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KFC Uerdingen: Gino Fechner ist der Alleskönner in der Defensive

3. Liga : Gino Fechner: Alleskönner in der Defensive

Gino Fechner glänzt beim KFC Uerdingen als Allrounder in der Defensive und zeigt jetzt auf in der Offensive seine Qualitäten.

Eines kann sich Gino Fechner sicher sein, wenn er die Fußballbühnen der Republik betritt. Mindestens ein Augenpaar wird ihn auf seinen vielen Wegen über das Rasenviereck im Besonderen verfolgen. Sein Vater Harry wird im Stadion oder am heimischen Fernseher dann das Handeln des Filius genauestens studieren. Die Vater-Sohn-Gespräche nach einer Partie werden auch mal schnell zu Manöverkritiken samt Videoanalysen. Das Stellungsspiel, die Abspielsituationen, die Raumorientierung und seit diesem Wochenende wohl auch die Sturm- und Drangphasen des jungen Gino Fechner. Die Einlassungen des Vaters kommen schließlich aus berufenem Munde. Harry Fechner brachte es als Abwehrspieler von 1971 bis 1974 selbst auf 84 Bundesligaspiele allein für den VfL Bochum. Den heute 70-Jährigen als seinen „Förderer und Kritiker“ zu bezeichnen, das passe sehr gut, sagt Gino Fechner: „Es ist konstruktive Kritik. Es hat bei ihm als ehemaliger Profi ja auch eine Aussagekraft.“ Seit seinem Wechsel von Kaiserslautern nach Uerdingen im vergangenen Sommer ist Fechner wieder ins Elternhaus nach Bochum zurückgezogen.

Meiste Einsatzzeit
in der Mannschaft

Dorthin, wo der Vater einst spielte, ist es für den 23-Jährigen noch ein weiter Weg. Mit dem KFC Uerdingen versucht der Defensivmann erst einmal in den kommenden Monaten die Mühen der Ebene zu bewältigen, nachdem der Hauptgesellschafter Mikhail Ponomarev seinen Abschied angekündigt hat und die Führungsfrage sowie die sportliche Zukunft des Clubs nunmehr in den Sternen steht: „Auf dem Platz haben wir es geschafft, das einigermaßen auszublenden“, sagt Fechner. Mit 17 Einsätzen über 90 Minuten in den bisherigen 18 Partien ist er der Mann mit der meisten Einsatzzeit im Team. 1530 Minuten war er mitten im Geschehen. Sogar noch mehr als der in der Regel unverwüstliche Linksverteidiger Christian Dorda, der auf 15 Spiele kommt.

Fechner besticht durch seine Verlässlichkeit auf gleich mehreren Posten. Egal, welche Aufgaben Trainer Stefan Krämer, sein hauptamtlicher Lehrmeister neben dem Vater, ihm auftrug, der Defensiv-Alleskönner lieferte gute Arbeit ab. Anfangs half er als Innenverteidiger aus, dann rückte er vor ins defensive Mittelfeld, aber auch als linker und rechter Außenverteidiger verdichtete er die Räume für die gegnerischen Angreifer. Auffällig auch das: In den 16 Spielen kassierte Fechner nur eine Gelbe Karte bei seinen Versuchen den Gegner aufzuhalten. „Ich bin mit seiner Entwicklung sehr zufrieden. Gino ist noch sehr jung, charakterlich einwandfrei“, lobt ihn Krämer, der den gebürtigen Bochumer vor wenigen Wochen als „Top-Transfer“ bezeichnet hatte. Vor allem die hohe Flexibilität und die Stärke im Duell Mann gegen Mann seien es, die den 23-Jährigen befähigen, beim KFC schon im ersten Halbjahr in einer neu zusammengestellten Mannschaft eine tragende Rolle einzunehmen. „In meinen Jugendmannschaften gab es damals schon oft das Problem in der Defensive. Ich habe dann dort ausgeholfen. Es ist wie ein Vorteil für mich, denn der Trainer hat viele Einsatzmöglichkeiten mit mir.“ Neue Positionen zu bespielen, hieße auch immer: Diese Aufgaben besser kennenzulernen und sich später in die Mitspieler hineindenken zu können. Dabei aber soll es nicht bleiben, findet Fechner selbst: „Ich kann vielleicht noch zulegen, die eine oder andere Bude machen. Das Hauptaugenmerk ist natürlich das Verhindern von Toren“, sagt er. Drei Treffer sind es als Berufsfußballer bislang geworden, alle im Trikot des 1. FC Kaiserslautern.

Gino Fechner stammt aus der Jugendabteilung des VfL Bochum. 2016 wechselte er nach elf Jahren zu RB Leipzig, machte am dortigen Sportgymnasium sein Abitur. 2017 schaffte er dann den Schritt in den Profibereich. Der damalige Zweitligist 1. FC Kaiserslautern nahm den Defensivmann auf. Nach mehreren Jahren in der Fremde wollte er im Sommer 2020 dann zurück in sein altes Umfeld.

Aus der Pfalz ging es nach Uerdingen. „Ich habe jetzt wieder viele Freunde von damals um mich herum und fühle mich sehr wohl.“ Als Wohlfühl-Oase oder Komfortzone will er die Heimstatt Bochum nicht bezeichnen. Vorübergehend aber, vor allem in der Corona-Pandemie und der ungewissen Zukunft beim KFC, sei dies die beste Wahl. Die ganze Aufmerksamkeit gelte nun den restlichen 21 Spielen bis Ende Mai in der Liga. „Ziel ist es, in den verbleibenden Partien deutlich mehr Punkte zu holen als bisher“, sagt Gino Fechner. Das Saisonziel Aufstieg hat er noch nicht aufgegeben.