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KFC muss über 90 Minuten bestehen

Fußball : KFC muss über 90 Minuten bestehen

Eine ordentliche zweite Hälfte bis kurz vor Schluss ist zu wenig für den Fußball-Drittligisten beim 1:2 in Halle und im Abstiegskampf generell

Vielleicht war es auch der Frust über seine kurz zuvor vergebene Siegchance gewesen, die den Offensivspieler Mike Feigenspan im Nachgang der 1:2-Niederlage des KFC Uerdingen in Halle zu einer Schimpftirade ansetzen ließ: „Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison“, maulte der 25-Jährige nur wenige Augenblicke nach dem Abpfiff in die übertragenden Kameras von Magenta TV. Er hob dabei auf die erschwerten Arbeitsbedingungen ab, die in den vergangenen Monaten oft Thema waren. „Wir müssen so eine Scheiße durchmachen. Das hat mit Normalität nichts mehr zu tun. Wir geben Tag für Tag alles. Aber die Gegebenheiten sind nicht da, um Leistung zu bringen, die wir brauchen.“

Krämer widerspricht Feigenspan in Sachen Trainingsqualität

Eine Einschätzung, die sein Trainer Stefan Krämer nicht mitgehen wollte: „Die Gegebenheiten sind jetzt okay“, sagte er angesprochen auf die Kritik seines Schützlings. Die Einlassungen Feigenspans aber dienten als Symptom dafür, dass diese 1:2-Niederlage, die in den letzten vier Spielminuten geschah, das Nervenkostüm der Krefelder Fußballer ziemlich angefressen hatte. Es hätte wohl nicht mehr viele Beobachter vor dem Fernsehbildschirm und im Stadion gegeben, die in der 88. Minute noch an eine solch spektakuläre Wende geglaubt hätten. Krämer zählte sich jedenfalls nicht zu diesen Pessimisten: „Ich habe nicht mehr daran gedacht, dass das Spiel kippen könnte“, sagte er auf der Pressekonferenz. Da hatte ihn sein Team gerade negativ überrascht.

Unaufgeregt, sachlich, analytisch, als fairer Sportsmann - so präsentierte sich der 54-Jährige auch auf der Pressekonferenz und vor den TV-Kameras, als er eine erste Erklärung der Niederlage liefern sollte. Verlorene Luftduelle vor den Gegentoren, Diagonalbälle, die schwer zu verteidigen seien und eben der gefährliche Hallenser Stürmer Terrence Boyd mit seinem Torinstinkt. Faktoren, die den KFC doch noch zu Sturz brachten. „Jetzt stehen wir mit leeren Händen da. Das ist in unserer Situation doppelt bitter. Wir müssen jetzt aber damit umgehen. Es ist wie es ist.“ Es war jedoch nicht nur die Endphase, in der sich der KFC noch düpieren ließ. Es waren auch die ersten 30 Minuten der Partie, die am KFC völlig vorbeiliefen und für internen Redebedarf sorgten. Doch anders als in den vorangegangenen Partien gegen 1860 München und den FSV Zwickau fingen sich die Uerdinger diesmal kein frühes Gegentor ein, was aber wohl eher am größzügigen Gegner lag als an der Abwehrkunst der Krefelder. „Zu schläfrig, zu fahrig, zu passiv“, monierte Trainer Krämer den Auftakt seiner Mannschaft im Abstiegsduell mit dem Halleschen FC, was den sonst sehr besonnenen Fußball-Lehrer in der Kabine schon zur Halbzeit aus der Haut fahren ließ. Die Kabinenpredigt fiel laut und aufrüttelnd aus, wie Augenzeugen berichteten. Das Zeichen war klar: Für den Abstiegskampf war das viel zu wenig. Oder: Da hat eine Mannschaft wohl den Ernst der Lage nicht verstanden.

Die Lektion ist: Will der KFC dauerhaft im Rennen um den Klassenerhalt punkten, darf er sich solche Auszeiten wie in Halle oder in den Anfangsminuten gegen 1860 München oder Zwickau nicht erlauben. Die Uerdinger werden sich noch einmal straffen müssen, nicht nur für die kommende Aufgabe beim tollen Aufsteiger SC Verl, der übrigens neben den Münchner „Löwen“ die beste Offensive der 3.Liga besitzt.

Den Fokus auf dem Wesentlichen behalten. Das hat Trainer Stefan Krämer schon in der Vorwoche im Gespräch gesagt, sei nun das Wichtige. Was wird aus welchem Spieler im Sommer? Dieses „Gedankenkarussel“, wie es Krämer nannte, müsse angehalten werden im Sinne des Erfolgs für den KFC. Sonst kann es doch noch ein böses Ende nehmen mit dem Krefelder Profi-
club im Saisonendspurt um den Klassenerhalt. Wie eng Sieg und Niederlage in der 3.Liga beieinander liegen, haben die Uerdinger am Freitag in Halle leidvoll erfahren. Gerechnet hatte nach 88 Minuten niemand mehr mit dem K. o. Und dennoch passierte er. Am kommenden Wochenende soll sich dieses Szenario möglichst im Gastspiel beim starken Drittliga-Aufsteiger SC Verl aus KFC-Sicht nicht wiederholen.