Wie Krämer beim KFC die Fesseln löst

Wie Krämer beim KFC die Fesseln löst

Der neue Trainer verleiht den Spielern mehr Mut zum Risiko. Das Klima hat sich geändert.

Es war schon auffällig, wie Spieler wie Oguzhan Kefkir auch nach dem 1:1 gegen Viktoria Köln die „gute Laune“ betonten, die derzeit im Team herrsche. Der neue Trainer Stefan Krämer ist erst zwölf Tage im Amt. Doch er hat, so sieht es aus, die Spielweise der Mannschaft des KFC Uerdingen schon grundlegend verändert. Vergangene Woche stürmten die Krefelder über den Tabellenletzten Rhynern mit 7:0 hinweg, am Sonntag gegen den amtierenden Meister Viktoria Köln drängten die Uerdinger auf den Siegtreffer, gewannen dafür zusätzlichen Respekt. Für Rechtsverteidiger Alexander Bittroff ist die „neue Handschrift des Trainers“ schon erkennbar: „Wir spielen noch im selben 4-4-2-System. Wir stellen den Gegner eher zu, wir sollen risikovoller anlaufen. Nach Ballverlust wird direkt gepresst.“

Krämer hat den Uerdingern, die gegen Essen vor zwei Wochen noch ein glückliches 2:2 in der Nachspielzeit erreicht hatten, einen neuen Geist eingehaucht, oder einfach nur Fesseln gelöst. Krämers Spielphilosophie ist das Pressing und Gegenpressing. Nach dem Ballverlust beginnt die Jagd auf den Ball. Der 51-Jährige sagt vor dem Nachholspiel morgen beim SV Rödinghausen: „Man muss mit Spaß zur Arbeit kommen. Fußballer ist ein wunderschöner Beruf. Wenn wir die Zuschauer mitnehmen wollen, müssen wir in Vorleistung treten.“ In der Mannschaft herrscht offenbar ein anderes Klima. Krämer: „Das Wort Fehler ist bei uns gestrichen. Ein Ballverlust ist auch eine Chance. Dieser Fußball bringt Tempo ins Spiel. Es geht darum, sofort den Ball zurück zu erobern.“ Kefkir sagt: „Wir haben keine Angst Fehler zu machen. Jeder ist gut gelaunt. Jeder geht an seine Grenzen.“

Das Risiko spielt auch mit. Wichtig ist es, die verlorenen Bälle schnell wieder in den Besitz zu nehmen, um Kontersituationen zu vermeiden. Bittroff sagt: „Es birgt auch Gefahren. Man kann nicht alles verteidigen.“ Gegen Rhynern und Köln funktionierte die Strategie sehr gut. Der Elan stimmte. Die Laufbereitschaft. Die Krefelder störten früh, ließen der Viktoria kaum Raum.

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