1. Sport
  2. Fußball

Marketingoffensive: Warum die Nationalelf jetzt „die Mannschaft“ heißen soll

Marketingoffensive : Warum die Nationalelf jetzt „die Mannschaft“ heißen soll

Präsentation des neuen Logo vor dem Länderspiel am Mittwoch in Köln gegen die USA.

Köln. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft heißt jetzt ganz dfb-offiziell „Die Mannschaft“, hat einen neuen Bus und freut sich, wie Bastian Schweinsteiger am Mittag in einem Kölner Autohaus feststellte, mit diesem „neuen Bus von Spielort zu Spielort zu fahren“. In das Autohaus kam Schweinsteiger mit den Kollegen Lukas Podolski und Jonas Hector bei wummernden Bässen und allerlei künstlichem Nebel im neuen Gefährt gerollt. Der bayerische Anführer wird wohl noch oft zu spüren bekommen, dass es nicht immer ein Vergnügen ist, Kapitän der Nationalmannschaft, Entschuldigung, der „Mannschaft“ zu sein.

Am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) testet der Fußball-Weltmeister in Köln gegen die USA, was im Vorlauf auf das EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar im portugiesischen Faro am Samstag geschieht. Aber zwei Tage zuvor interessierte kein Spiel, sondern den DFB zuerst das Bemühen darum, die wirtschaftlichen Potenziale seiner Auswahl von Elitekickern künftig noch besser ausreizen zu können. Dazu gehört: Ein Logo, eine Marke, unverkennbar — und offenbar unverzichtbar.

Frankreich habe die „Equipe Tricolore“, Italien die „Squadra Azzurra“, Spanien die „Furia Roja“, die Niederlande die „Elftal“, Brasilien die „Seleção“. Und Deutschland? „A-Mannschaft, A-Team, DFB-Auswahl, Deutschland-Elf“, zählte Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalelf ist, auf. Aber nichts habe sich durchgesetzt „und zum Ausdruck gebracht, wofür unsere Mannschaft steht: Kreativität, Spielstärke, Respekt, Fairplay — und für Zusammenhalt, Teamgeist und Geschlossenheit“.

Das neue Logo ziert den neuen Bus, Bandenwerbung, Plakate und Poster, und die Marketing-Experten bemühten sich darauf hinzuweisen, dass „die Mannschaft“ ja nun keine Eigenkreation aus kalten PR-Stuben sei. Nein, „La Mannschaft“, sagen die Franzosen, „El Mannschaft“, heiße es im arabischen Raum, und aus allem spreche die Hochachtung vor einem Team von Einzelkönnern, die ihre Künste zum Wohle des Gesamten ganz gut einordnen oder auch mal unterordnen können. Schon der Film über den WM-Triumph 2014 hieß: die Mannschaft.

Keine Frage: Hier ist inzwischen ein gewaltiger PR-Apparat unterwegs, der sich um die großen Sponsoren reißt. Auch, weil die DFB-Projekte der Generation Bierhoff extreme Kosten verursachen. Da muss man eben auch kräftig einnehmen. Eine Haltung, die Nationalspielern nicht fremd ist. Die nämlich profitieren von jedem DFB-Einsatz, weil sich so auch ihr ganz persönlicher Wert steigert. Und so nehmen sie es auch hin, dass lange nach dem Saisonschluss und mitten im Urlaub — Schweinsteiger weilte just beim Tennis-Turnier in Paris, Podolski feierte seinen 30. Geburtstag — schon wieder zwei Länderspiele auf dem Programm stehen.

„Lamentieren war selten unser Ding“, sagte Bierhoff dazu, der Rahmenkalender gebe das Qualifikationsspiel vor. „Es ist so, wie es ist. Natürlich gibt es idealere Konstellationen“, sagte Schweinsteiger, der ja nun allerhand zu akzeptieren hat, wie an diesem Tag zu lernen war. Und auch Bundestrainer Löw hatte sich dazu schon geäußert: „Nationalspieler zu sein, bedeutet auch, Herausforderungen anzunehmen.“ Immerhin gehört man damit ja auch zur „Mannschaft“.