KFC Uerdingen: Meisterstück: KFC Uerdingen holt den Titel (mit Videos)

KFC Uerdingen : Meisterstück: KFC Uerdingen holt den Titel (mit Videos)

Mit einem 5:0 in Wiedenbrück sichert sich der KFC Uerdingen die Teilnahme an den Drittliga-Aufstiegsspielen gegen Mannheim.

Um 15.46 Uhr erheben sich die ersten Herren von ihren Plätzen. Dann ist es perfekt. Der Abpfiff ertönt. Der KFC Uerdingen ist Meister. 5:0 in Wiedenbrück. Ein Statement. Kein Zittern, kein Zweifel.

Die Fans stürmen den Rasen. Sie liegen sich in den Armen. Sie singen, sie tanzen, sie feiern, klitschnass. „Der KFC ist wieder da“, rufen sie und „Westdeutscher Meister“.

Die Spieler sind noch mittendrin. Sie werden begossen, Selfies hier, Selfies dort. Die Fans in Ekstase. Kapitän Mario Erb stemmt den Meister-Pokal in die Luft, bleibt dann mit seiner Kieferverletzung lieber am Rand: „Es war eine überragende Saison“, sagt er. „Wir haben Tag für Tag dafür gekämpft. Das erste Ziel ist erreicht.“

Trainer Stefan Krämer ist ebenfalls überglücklich: „Meister zu werden ist immer ein schönes Gefühl. Das in der Regionalliga West zu schaffen ist eine super Leistung. Wir haben als Mannschaft alle Phasen durchgemacht.“ Jetzt geht es in die Relegation gegen Waldhof Mannheim.

Doch alles der Reihe nach. Schon auf dem Weg nach Rheda-Wiedenbrück konnte man die neue Euphorie um den KFC Uerdingen spüren. Autos mit Krefelder Kennzeichen und wehenden Fanschals entlang der Autobahn 2. Man trägt seine Zuneigung zum Traditionsclub wieder gerne zur Schau. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer so. Vorstandsmitglied Frank Strüver ist „guter Dinge“ vor dem Anpfiff. „Ich kann leider nicht mitspielen. Aber das ist wohl auch besser so“, sagt er lachend. Dann geht es ins Stadion. Der verletze Mario Erb ist mitgekommen, selbstredend, wie Charles Takyi sagt: „Wir sind eine Einheit.“ Zuversicht, dass man die Aufgabe meistert. Auch Christian Müller ist dabei. Das Spiel beginnt.

Der Zweitliga-erprobte Schiedsrichter Martin Thomsen leitet die Partie. Wiedenbrück setzt die ersten Angriffe. Doch Uerdingens Offensiv-Klassemann Maximilian Beister ist sofort hellwach, guckt SCW-Torwart Marcel Hölscher aus - 1:0 aus 20 Metern (4.). Diese Reaktionsschnelligkeit, diese Raffinesse, auch für solche Tore ist der 27-Jährige geholt worden. Gleich ein Moment der Erleichterung.

Viktoria Köln führt parallel schon 2:0. Das kann hier aber allen noch egal sein. Die Fans tanzen im Block und singen ihre Lieder. 27 Grad in Westfalen, der KFC führt und verteidigt sicher. Schöner hätten sich die Fans diesen Tag bisher nicht malen können. Das erste Raunen auf den Sitzen — ein Blitz geht nieder in Nähe des Stadions. Wiedenbrück findet keine Lücke. Dann ein Angriff über links, Christian Dorda flankt, Connor Krempicki köpft das 2:0 (44.). Kaum hat die zweite Hälfte begonnen, geht die Party weiter: Langer Ball von Alexander Bittroff auf Beister, der ist nicht zu halten. Ein Foul. Elfmeter: Lucas Musculus trifft zum 3:0.

Die Fans tanzen und singen in ihrem Block. Die Fans schwenken ihre Schals, die Fahnen stehen im Wind. Ein Gewitterschauer zieht hinüber. Und die Gastgeber schießen nur am Tor vorbei. Die Meisterschaft wird wahr. Daran hat hier niemand mehr Zweifel. Zu konzentriert sind die Krefelder, zu versiert verteidigen sie den Vorsprung, zu stabil präsentierten sie sich in den zurückliegenden Wochen.

2038 Zuschauer stehen nun im Wolkenbruch. Die Hälfte hat trotzdem Feierlaune. Sie singen unentwegt, viele seit langem mit blankem Oberkörper. Trainer Stefan Krämer will sich noch nicht setzen, läuft immer noch an der Seitenlinie auf und ab. Johannes Dörfler fällt, der nächste Elfmeter: Musculus zum zweiten Mal (79.). Dörfler macht noch das 5:0 (89.). Ein überragender Abschluss einer langen regulären Saison, deren Höhepunkt aber noch folgt. In den Aufstiegsspielen.

Zuerst aber wird am Sonntag an der Grotenburg gefeiert. Torwart René Vollath sagt: „Es ist geil. 76 Punkte und ein super Torverhältnis. Meister zu werden, ist überragend. Wir lassen uns die Feier nicht nehmen, trotz der doofen Relegation.“ Die Fans sehnen die Aufstiegsspiele herbei. Marc Groth: „Man hat gesehen, dass die Spieler, die Fans und die ganze Stadt nichts mehr möchten als den Aufstieg.“

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