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Absturz des Ruhrgebiet-Clubs: Verrücktes Schalke

Absturz des Ruhrgebiet-Clubs : Verrücktes Schalke

Im fußballverrückten Westen gibt es einen Verein, für den die Bezeichnung „verrückt“ eigentlich noch eine Untertreibung ist: der FC Schalke 04.

Für Hunderttausende Fans nicht nur rund um Gelsenkirchen ist der nach Bayern München mitgliederstärkste Verein Deutschlands mehr als eine Herzensangelegenheit, sondern Lebensinhalt. Allerdings spendet Schalke seinen Anhängerinnen und Anhängern in dieser anstrengenden Zeit der Pandemie keinen Trost, nicht einmal ab und zu unterhaltsamen Zeitvertreib, sondern nur noch Frust. Der Absturz des Vizemeisters von 2018 ist atemberaubend.

Die Entlassungen des überforderten Trainers Christian Gross und des längst angezählten Sportvorstands Jochen Schneider mögen unumgänglich gewesen sein, sind aber nur ein weiterer Verzweiflungsakt auf dem Weg in Richtung 2. Liga. Dass sich das Wunder Klassenerhalt noch einstellt, würde zwar zu der an Verrücktheiten reichen Historie des Ruhrgebiets-Clubs passen, ist aber ähnlich wahrscheinlich wie ein einheitliches Vorgehen der Bundesländer bei den Schul-Öffnungen.

Es ist immerhin ein Anfang, dass der Clemens-Tönnies-freie Aufsichtsrat nun die Zeichen der Zeit erkannt zu haben scheint. Man müsse „bei jeder noch zu treffenden Personal­entscheidung auch über die Saison hinausdenken“, teilte Aufsichtsratschef Jens Buchta mit. Sieh an: Bedächtiges, an mittelfristigen Zielen ausgerichtetes Denken und Handeln – das wäre mal was Neues auf Schalke. Gesucht wird jetzt ein Leitungs-Team, das sich unvorbelastet an den Wiederaufbau macht. Denn das Fußball-Leben geht – trotz geringerer Fernsehgelder – auch in der 2. Bundesliga weiter.

 Thomas Gehringer, WZ-Autor
Thomas Gehringer, WZ-Autor Foto: Thöni

Allerdings bedarf es da einiger Eigenschaften, die man in dem aus westfälischem Wurst- und russischem Energiegeschäft gemästeten und dennoch überschuldeten Verein zuletzt weniger beherzigt hat: Geduld und Umsicht. Wer es mit diesem verrückten Verein hält, und auch wer nicht, darf gespannt sein auf das „neue“ Schalke.