KFC Uerdingens Schicksal im DFB-Paragrafendschungel

KFC Uerdingens Schicksal im DFB-Paragrafendschungel

Der Club hofft, die Beispiele anderer Vereine aber besagen: Der KFC Uerdingen hat offenbar wenig Chancen auf die 3. Liga.

Krefeld. Die Formulierung des DFB ist verantwortungslos dünn. „Die mit der Bedingung geforderte Liquiditätsreserve des KFC Uerdingen ging nach derzeitigem Stand am Dienstag möglicherweise erst nach Ablauf der Ausschlussfrist ein“, heißt es in der DFB-Mitteilung, die seither in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt niemand mehr kommentiert. Bis zur Entscheidung an diesem Montag. Verwirrend ist der Begriff „möglicherweise“ — gibt es doch eigentlich nur eine definitive Aussage: zu spät — oder nicht zu spät?

Es werden juristische Spitzfindigkeiten sein, mit denen ein Verband kämpfen muss, wenn Vereinsträume entweder erlebbar werden oder zu platzen drohen. Der gewaltige Traum in Krefeld droht zu platzen, wie es sich für die Fans kaum schlimmer anfühlen könnte. Gerade noch mit der Perspektive 2. Liga und Stadionsanierung aufgewacht, bald schon ohne Geldgeber wieder Viertligist, womöglich dann mit Problemen, überhaupt melden zu können? Jetzt kann alles ganz schnell gehen.

Es ist ein schmaler Grat, den der DFB begeht. Erfahrungsgemäß aber keiner, der Alternativen zulässt. Wie der Verband schon in seiner Mitteilung schrieb, die man als wahrscheinlich vorgegriffenes Urteil verstehen muss: „Ein Ermessensspielraum würde für den Zulassungsbeschwerdeausschuss in diesem Fall aufgrund der gegebenen Drittbetroffenheit der anderen Bewerber, für die dieselben Fristen und Regeln galten, nicht bestehen.“

Schon andere Vereine haben vergleichbare Erfahrungen gemacht mit dem DFB: Zum Beispiel der SV Wilhelmshaven, der 2001 auf den letzten Drücker in der Kanzlei des Insolvenzverwalters Harald Naraschewski die Unterlagen für die Lizenzierung zusammenstellte und bis 0 Uhr nur sieben von acht Seiten gefaxt hatte. Noch einmal wurde gesendet, um 0.10 Uhr war dann alles da, auch die Bankbürgschaft auf Seite 8.

Zu spät. Legendär. „Das ist eine schwarze Stunde für den Deutschen Fußball-Bund, der uns zu Gunsten eines Traditionsvereins aus der Liga kegelt“, sagte seinerzeit der Interimsvorsitzende des Nordklubs, Hans Bösken, empört. Der Wilhelmshavener Boss behielt sich rechtliche Schritte vor, aber gegen die erklärten Fristen hatte das wenig Sinn. Wie sagt der DFB? „Drittbetroffenheit“ — die Regeln gelten eben für alle gleichermaßen. DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte seinerzeit: „So Leid einem das tut: Es ist egal, ob die Unterlagen eine Sekunde oder 14 Tage zu spät ankommen.“

Auch in Duisburg, wo der KFC, der dieser Tage munter einen Zugang nach dem nächsten präsentiert, noch immer die Hinrunde in der 3. Liga spielen will, stolperte man beim MSV einst über die Unbarmherzigkeit des Verbandes: 2013 wurde dem MSV die Zweitliga-Lizenz verweigert, der Abstieg in die 3. Liga folgte, weil man falsch gerechnet und manches wohl zu waghalsig zur Bedingung des anderen gemacht hatte beim klammen MSV. Da halfen auch keine Menschenketten, Mahnwachen und Missfallenskundgebungen der Anhänger mehr, nicht einmal Altstar Bernhard Dietz konnte den DFB in Frankfurt umstimmen. Und jetzt? „Die Welt dreht sich weiter, unsere steht gerade still“, sagte Uerdingens Torwart René Vollath. Club und Anhänger erwarten das Urteil.

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