KFC: Ponomarev wagt das Effenberg-Experiment

KFC Uerdingen : KFC: Ponomarev wagt das Effenberg-Experiment

Der Champions-League-Sieger von 2001 wird Manager Sport beim Fußball-Drittligisten. Offizielle Vorstellung am Mittwoch.

Da stand er also. Stefan Effenberg. In den Katakomben der Grotenburg. Nur eine Nacht nach dem 0:0 des KFC Uerdingen gegen den 1. FC Magdeburg. Posierend für ein Foto mit Geschäftsführer Nikolas Weinhart auf dem Rasen, dann auch ein paar Worte an die Mannschaft richtend. Der 51-Jährige ist die neue starke Instanz zwischen Trainer, Mannschaft und Vorstand um den Investor Mikhail Ponomarev. Manager Sport, so heißt die Jobbezeichnung für den Mann, den sie früher auf dem Rasen ehrfürchtig „Tiger“ gerufen hatten.

Ponomarev hofft auf Effenbergs Erfahrung und Fachwissen

Effenberg soll Klub-Präsident Ponomarev, dem Geschäftsführer Sport Weinhart und dem Trainerteam bei sportlichen Entscheidungen zur Seite stehen. Ponomarev sagt: „Wir erhoffen uns, dass er mit all seiner Erfahrung und seinem Fachwissen dabei helfen kann, die nächsten Schritte auf dem Weg nach vorne zu machen.“ Effenberg soll Fachkenntnis mitbringen. Offenbar hat sich bei den KFC-Oberen der Gedanke durchgesetzt, dass man auf dem bisher beschrittenen Weg nicht weiter nach vorne kommt. Derzeit befinden sich die Krefelder in der 3.Liga nahe den Abstiegsplätzen.

Zehn Monate dauert die Misere schon an. Fünf Trainerwechsel, zuletzt von Heiko Vogel zu Interimscoach Stefan Reisinger, haben die Uerdinger in diesem Kalenderjahr  schon erlebt. Der Kader ist eine Dauerbaustelle, quasi im Halbjahresrhythmus wird die Mannschaft personell verändert. Lange war es ein Muster, höherklassig, erfahrene Spieler einzukaufen wie Kevin Großkreutz, Jan Kirchhoff oder Assani Lukimya, die einen Karriereknick hinter sich hatten. Doch konnten diese und andere die Erwartungen selten voll erfüllen. Die ständigen Wechsel in der Kabine und auf der Trainerbank sind ein Merkmal der Personalpolitik geworden. Von einer Verjüngung, die im Sommer unter Heiko Vogel eingeleitet werden sollte, ist nichts mehr zu sehen. Auch Geschäftsführer Nikolas Weinhart musste sich in den vergangenen Monaten schon aus dem Fanlager den Vorwurf anhören, er sei der falsche Mann am falschen Platz.

Ende Januar, als Trainer Stefan Krämer gehen musste, hatten die Uerdinger noch beste Chancen auf den Aufstieg in Liga zwei. Doch viele Entscheidungen schon damals bis heute gingen ins Leere. Ponomarev regiert nach Gutsherrenart und steckt im engen Austausch mit seinen Trainern, wie immer wieder zu hören war. Wie werden sich Geschäftsführer Weinhart und Effenberg, der als Fußballer ein Alfatier war, im Aufgabengebiet Sport gemeinsam bewegen? „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und den Austausch mit ihm. Stefan Effenberg wird viele neue Impulse bringen“, ließ sich Weinhart auf der KFC-Homepage zitieren.

Umzug nach Düsseldorf im September dieses Jahres

Effenberg, der Champions League-Sieger mit dem FC Bayern München von 2001, verfügt über viele Titel und Erfahrung innerhalb des Rasenvierecks. Im operativen Geschäft jedoch hat er noch kaum Fußspuren hinterlassen. Von Oktober 2015 bis März 2016 stand er als Trainer erfolglos an der Seitenlinie des SC Paderborn. Als TV-Experte war Effenberg in den vergangenen Jahren viel beschäftigt. Außerdem war er für eine Karriere-Beratungsagentur aktiv. Privat zog Stefan Effenberg mit seiner Frau Claudia im September nach Düsseldorf.

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