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KFC: Franck Evina meldet sich zurück

KFC Uerdingen : Franck Evina meldet sich zurück

Der Kameruner trifft in der 3. Liga für den KFC Uerdingen zum Sieg in Ingolstadt, wenn auch erst einmal nur als Teilzeitkraft.

Auf seinem Rundgang über das Spielfeld nach Abpfiff, um Gratulationen an die Uerdinger Spieler zu verteilen, kam KFC-Geschäftsführer Nikolas Weinhart auch ziemlich schnell an Franck Evina vorbei. Seine Freude über den 1:0-Sieg gegen den Tabellenzweiten FC Ingolstadt hielt das Vorstandsmitglied dabei nicht zurück. Weinhart herzte Evina, er umklammerte ihn für einen Moment förmlich, klopfte dem Kameruner kräftig auf den Rücken.

Ein Dank an den Mann, der diesen Erfolg erst möglich gemacht hatte mit seinem Tor in der 88. Minute – ein Seitfallzieher nach einer Flanke Ali Ibrahimajs. Künstlerisch wertvoll. Der Jubellauf Evinas danach endete an der Krefelder Reservebank. Seine Mitspieler nahmen den 19-Jährigen dort in Empfang. Oder besser: Sie stürzten sich auf den Matchwinner. In der Menschentraube gehörte auch Teamchef Stefan Reisinger zu den ersten Gratulanten.

Er und Trainer Daniel Steuernagel hatten ein glückliches Händchen bewiesen mit ihrer Hereinnahme Evinas und Ibrahimajs. „Das ist das, was wir brauchen. Franck war sofort im Spiel. Er stiftet Unruhe und hat eine hohe Abschlussqualität“, sagt Reisinger. Evina, der Nachschieber, der nach einer Stunde Spielzeit gegen allmählich müder werdende Ingolstädter noch einmal für Stressmomente und viel Beschäftigung sorgen sollte. „Er hat eine Wucht, die gefragt war“, so der Teamchef. Der Gefeierte selbst sagte im Fernseh-Interview pflichtbewusst: „Man muss immer bereit und fokussiert sein, wenn man draußen ist. Auf die Gelegenheit habe ich gewartet.“ Der 19-Jährige meldete sich mit diesem Treffer als Spielentscheider zurück.

Auf solch einen Glücksmoment hatte Franck Evina tatsächlich ein halbes Jahr warten müssen, seit seinem letzten Treffer am 3. August. Damals hatte er den Uerdingern gerade in der Nachspielzeit ein 2:2 in Großaspach gerettet. Evina war zu dieser Zeit nach vier Spieltagen so etwas wie der Shootingstar des KFC. Vier Tore nach vier Partien. Für die Leihgabe des FC Bayern München schien es im Sommer steil nach oben zu gehen in der 3. Liga. Doch die Realität holte ihn schnell ein. Unter dem damaligen Trainer Heiko Vogel musste Evina aus der Sturmspitze auf die Flügel ausweichen. Es lief bald nicht mehr rund, weder für ihn persönlich, noch für die Mannschaft. Der Kameruner verlor später seinen Stammplatz, kämpfte sich dann aber ins Team zurück, trumpfte beim Afrika Cup mit der U23 Kameruns auf, kam in der Liga aber nicht mehr an seine Torgefahr wie am Saisonbeginn heran. Im Oktober, nach dem Trainerwechsel, überwand er ein sportliches Tief, trat als Vorlagengeber wieder in Erscheinung. Damals sagte er: „Es ging darum, mich da heraus zu kämpfen. Das habe ich geschafft.“

Trainingsrückstand machte
Evina zum Kurzarbeiter

Zuletzt machten sich bei ihm Hüftprobleme bemerkbar. Zudem trage er seit der Winterpause ein Fitness-Defizit mit sich herum. Der Trainingsrückstand macht ihn seitdem eher zu einem Kurzzeitarbeiter. „Er muss sich körperlich wieder an die Mannschaft heranbeißen“, sagt Reisinger über den hoch veranlagten Mann aus Yaoundé, der von seiner Schnelligkeit lebt. Es gibt Stimmen, die behaupten, der 19-Jährige gehe mit seinem Talent zu schludrig um, müsse noch härter an sich arbeiten.

Dass Evina mit seinen nun fünf Saisontoren aber immer noch der zweitbeste Schütze im Team hinter dem Niederländer Tom Boere ist, sagt auch viel über die schwache Durchschlagsfähigkeit der Uerdinger aus, die sich in Ingolstadt aber mal wieder auf ihre defensive Grundbasis verlassen konnten. „Wir bekommen immer unsere 100-prozentigen Chancen. Wenn wir die Null halten, ist für uns immer ein Sieg drin“, sagt Evina.

Teamchef Stefan Reisinger bilanziert: „Wir haben im Kollektiv sehr gut verteidigt und uns als Team präsentiert. Der Matchplan ist aufgegangen.“ Zu diesem Schlachtplan zählte auch wieder Franck Evina, wenn auch nur als Trumpfkarte von der Ersatzbank. Jedenfalls hat er seine Trainer in der Partie am Wochenende gegen Ingolstadt nicht enttäuscht.