Nach mehr als einjähriger Zwangspause greift Rupp bei der TSG 1899 an

Der Neuanfang im Neuanfang : Nach mehr als einjähriger Zwangspause greift Lukas Rupp bei der TSG 1899 an

Jeder Mensch ist eitel. Da sind Profi-Fußballer keine Ausnahme. Aus der Entfernung betrachtet sieht der Hinterkopf von Lukas Rupp nach einem Friseurunfall aus.

Da ist vielleicht einer dieser berühmten Fußballer-Coiffeure mit dem Rasierer ausgerutscht. Kann ja mal passieren. Oder gar Absicht sein. Der Blick aus der Nähe verrät jedoch: kreisrunder Haarausfall. „Durch Stress ausgelöst, eine Immunschwäche“, sagt Hoffenheims Fußballprofi Lukas Rupp, der offen damit umgeht: „Ich schätze, dass es mit meiner Verletzung zu tun hat.“

Den Winter über verdeckten längere Haare die kahle Stelle. Im Sommer, bei 30 Grad wie in diesen Tagen im Trainingslager in Oberösterreich, muss auch bei Lukas Rupp eine Kurzhaarfrisur her.

Rupp war bei Hautärzten. Schmieren und Salben hilft nun allenthalben. Die Haare wachsen nach. Der Auslöser für den Haarausfall ist schon lange her. Am 5. Mai 2018 riss in seinem linken Knie das Kreuzband. Ein Knall. „Ich wusste sofort, dass etwas kaputt ist.“ Ausgerechnet in der Partie bei seinem Ex-Verein VfB Stuttgart. „Früh im Spiel, ohne Fremdeinwirkung“, erinnert sich der Weinheimer. Nach dem Schock beginnt das Kopfkino: „Du hast im Kopf: Passiert das wieder?“

Durch Rückschläge wurde es eine insgesamt mehr als einjährige Leidenszeit. „Es war eine harte Zeit“, sagt Rupp. Am 34. Spieltag in Mainz ging sein Kurz-Comeback 24 Minuten vor Spielschluss unter – weil Hoffenheim selbst 2:4 unterging und die Europa League verpasste. Klar ist nach der langen Leidenszeit: „Das Knie ist nicht wie vorher. Ich glaube auch nicht, dass es wieder so wird. Das ist für mich auch okay mittlerweile“, sagt Rupp.

So ein Kreuzbandriss hinterlässt ja nicht nur seine Spuren im Knie. Sondern vor allem im Kopf. Bei Rupp sogar sichtbar am Hinterkopf. „Im Spiel denke ich überhaupt nicht daran“, sagt der Hoffenheimer Mittelfeldmann. Das ist nach dem Aufstehen anders. „Ich merke das Knie vorm Training. Es zwickt in der Streckung und Beugung.“

Mit Privattrainer In einer Handy-App müssen die Hoffenheimer Spieler nach dem Aufstehen eintragen, wie es ihnen geht. „Da gibt es nur eine Skala, keine Bemerkungen“, sagt Lukas Rupp über das Feedback für die Athletik-Trainer via Smartphone. „Wenn du einen freien Tag möchtest, dann gibst du überall eine Null ein“, witzelt Lukas Rupp. Macht er natürlich nicht. Im Gegenteil. Rupp arbeitet mit einem eigenen persönlichen Privattrainer, einem eigenen Physiotherapeuten in Sachen Prävention. „Ich muss viel tun, damit das Knie geschmeidig bleibt.“ Es gilt muskuläre Ungleichgewichte zu vermeiden. Das linke Knie zu stabilisieren. Im Jahr ohne Profifußball auf dem Rasen ist die Wertschätzung für den eigenen Job noch einmal gestiegen. „Ich achte noch mehr auf mich“, sagt Rupp, der nach dem Bundesliga-Abstieg des VfB Stuttgart vor drei Jahren in den Kraichgau kam.

Das Gute für Lukas Rupp an diesen Tagen von Windischgarsten: Sie sind nicht nur ein Neuanfang für Lukas Rupp, sondern für alle. Der Trainer Alfred Schreuder ist neu. Was einmal war, das zählt nun nicht mehr. Nach dreieinhalb Jahren unter Julian Nagelsmann sei es an der Zeit für einen Tapetenwechsel gewesen, sagt Rupp. Neue Reize, sozusagen. Wie für die Konkurrenz im Hoffenheimer Kader, gilt es für Rupp, nun einen Platz zu finden. „Ich bin relativ flexibel. Ich kann schon die eine oder andere Position abdecken. Entweder auf der Doppelsechs oder auf der Halbposition davor“, sagt er.

Bei 100 Prozent sieht er sich selbst nicht. „Ich glaube, ich brauche noch ein paar Spiele“, sagt der 28-Jährige, der im Training mittlerweile wieder unter voller Belastung mitwirken kann.

Wer aktuell fehlt

Nach wie vor befindet sich der Wechsel von Hoffenheims Stürmer Joelinton zu Newcastle United auf der Zielgeraden. An diesem Dienstag könnte er dann auch über die Ziellinie gehen und nach Beseitigung der letzten Formalien perfekt sein. Der von Bayer Leverkusen umworbene Nadiem Amiri stand am Montag auf dem Trainingsplatz. Dort fehlten Leo Bittencourt (Adduktoren), Justin Hoogma (Wade), Philipp Ochs (Pferdekuss) und Stürmer-Star Andrej Kramaric (Knie), der noch gar nicht mittrainierte. Ishak Belfodil arbeitete individuell. fhu

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