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Nationalelf: Zukunftsmodell schlägt den Torjäger der Vergangenheit

Nationalmannschaft : Zukunftsmodell schlägt den Torjäger der Vergangenheit

Beim DFB wird neuerdings vorne gewirbelt, für die offensiven Modelle der Vergangenheit hat kaum noch jemand etwas übrig. Mit einem wirklichen Bruch tut sich Löw trotzdem schwer.

Es schien ein guter Zeitpunkt für Dankbarkeit zu sein. Gut eine Stunde war im Spiel gegen die Niederlande vorbei, als Joachim Löw beschloss, Thomas Müller einzuwechseln. Für den Münchner war es der 100. Länderspieleinsatz. Ein verdienter Mann sollte sich Applaus abholen.

Aber am Schluss war die Feierstimmung futsch. Aus dem deutschen 2:0 war ein frustrierendes 2:2 geworden. Müller musste eine "bittere Pille" schlucken.

Als 14. Spieler ist der Offensivmann in den deutschen Hunderter-Club eingezogen. Glückwünsche gab es, auch vom Bundestrainer. Na klar. Doch Joachim Löw sagte auch: "Ich glaube, das ganze Jahr war nicht das Jahr des Thomas Müller." Nicht beim FC Bayern München, nicht im Nationalteam.

Als Angriffsmodell der Zukunft gilt jetzt die junge Dreierreihe mit Leroy Sané, Serge Gnabry und Timo Werner. Es müllert nur noch auf der Ersatzbank, obwohl der 29-Jährige unter den noch aktiven Nationalspielern mit weitem Abstand die Nummer eins bei den Torerfolgen ist. 38 Treffer sind ihm im DFB-Dress gelungen. Aber der Stürmer steckt schon länger im Leistungsloch.

Also würdigte der Bundestrainer nicht das aktuelle Schaffen Müllers, sondern das Gesamtbild. "100 Länderspiele zu machen, und das fast in Serie, ist schon eine große Leistung."

Thomas Müller wird eingewechselt. Foto: dpa/Ina Fassbender

Zurzeit klappt wenig. Nicht einmal Löws Dankbarkeitseinwechslung war ein Erfolg. "Ein 2:0 darf man in fünf Minuten nicht mehr hergeben", haderte Timo Werner mit dem Spielverlauf. Sturmpartner Sané meinte: "Wenn wir das dritte Tor machen, können wir das locker runterspielen." Tja: wenn.

Werner, Sané und Gnabry verdienten sich vorne drin allesamt die Note 2. Das war richtig schön anzusehen. "Sie haben teilweise sehr, sehr gut harmonisiert", lobte der Bundestrainer das Trio. Aber dann sei Gnabry muskulär "am Limit" gewesen. Und die beiden Anderen "schon auch ein bisschen müde" geworden. Also wurde gewechselt, war Schluss mit dem spielfreudigen Zukunftsmodell.

Auch das gute Ergebnis war dann bald Vergangenheit.