KFC Uerdingen-Trainer Vogel: Finde es gut, wie Ponomarev sich verhält

Interview : KFC Uerdingen-Trainer Vogel: „Ich finde es gut, wie Ponomarev sich verhält“

KFC Uerdingen-Trainer Heiko Vogel zeigt sich mit dem Engagement seiner Mannschaft in der Vorbereitung sehr zufrieden. Der 43-Jährige spricht im Interview mit unserer Redaktion über den Traum vom Aufstieg in die 2. Bundesliga, sein Verhältnis zu Mikhail Ponomarev und das Projekt KFC Uerdingen.

Heiko Vogel ist der Mann, der den KFC Uerdingen noch weiter nach oben bringen soll. Das zweite Jahr Drittklassigkeit bedeutet für den ambitionierten Verein aus Krefeld nichts weniger, als den zweiten Anlauf zu unternehmen, die oberen drei Plätze in der Tabelle ins Visier zu nehmen, um bis zum Ende um den Aufstieg in die 2. Bundesliga mitzuspielen. Den Aufstieg als Ziel spricht von den Verantwortlichen, inklusive dem Trainerteam, bislang noch keiner aus. Innerhalb der Mannschaft sind die Töne forscher. Die Zugänge Andreas Maxsö und Franck Evina geben klar an, mit dem KFC den Sprung in die 2. Liga meistern zu wollen. Heiko Vogel dürfte so viel Selbstvertrauen gefallen. Dennoch weiß der 43-Jährige auch, dass der Aufstieg nur dann Wirklichkeit wird, wenn alle Rädchen ineinander greifen. Die Saison ist lang. 38 Spieltage bedeuten, einen langen Atem haben zu müssen, wenn man am Ende ganz oben dabei sein will. Vogel spricht im Interview mit unserer Redaktion von Ambitionen, die der Verein hegt, das Vertrauensverhältnis zu KFC-Boss Mikhail Ponomarev und den Traum vom Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Herr Vogel, Ihr Team hat gegen Bielefeld zum ersten Mal in dieser Vorbereitung verloren.

Heiko Vogel: Eine Vorbereitung ist lang, da sind solche Ergebnisse gegen einen guten Gegner normal, und dann müssen wir auch mal eine Niederlage akzeptieren.

Wie vorteilhaft war es für Sie, die Mannschaft bereits in der vergangenen Rückrunde übernommen zu haben?

Vogel: Ich bereue da keine Sekunde, das war eine total sinnvolle Sache. Es ging ja nicht nur darum, die Spieler kennenzulernen, sondern auch um das ganze drumherum. Bezogen auf die Mannschaft habe ich Schwachpunkte und Stärken ausgemacht, und das hat natürlich die Transferpolitik beeinflusst.

Geschäftsführer Nikolas Weinhart (li.) und Klubboss Mikhael Ponomarev (re.) stellen Heiko Vogel als neuen Trainer vor. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Wo lagen die Schwachpunkte?

Vogel: Offensiv haben wir eigentlich gute Möglichkeiten, hatten aber auch Optimierungsbedarf. Mir hat durchaus die Power gefehlt, ich glaube, die haben wir jetzt. In der Defensive wollten wir auch mehr Möglichkeiten haben.

Welche Rolle spielt die körperliche Größe im Kader für Sie?

Vogel: In der 3. Liga ist es definitiv so, dass viel mit langen Bällen und über Standards operiert wird, da ist es natürlich kein Nachteil, wenn eine Mannschaft über die entsprechende körperliche Größe verfügt.

Was wollen Sie Ihrer Mannschaft spielerisch für Lösungen mit an die Hand geben?

Vogel: Positionierungen und Abläufe im Offensivbereich müssen einfach abgestimmt sein. Das, was man auf dem Platz sieht, muss erfolgreich sein. Am liebsten wäre es mir, wenn wir hoch sehr variabel agieren könnten und immer wieder zwischen hohem Pressing und defensiver Varianz wechseln könnten. Das sind aber natürlich Wunschvorstellungen, wie sie wohl jeder Trainer hegt, die aber selbst von den weltbesten Mannschaften nur selten umgesetzt werden können.

Welches Rezept passt zu Ihrem Team?

Vogel: Die Spieler müssen sich schlichtweg wohlfühlen mit dem, was unser Plan ist.

Wie findet man das als Trainer heraus?

Vogel: Das geht nur über Kommunikation, zudem muss ich wissen, was ist das Naturell der Spieler. Daraus ergibt sich dann ein Gesamtbild für die Mannschaft.

Stimmt die Mischung innerhalb der Mannschaft besser als im Vorjahr?

Vogel: Das kann man alles erst beantworten, wenn man in die Saison gestartet ist. Ich sehe aber bislang im Training schon einen großen Kontrast zu dem, was ich im Vergleich zur letzten Saison wahrgenommen habe. Es ist eine andere Mentalität auf dem Platz.

Ein gutes Beispiel dafür ist sicherlich Franck Evina, der im Training auch mal den erfahrenen Spielern sagt, wie es anders laufen muss...

Vogel: Wir haben ja nicht junge Spieler geholt, weil sie jung sind, sondern weil sie gut sind. Ein anderes Beispiel ist Jean Manuel Mbom, der in jedem Training zeigt, wie viel Qualität in ihm steht. Patrick Pflücke hat letztes Jahr schon bewiesen, was er kann. Christian Kinsombi macht auch einen sehr agilen Eindruck, und Franck Evina hat nicht nur durch seine beiden Tore in der Vorbereitung gezeigt, was in ihm steckt. Wir haben uns in der Breite definitiv verstärkt.

Jean Manuel Mbom (Mitte) kommt von Werder Bremen. Im Bild bei der Vetragsunterzeichnung mit Geschäftsführer Nikolas Weinhart (li.) und Trainer Heiko Vogel. Foto: KFC

Was bedeutet das für die Kaderzusammenstellung?

Vogel: Für mich ist Wettkampf das Wichtigste innerhalb eines Teams. Zudem habe ich jetzt deutlich mehr Variationsmöglichkeiten.

27 Spieler sind derzeit im Kader, sind das zu viele?

Vogel: Das Thema ist komplexer, weil wir keine zweite Mannschaft haben, die uns da unterstützen könnte. Ich hätte natürlich gerne eine zweite Mannschaft, die möglichst nahe an unserem Leistungsniveau dran ist. Zudem verfügen wir nicht über ein Nachwuchsleistungszentrum wie beispielsweise Kaiserslautern. Auch deshalb sind wir vom Kader her vielleicht etwas anders aufgestellt als andere Vereine. Ich will trotzdem auch jungen Spielern aus unserer A-Jugend die Möglichkeit geben, sich bei uns im Training zu zeigen.

Die drei Aufstiege im Juniorenbereich sollen nur eine Zwischenstation sein. Das Ziel lautet Junioren-Bundesliga. Wie soll das unter den derzeitigen Rahmenbedinungen möglich sein?

Vogel: Ganz diplomatisch: Da sind wir als Verein in der Pflicht, alles mögliche dafür zu tun, aber auch von Seiten der Stadt muss Unterstützung kommen.

Es scheint beim KFC Uerdingen in der Sommerpause ein Stück weit Ruhe eingekehrt zu sein nach den Querelen des ersten Halbjahres. Mikhail Ponomarev ist nicht nur hier im Trainingslager ganz eng am Team...

Vogel: Mikhail Ponomarev ist sichtbar unsichtbar. Er beobachtet alles hier, was bei uns passiert, und ist wirklich ganz nah’ dran am Team. Ich finde es gut, wie er sich verhält.

Ist man zuversichtlich, die gesetzten Ziele erreichen zu können?

Vogel: Ich würde Zuversicht durch Ambitionen ersetzen. Ich habe das Gefühl, Entscheidungen werden auch im Hinblick auf mehr Nachhaltigkeit getroffen. Wir sind eng im Austausch zwischen Vorstand, Geschäftsführung und Trainerteam. Wir glauben, dass wir in der Transferperiode gute Arbeit geleistet haben. Wir haben uns nicht von dieser Hatz auf dem Transfermarkt anstecken lassen und haben größtenteils die Spieler bekommen, die wir wollten.

War es das mit den Transferaktivitäten?

Vogel: Wenn wir noch was machen sollten, müssten Spieler den Verein noch verlassen. Unser Kader hat eine Größe erreicht, wo es eher heißt, hier geht es eher um Reduzierung. Stand jetzt ist unsere Kaderplanung aber abgeschlossen.

Spieler mit gut dotierten Verträgen, wie es sie beim KFC Uerdingen gibt, auf dem Markt wieder loszuwerden, scheint gar nicht so einfach zu sein...

Vogel: Ich denke, dass wir auch da aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Wir haben auch da sicherlich eine Trendwende eingeschlagen.

Hand aufs Herz: Ist der Aufstieg innerhalb des Vereins das Ziel in dieser Saison?

Vogel: Natürlich gibt es den Aufstiegstraum. Aber wir sind uns bewusst, wie schwierig das wird. Wir haben ein super anspruchsvolles Auftaktprogramm. Zudem haben die anderen Mannschaften in der Sommerpause nicht geschlafen. Wir sind sicherlich nicht der einzige Verein, der die Ambition hegt, sich für eine höhere Aufgabe zu qualifizieren. Entsprechend schwer wird das. Es wird Wettkampfglück von Nöten sein. Zudem muss eine Mannschaft auch vom ganz großen Verletzungspech verschont bleiben.

Finden Sie die Liga stärker als in der vergangenen Saison?

Vogel: Definitiv. Der FC Ingolstadt ist für mich der absolute Topfavorit auf den Aufstieg. Kaiserslautern und Braunschweig haben sicherlich nicht den Anspruch, gegen den Abstieg zu spielen, Unterhaching ist gefährlich – langweilig wird es sicherlich nicht.

Bei Misserfolg handelte der KFC in der vergangenen Saison auf der Trainerposition äußerst konsequent. Ist das in Ihrem Kopf?

Vogel: Wenn mich das interessieren würde, dürfte ich nie wieder Fußballtrainer werden. Das Geschäft ist schon schnelllebig geworden. Man kann es nur mit Erfolg ändern.

Wie spannend ist das Projekt KFC Uerdingen für Sie?

Vogel: Super spannend.

Was macht den Reiz aus, für Sie in Krefeld zu arbeiten?

Vogel: Dadurch, dass viele Rahmenbedingungen nicht so richtig stimmen, bleiben wir bei der Essenz Fußball. Zurück zu den Tugenden, die auf dem Platz wirklich wichtig sind.

Ist der KFC ein Stück weit ein Gegenprodukt zum hochprofessionellen Fußball?

Vogel: Es geht schlichtweg auch so. Professionalisierung heißt für mich nicht nur, dass man den Personenstab um die Mannschaft herum erweitert. Er muss groß genug sein, damit die Abläufe gewährleistet sind. Wenn ich jetzt mein Trainerteam nehme, da fehlt uns überhaupt nichts. So nimmt es die Mannschaft auch wahr, weil wir diese Arbeitsfreude auch ausstrahlen – und das überträgt sich auch auf die Spieler.

Zwei Wochen sind es noch bis zum Saisonstart gegen Halle. Am Dienstag kehrt der KFC aus dem Trainingslager zurück. Wo soll das Team dann stehen?

Vogel: Es sollen möglichst alle gesund sein. Das ist für mich von großer Bedeutung, weil wir auch einige Spieler haben, die aus längeren Verletzungspausen gekommen sind. Wir haben jetzt richtig hart gearbeitet, und wenn jetzt alle am Donnerstag wieder auf der Matte stehen, ist das ein richtig gutes Trainingslager geworden.

Der KFC Uerdingen schlug sein Trainingslager in Werfenweng auf. Foto: Steffen Hoss

Einziger Wermutstropfen ist bislang die Verletzung von Adriano Grimaldi...

Vogel: Er hat leider eine ganz tückische Verletzung in diesem Übergangsbereich zwischen Muskel und Sehne und wird noch weiter ausfallen.

Wie weit ist das Team spielerisch schon?

Vogel: Wir sind in allen Bereichen ein bisschen weitergekommen. Es geht dabei nicht darum, das nächste Level zu erreichen. Ich will, dass wir das, was wir uns bisher erarbeitet haben, weiter stabilisieren. Das heißt: Sich von Gegentoren oder guten Aktionen des Gegners nicht beeindrucken lassen. Wir wollen den Glauben nicht verlieren und machen unser Ding. Wir haben bislang in den Partien gezeigt, dass wir uns so schnell nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir wollen kein Spiel vor Ende der 90 Minuten abschenken.

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