KFC Uerdingen in Jena - Das Duell der Krisenteams

3. Liga : KFC Uerdingen in Jena - Das Duell der Krisenteams

Der KFC Uerdingen gastiert am Samstag in Jena. Es treffen die beiden punktschlechtesten Vereine der Rückrunde aufeinander.

Das Paradies ist ein Ort, der je nach Lesart ein friedliches Himmelreich der Seligen oder auch ein Eldorado, ein Traumland, einen Sehnsuchtsort von größter Schönheit und besten Lebensbedingungen bietet. Der sich im Sinkflug befindliche Drittligist KFC Uerdingen wird am Samstag Station im Paradies machen. Es wird sich dabei jedoch nur um einen allzu gewöhnlichen und weltlichen Ort handeln. Und ob sich Gefühle des Glücks und der Freude ausbreiten werden, wird erst der Nachmittag zeigen. Der Jenaer Stadtteil, ein Naherholungsgebiet an der Saale mit dem verlockenden Namen „Paradies“, bietet neben Parkanlagen und Freizeitmöglichkeiten auch ein Fußballstadion, an dem sich am Samstag die beiden derzeit schlechtesten Mannschaften der Liga begegnen. An paradiesische Zustände denkt man da wahrlich nicht.

In den ersten zehn Spielen der Rückrunde wenig Punkte erbeutet

Ein Blick auf die Tabelle der Rückrunde zeigt: Wenn sich der Abstiegskandidat Carl Zeiss Jena und der KFC Uerdingen im Ernst-Abbe-Sportfeld gegenüberstehen, dann ist das ein Duell zweier Krisenteams. Jena hat seit dem ersten Rückrundenspieltag Ende Dezember sechs Punkte gesammelt, was den Thüringern den vorletzten Platz der Rangliste der 3. Liga einbringt.

Die Mannschaft von Lukas Kwasniok hat in den zehn zurückliegenden Partien vier Treffer erzielt. Es gibt nur eine Mannschaft, die in den ersten zehn Spielen der Rückserie noch weniger Punkte erbeutet hat  und den wenig schmeichelhaften Beinamen „Schlusslicht“ der Rückrunde trägt: der KFC Uerdingen.

Drei Punkte aus drei Remis sind nicht etwa die Bilanz eines um den Klassenerhalt ringenden Clubs, sondern die eines der größten Aufstiegsanwärter des Herbstes mit höchsten Ambitionen. Mit 37 Punkten sind die Uerdinger in die Winterpause gegangen. Drei Monate später haben sie so eben die 40-Punkte-Marke erreicht. Noch rangiert der KFC auf Rang zehn der Tabelle, noch hat er neun Punkte Vorsprung auf die Abstiegsregion. Doch dort angesiedelte Teams wie Energie Cottbus oder Großaspach liegen seit der Winterpause deutlich besser im Rennen. Der KFC sollte die Saison also lieber noch nicht frühzeitig abhaken, auch wenn die Aufstiegsfrage wohl nicht mehr gestellt werden muss. In Jena geht es wieder darum, den Vorsprung nach unten zu halten, den Abstiegsängsten vorzubeugen. „Das wird eine ganz große Aufgabe werden. Wir dürfen Jena nicht unterschätzen. Das wäre das Schlimmste, was wir machen könnten. Der Gegner hat sich noch nicht aufgegeben“, sagt Uerdingens neuer Trainer Frank Heinemann, der mit seiner Mannschaft nach einer Vormittagseinheit am Freitag nach Jena reiste, wo er am Samstag sein Debüt geben wird.

Wieder wird die Frage gestellt werden, ob die prominent besetzte Mannschaft des KFC die Mittel findet und dauerhaft anwendet, um den Rivalen in seine Schranken zu weisen und einen Sinn für gemeinschaftliche Arbeit auf dem Platz erkennen lässt. Das war in den vergangenen Wochen nur phasenweise zu sehen gewesen. Sowohl Heinemann als auch der Mittelstürmer Adriano Grimaldi, der in der Vorwoche debütierte und seinen Wert als Ballhalter und Zielspieler aufblitzen ließ, betonten in den vergangenen Tagen den Zusammenhalt und den Willen zusammen zu kämpfen. Der neue Trainer rief sogar den Neustart aus: „Wir fangen jetzt bei Null an.“ Jenas Trainer Kwasniok urteilt über Uerdingen: „Sie sind eine hervorragend besetzte Truppe, der es aber zuletzt nicht gelang, diese Qualität als Team auf die Straße zu bringen.“

Für den KFC Uerdingen geht es darum, diesen Eindruck zu verwischen, beim Krisenduell im Paradies.

Mehr von Westdeutsche Zeitung