufgebaut, um Talente zu entwickeln. Auch unsere aktuellen Jugend-Nationalteams sind bei Turnieren ordentlich dabei.

Sie spielen seit einem Jahr in der Bundesliga. Was haben Sie bei der WM-Auslosung gedacht, als Schweden ausgerechnet in die deutsche Gruppe gezogen wurde?

Augustinsson: Einerseits finde ich das ganz witzig, weil ich in Deutschland spiele. Das wird schon eine besondere Partie für mich. Gegen den amtierenden Weltmeister antreten zu müssen ist andererseits aber natürlich auch brutal schwer.

Wie bewerten Sie demnach die gesamte Gruppen-Konstellation?

Augustinsson: Mexiko hat bei den vergangenen Turnieren stets gute Leistungen gezeigt und Südkorea besitzt mit Heung-min Son von den Tottenham Hotspur einen Weltklasse-Stürmer. Wir brauchen gegen Südkorea einen Erfolg, um nach dem Duell mit Deutschland ein Finale gegen Mexiko zu bekommen.

Als Gruppenzweiter droht dann im Achtelfinale allerdings Brasilien...

Augustinsson: Das ist zu erwarten, aber wir fürchten keinen Gegner. Wir sind bereit und können jeder Mannschaft weh tun. Bei der U 21-EM vor drei Jahren hatte uns auch keiner auf der Rechnung. Natürlich gehört immer auch Glück dazu, aber unmöglich ist nichts. Träumen dürfen wir auf jeden Fall.