Mehr Derbys in Liga vier

Mehr Derbys in Liga vier

Zum Ende der Saison werden aus drei Regionalligen fünf. Dabei sein können bis zu sieben derzeitige Fünft- und sogar vier Sechstligisten.

Düsseldorf. Es ist nur rund sieben Monate her, da kickten die Fußballer des KFC Uerdingen in den Niederungen der sechsten Liga. Zwei Spielzeiten lang tingelte der Ex-Bundesligist über Dorfplätze und Bezirkssportanlagen. Doch Anfang August könnten die aktuell fünftklassigen Krefelder in einer anderen Fußballwelt leben. Mögliche Gegner: Rot-Weiss Essen, Rot-Weiß Oberhausen, Fortuna Köln und Wuppertaler SV.

Möglich macht das die zur Saison 2012/2013 in Kraft tretende Ligen-Reform im deutschen Amateurfußball. Als Unterbau zur 3. Profiliga werden die bisher drei Regionalligen zur nächsten Saison bundesweit durch fünf vierthöchste Spielklassen ersetzt. Maximal 22 Vereine können sich für die neue Regionalliga West qualifizieren. Neben den jetzigen Viertligisten, die durch die Reform nicht absteigen können, haben sieben Vereine aus der auslaufenden NRW-Liga (5. Liga) die Chance aufzusteigen.

Zum Beispiel der KFC — aktuell Ligaachter. Dessen Trainer Jörg Jung macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen: „Der Aufstieg ist unser Ziel — am liebsten direkt“, sagt der 46-Jährige und meint damit einen Platz unter den ersten Drei. Doch selbst wenn der KFC am Saisonende nicht zum Toptrio gehört, könnte er den zweiten Aufstieg in Serie landen. Denn die Teams auf den Plätzen vier bis sieben ermitteln in Relegationsspielen gegen die Meister aus den vier Verbandsligen (6. Liga) weitere Aufsteiger in die Regionalliga.

Auch wenn es laut Coach Jung „sportlich schwer genug wird“, für den gerade erst aufgestiegenen KFC weiß er um die einmalige Möglichkeit, als Tabellensiebter die Liga nach oben zu verlassen. So schwärmt man in Uerdingen nach Jahren in der Versenkung von einer „interessanten Liga mit Essen, Wuppertal und vielleicht Oberhausen, wenn die aus der 3. Liga absteigen“.

Den ganz großen Wurf könnten die vier Sechstligameister landen und doppelt aufsteigen. „Man muss den Verbandsliga-Meistern einen Anreiz bieten, sonst wäre es für sie ein witzloses Jahr“, begründet Hermann Korfmacher, Präsident des für die Liga zuständigen Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes, die Idee, den Sechstliga-Meistern die Möglichkeit auf die neue Regionalliga zu geben.

Freuen über die Reform dürfen sich auch die aktuellen Viertligisten. Seit ihrem Beginn im Jahr 2008 ist die dreigleisige Regionalliga als „Grab der Traditionsvereine“ verschrien. Zu weite Reisen, zu viele zweite Mannschaften von Profiklubs, die selten Fans mitbringen und munter Spieler aus den Bundesligakadern einsetzen, lauten zwei der Kritikpunkte an der Liga.

Mit den weiteren Reisen ist es ab August in der Liga der Derbys vorbei, doch das Problem der Reserven ist nicht gelöst. Aktuell spielen neun Teams mit dem Zusatz „II“ in der Liga. Das wird sich wohl nicht ändern. Offiziell sind pro Regionalliga-Staffel nur noch sieben Reserven erlaubt, doch der DFB signalisierte bereits, dass es Ausnahmen geben wird.

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