KFC Uerdingen: Wie Neu-Kölner Pawlak den KFC besiegte

KFC Uerdingen : Wie Neu-Kölner Pawlak den KFC besiegte

Der ehemalige Meistertrainer des KFC André Pawlak sagt nach dem Sieg seiner Kölner : „Wir wussten, dass es der KFC nicht gewohnt war, wenn er vorne angelaufen wird.“

Krefeld. Tanju Öztürk sortierte kurz seine Gedanken. Dann sagte er nach der 0:1-Niederlage bei der die U 21 des 1. FC Köln: „Ich weiß gar nicht mehr, wann wir zuletzt verloren haben.“ Er kritisierte vor allem die mangelnde Konsequenz vor dem gegnerischen Tor. Die Anfangsphase habe man verschlafen, erst spät ins Spiel gekommen.

Die letzte Niederlage ist in der Tat schon lange her. Am 4. August unterlagen die Uerdinger ebenfalls mit 0:1 in Bonn. Seitdem war es keiner Mannschaft mehr gelungen, den KFC zu besiegen. Das hatte natürlich gute Gründe. Die dichte Abwehr, das beherzte Verteidigen im Kollektiv — da reichte dann oft auch ein Treffer, um als Gewinner vom Platz zu gehen, sich das Attribut „abgeklärt“ zu verdienen.

Diese Serie aber ging am Samstagnachmittag im kalten Franz-Kremer-Stadion im Kölner Süden zu Ende. Diesmal verteidigte eine andere Mannschaft mit viel Herzblut — nämlich die des im Sommer in Uerdingen geschassten Trainers André Pawlak. Dieser gewährte im Geißbockheim später Einblicke in seinen Plan: „Wir wussten, dass es der KFC nicht gewohnt war, wenn er vorne angelaufen wird. Der KFC hatte wenig Ballbesitz, daher kamen viele hohe Bälle. Wir sind geduldig geblieben. Wir waren sicher, wir kriegen die Chance.“

So einfach wären die Uerdinger nicht zu entschlüsseln gewesen, hätten sie an diesem Nachmittag vor 600 Zuschauern nicht ihr Übriges dazu beigetragen, schlecht auszusehen. Trainer Michael Wiesinger sagte: „Köln war präsenter, hatte eine bessere Einstellung zum Spiel. Ich hatte zur Halbzeit das Gefühl, dass wir das Spiel vom Kopf her nicht angenommen hatten. Wir haben keine Lösung gefunden, auch gegen das Anlaufen.“

Der FC störte früh, eroberte sich Bälle im Mittelfeld, noch bevor die Gäste sich gefährlich dem Strafraum nähern konnten. Die Krefelder wirkten weniger entschlossen als die Gastgeber, die den Uerdingern förmlich auf den Füßen standen. Wiesinger: „Ich war bis auf René Vollath von einigen Leistungen irritiert. So sind wir angreifbar.“

Das Offensivspiel der Gäste enttäuschte in Köln. Stürmer Marcel Reichwein erhielt im Strafraum kaum Bälle. Bis auf den Gegentreffer durch Birk Risa (70.) hielt sich die Abwehr zwar schadlos. Doch auch sie patzte diesmal, verlor den Kölner im Strafraum aus den Augen.

Von Alarmstimmung war bei den Spielern keine Spur: „Jetzt ist die Niederlage halt mal passiert. Mund abputzen und weiter geht’s“, sagte Öztürk. Auch Oguzhan Kefkir trat der Vermutung entgegen, die Spannung im Team habe nach den letzten Erfolgen und der Herbstmeisterschaft nachgelassen: „Es war unglücklich. Der letzte Ball hat gefehlt. Es sollte einfach nicht sein. Das heißt aber nicht, dass wir nachlassen.“ Kapitän Mario Erb sagte: „Die Spannung war da. Aber es war heute zu wenig. Wir haben nie richtig ins Spiel gefunden, waren nie präsent genug.“

Bevor es auf den Heimweg ging, sprach Wiesinger gegenüber dem Vereinsradio BlauRot von einem „Rückschlag“, sagte aber auch: „Wir sollten jetzt nicht alles in Grund und Boden reden. Das Team hat eine gute Mentalität. Wir haben aber kein Team, das in der Regionalliga West Spiele mit nur 80 oder 90 Prozent gewinnt. Jedes Tor muss hart erarbeitet werden.“

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