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KFC: Hinten stark, vorne schwach

Fußball : KFC: Hinten stark, vorne schwach

KFC-Trainer Krämer verordnete in Rostock solides Verteidigen. Im Angriff aber fehlte noch die Abstimmung.

Der kahlköpfige Edvinas Girdvainis war nahezu jedem herbeifliegenden Ball entgegen gesprungen. Eine vielbeinige Abwehr des Fußball-Drittligisten KFC Uerdingen stand außerdem am Sonntagmittag gegen kurz vor 15 Uhr um den eigenen Strafraum versammelt, als die Nachspielzeit im Rostocker Ostseestadion anbrach. Befreiungsschläge waren den Gästen vom Niederrhein nicht mehr zu billig, um das 0:0 über die Zeit zu retten. Als dann doch noch der Däne Gustav Marcussen zu einem Dribbling durch die eigene Hälfte ansetzte, auf ein Abspiel verzichtete und den Ball dann letztlich Sekunden später in zentraler Position verlor, da wütete Trainer Stefan Krämer draußen an der Seitenlinie. Hätte dieser Lapsus noch zu einem späten K.o. geführt – man will sich in die Gemüter der Spieler und Verantwortlichen nicht hineindenken.

Rückstände aufzuholen, ist
sehr kompliziert in der 3. Liga

Jedenfalls war es das Ziel, diesen einen Punkt so zu verteidigen wie eine knappe Führung. Der erste Zähler für die Uerdinger in dieser Saison wurde als kleiner Fortschritt betrachtet. Die Arbeit gegen den Ball stimmte, auch mit der Laufbereitschaft seines Teams zeigte sich der KFC-Trainer einverstanden. Nach zuletzt zwei Niederlagen mit jeweils zwei Gegentreffern war die Aufgabenstellung an seine Spieler diesmal eine andere.

Krämer hatte im Vergleich zu den Vorwochen eine defensivere Taktik gewählt. Der Gegner durfte mehr im Ballbesitz sein, solange daraus keine gefährliche Situation für die Uerdinger erwächst. Dieser Plan ging – bis auf zwei brenzlige Szenen im ersten Durchgang – auf. Der KFC stand wesentlich sicherer in der Abwehr – und drehte diesmal den Spieß herum. Zuletzt waren es immer die Krefelder gewesen, die das Spiel machen wollten und sich teilweise an tief stehenden Gegnern wie Meppen letztlich aufrieben. Viel Aufwand, wenig Ertrag. Die Emsländer setzten Nadelstiche und schossen aus drei Chancen zwei Tore. Keine Punkte für den KFC. Auch in Ingolstadt hatten die Krefelder mehr vom Spiel über weite Strecken. Die Tore aber machten die Gastgeber.

Krämers Taktik ist auch eine Art Pragmatismus. Allein der Erfolg zählte. Eine Verteidigungsstrategie zu fahren, die aktuell offenbar mehr Punkte verspricht als ein auf Attacke ausgerichteter KFC, der zuletzt keine Durchschlagskraft besaß und hinten Lücken offenbarte. Nicht umsonst sagte Krämer nach dem 0:0 in Rostock: „Rückstände aufzuholen, ist sehr kompliziert in der 3. Liga. Drei Viertel der Mannschaften, die in Führung gehen, gewinnen auch das Spiel.“ Es zeigt sich, dass jede Mannschaft, die sich zurückzieht, den Angreifer vor große Probleme stellen kann. Das mussten auch die Rostocker erfahren, die vor Heimpublikum mit Schwung begonnen hatten, de aber im zweiten Durchgang immer mehr versandete. „Der Ansatz war, erst einmal sicher zu stehen“, sagte Krämer. Aus einer gut geordneten Abwehr heraus sollten die Krefelder dann gefährlich werden.

Dieser Teil des Plans jedoch ging nicht auf. Viele Ballverluste im Spiel nach vorne und auch wieder viele Fehlpässe am gegnerischen Strafraum, im letzten Drittel des Spielfeld. Dort, wo es um Tore und Punkte geht. Nach einem Ballgewinn in der Hälfte der Gastgeber gaben die Krefelder das Spielgerät nur wenige Sekunden später wieder her. Eine Torchancen entwickelte sich nicht, trotz der aussichtsreichen Situation auf dem Feld. Es war bezeichnend für die Angriffsbemühungen des KFC: „Im Umschaltspiel haben wir leider falsche Entscheidungen getroffen, schlampige und fehlerhafte letzte Bälle gespielt“, monierte Krämer. Es war der Kritikpunkt in der Analyse, die der 53-Jährige seiner Mannschaft nach dem Spiel mit auf den Weg gab.

Das fehlerhafte Offensivspiel ist kein neues Phänomen, findet nun aber unter veränderten Gegebenheiten statt. Die Mannschaft ist im Sommer neu zusammengestellt worden. Die Abstimmung fehlt noch, die Automatismen, wie es im Fußballsprech heißt, sind noch nicht da. „Wir haben uns gemeinsam auf diesen Prozess eingelassen. Wir wissen, dass wir noch an vielen Dingen arbeiten müssen“, sagt Krämer. Die Entwicklung brauche noch mehr Zeit. Dass man seine Uerdinger jetzt jede Woche vornehmlich defensiv agieren sieht, glaubt Krämer indes nicht. Vielmehr sei es notwendig, für jede Aufgabe wieder eine Herangehensweise zu finden. „Für jedes Spiel braucht es eine eigene Idee. Man muss flexibel sein, auch in der Lage sein, innerhalb einer Partie die Idee zu wechseln.“ Das Spiel aus der sicheren Abwehr heraus mit weniger Ballbesitz aber dürfte noch das eine oder andere Mal zur Wiederholung kommen. Sauberes Verteidigen ist auch für nicht eingespielte Teams immer ein guter Weg zum Erfolg.