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KFC-Stürmer Osawe ist ein Sprinter in die Tiefe

3. Liga : KFC-Stürmer Osawe ist schnell wie der Blitz

Der Offensivspieler zeigte sein besonderes Können beim 4:2 gegen Zwickau. Noch fehlt ihm allerdings die Konstanz.

Zu den Neuerungen der Vorbereitung auf ein Heimspiel des KFC Uerdingen gehört seit Sonntagmorgen auch ein Spaziergang der Mannschaft entlang des Rheins in Richtung der „Weißen Siedlung“ im Düsseldorfer Stadtteil Golzheim, die nur wenige hundert Meter flussaufwärts des Stadions gelegen ist. Auf diesem Weg nahmen sich Teamchef Stefan Reisinger und Trainer Daniel Steuernagel die elf Spieler zur Seite, die dann wenige Stunden später in der Startelf stehen sollten und – wie gesehen – schließlich auch 4:2 gegen den FSV Zwickau gewannen. Ob diese neue Maßnahme nun gleich Früchte getragen habe? Darüber kann Reisinger nur schmunzeln, will den Zauber des Anfangs aber auch nicht ganz wegwischen.

Mit einem Spieler sprachen die beiden jedoch nicht: Osayamen Osawe musste auf dem kleinen Fußmarsch ohne Zwiegespräch mit seinen Trainern auskommen. Geschadet hat es ihm nicht. Was von ihm erwartet wird, ist dem Nigerianer ohnehin klar: Seine Geschwindigkeit effektiv einsetzen. Der 26-Jährige erlebte gegen Zwickau mit seinen beiden Toren und einer Vorlage einen erfolgreichen Tag.

Dass er sich darüber hinaus auch noch über einen Sieg freuen durfte, lag auch an der guten Teamleistung, die dafür sorgte, dass trotz zweier Gegentreffer die Uerdinger nicht aus der Bahn gerieten. Das Gesamtbild stimmte. Die Mannschaft stemmte sich gegen eine dritte Niederlage in Folge und trat als Kollektiv auf. „Das Team hat gut gearbeitet. Jeder hat dem anderen geholfen. Wir müssen jetzt das Positive aus dem Spiel mitnehmen“, sagte Osawe, der nach wie vor das Englische bevorzugt, wenn er sich verständigt. „Zwei Tore und eine Vorlage, davon träumen Stürmer“, sagt er noch, ehe er sich in aller Bescheidenheit lieber noch ein bisschen selbst kritisierte vor den Journalisten: „Ich könnte noch mehr Chancen kreieren. Daran muss ich noch arbeiten.“

Osayamen Osawe ist ein Phänomen in der 3. Liga. Er ist schnell wie der Blitz. Gegen Zwickau lief er seinen Bewachern das eine oder andere Mal einfach davon – mit Ball am Fuß, was die Sache noch einmal eindrucksvoller macht. „Mit dieser Geschwindigkeit ist er immer eine Waffe“, sagt Teamchef Reisinger. „Gegen Osawe in ein Laufduell zu gehen, ist nicht clever“, befand Zwickauer Trainer Joe Enochs. Seine Verteidiger hatten diesen Rat jedoch nicht beherzigt.

In der Trainingswoche vor dem Spiel hatten Reisinger und Steuernagel immer wieder auch das Spiel in die Tiefe mit Abschluss einstudieren lassen. „Osawe ist im Spiel viele tiefe Laufwege gegangen“, lobte auch Trainer Steuernagel. Es war der erste Doppelpack des 26-Jährigen in dieser Saison, überhaupt erst seine ersten Treffer, was wiederum die Kehrseite ist: Solche Feiertage wie am Sonntag erlebt Osawe nur äußerst selten. Er zeigt noch nicht beständig die Torgefahr und Qualität als Vorbereiter, wenn er mit schnellen Schritten über die Flügel flitzt und kaum jemand ihm folgen kann. Es gab schon seltene Szenen in den 14 Monaten beim KFC, wo Osawe sich quasi selbst überholte. Zu schnell für die eigene Ballführung, technisch unsauber. Es sah aus, als hätte man da einem Sprinter einen Fußball vor die Beine geworfen. Oft bringt er den letzten Pass noch nicht an den Mann – oder eben aufs Tor. Neun Treffer in 35 Einsätzen für den KFC sind kein furchteinflößende Bilanz.

Wenn man den schnellen Osawe allerdings nur nach seinem Abschluss bewertet, unterschätzt man das Können des Mannes aus Benin-City, der in England das Fußballspielen lernte. Er kann und soll durch sein Tempo auch seine Mitspieler in Szene setzen. Gegen Zwickau war Osawe ball- und zielsicher – und mit dem nötigen Blick für seine Nebenleute, wie beim 2:1 durch Christian Kinsombi. Die gesamte Offensive, neben Osawe auch Kinsombi oder Boere, der seine Flaute beendete, zeigte die lange vermisste Torgefahr. Vier Treffer in einem Spiel, das hatte es erst einmal in dieser Spielzeit gegeben: gegen Hansa Rostock.

Am Freitag geht es für den KFC bereits weiter mit dem Spiel beim Tabellenzweiten Waldhof Mannheim. Die Uerdinger kehren dahin zurück, wo sie im Mai 2018 den Aufstieg in die 3. Liga feierten. In einem denkwürdigen Spiel, das wegen Fan-Ausschreitung der Gastgeber im Abbruch mündete.