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WM 2018: Deutschlands Chancen bei der WM - Die Trümpfe des Weltmeisters

WM 2018 : Deutschlands Chancen bei der WM - Die Trümpfe des Weltmeisters

<h2>Die TorhüterMit Manuel Neuer beherbergt Joachim Löw den anerkannt Besten der Welt. Wenn der Pessimist beim Gelsenkirchener mit bajuwarischem Einschlag nicht zu Unrecht von fehlender Spielpraxis spricht, ruft der Optimist: Ausgeruht in die WM, besser geht’s doch gar nicht!

Sollte Neuer dennoch schwächeln, ist Marc André ter Stegen da. Wer in Barcelona besteht, kann auch bei der WM in jedes kalte Wasser springen.

Ohne funktionierende Hierarchie wird niemand Weltmeister. Auch wenn man bei der Nationalmannschaft in jüngerer Zeit gerne von flachen Hierarchien gesprochen hat und die Zeiten, in denen eine Podolski-Ohrfeige für Chef Michael Ballack notwendig wurde, um den Frust der Unterordnung zu verarbeiten, passé sind: Die deutsche Elf hatte bei jedem ihrer WM-Titel Achsen und Anführer.

Toni Turek, Fritz Walter und Helmut Rahn waren es bei der WM 1954. Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath und Gerd Müller beherrschten 1974 die Mannschaft — ganz positiv gemeint. Und 1990 in Italien gaben vor allem Klaus Augenthaler, Guido Buchwald, Lothar Mattäus und Jürgen Klinsmann die Säulen, an denen sich andere aufrichteten.

2018 dürften Manuel Neuer, Mats Hummels, Jérôme Boateng, Toni Kroos und Thomas Müller jene Spieler sein, die den Rhythmus und das Gefühl für eine neue WM-Episode vorgeben — wie das zuletzt 2014 auch Per Mertesacker, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger vorgelebt haben. Sie haben die Erfahrung eines WM-Titels und sowohl 2012 als auch 2016 bei den entsprechenden Europameisterschaften die Erfahrung gemacht, was es heißt, wenn Teamgeist (2012) oder Einstellung (2016) nicht hundertprozentig funktionieren. Vor allem Kroos hat zudem das Selbstbewusstsein seines nächsten CL-Titels.

Bisweilen geht dieses hohe deutsche Gut bis an den Rand zur Selbstverleugnung: Auch wenn man gerade 1:2 und das erste Mal seit Jahrzehnten ein Länderspiel gegen Österreich verloren hat, scheint sich an der grundsätzlichen deutschen Überzeugung nichts zu ändern: Wir sind gut, wir bekommen das hin. Ein Mantra, das Bundestrainer Joachim Löw seit mehr als einem Jahrzehnt vor sich her trägt. Das ist natürlich auch gewachsen durch die Erfahrung, das ärgerliche Testspiele und ihre Ergebnisse vor der WM selten Aussagekraft für die Turnierform wenige Tage später hatten. Löws Überzeugung: Ist der Kader nur lang genug unter seinen Fittichen versammelt, wird er ihn auch als taktisch und konditionell funktionierende Einheit ins Turnier schicken.

Dass das bislang bei jedem Löw-Turnier mindestens bis ins Halbfinale geführt hat, ist tatsächlich eine sensationelle Bilanz des Trainers, der 2014 Weltmeister geworden ist. Man ist nicht geneigt zu befürchten, dass das dieses Mal zwingend anders sein müsste. Was natürlich auch eine Gefahr ist: Die Erwartungshaltung hierzulande ist gewaltig.

Nach einem Titel nicht nachlassen zu dürfen, ist im Bewusstsein der DFB-Auswahl. Mit dieser Haltung stellte die Versammlung der Feinfüße in der WM-Qualifikation mit zehn Siegen in zehn Spielen mit einem Torverhältnis von 43:4 sogar einen neuen Rekord auf. Viel mehr geht nicht. Und so ist auch ein neues Ziel nach dem vierten WM-Titel von 2014 schnell ausgemacht: Als erst dritte Mannschaft der Fußballgeschichte hat Deutschland nun bei der WM 2018 die Möglichkeit, seinen Weltmeistertitel zu verteidigen. Dies gelang bislang nur Italien (1934 und 1938) und Brasilien (1958 und 1962). Deutschland schaffte dies freilich noch nie: nicht 1958 in Schweden, als die DFB-Elf im Halbfinale am Gastgeber scheiterte (1:3) und nach einem 3:6 gegen Frankreich am Ende Vierter wurde. Nicht 1978 in Argentinien, als die Schmach von Cordoba und das 2:3 gegen Österreich der deutschen Elf ein peinliches Aus bescherte. Und auch nicht 1994 in den USA: Seinerzeit verlor das Team von Berti Vogts im Viertelfinale gegen Bulgarien, Deutschland war erstmals seit 1978 nicht unter den besten Vier gelandet — und der DFB musste den Rückflug, der erst für den Tag nach dem Finale vorgesehen war, um sechs Tage vordatieren.