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Kevin Großkreutz ist beim KFC Uerdingen nicht mehr gefragt

3. Liga : Großkreutz ist nicht mehr gefragt

In zwei Wochen steht für Türkspor Dortmund das erste Testspiel der Saisonvorbereitung an. Am 31. Juli trifft der Fußball-Bezirksligist auf SuS Oberaden. Kevin Großkreutz wird dann vermutlich an der Seitenlinie stehen.

Denn die Vorbereitung beim KFC Uerdingen startet für den 31-Jährigen erst am 10. August. Genug Zeit für den Weltmeister von 2014 also, seiner Berufung als Co-Trainer des Bezirksligisten Türkspor Dortmund zu folgen, der in seiner Sommervorbereitung unter anderem auch auf Rot-Weiß Ahlen trifft, Großkreutz’ Jugendverein. So omnipräsent wie der Profi im Rahmen der Vorbereitung des Dortmunder Bezirksligisten wirkt, so wenig Berücksichtigung fand der Rechtsfuß zuletzt noch bei seinem eigenen Verein in der 3. Liga.

KFC-Trainer Stefan Krämer plant nicht mehr mit Großkreutz. In der Zeit nach der Corona-Pause, in der beim in die Jahre gekommenen Kader des KFC im Abnutzungskampf der 3. Liga jeder Spieler gebraucht wurde, erhielt der gebürtige Dortmunder nur punktuell Einsatzzeit. Gerade einmal 110 Minuten stand Großkreutz in den elf Spielen seit Wiederbeginn in der 3. Liga Anfang Juni auf dem Platz. Eine Gelbsperre und muskuläre Probleme verhinderten weitere Einsätze. Ein steter Kaderkandidat war Großkreutz aber schon seit Beginn des Jahres nicht mehr. In sechs von sieben Partien zwischen Januar und März war er nicht im Kader. Damals noch unter dem Trainerteam Daniel Steuernagel und Stefan Reisinger. Doch zuletzt war auch sein jetziger Übungsleiter Stefan Krämer zusehends genervt ob des Themas seines fehlenden Weltmeisters. Auf die Frage, warum Großkreutz im letzten Saisonspiel gegen Viktoria Köln nicht auf dem Spielberichtsbogen auftauchte, antwortete Krämer genervt: „Weil wir den Kader so aufgestellt haben, wie wir ihn heute aufgestellt haben.“

Zum Vergleich: Auf der Bank nahmen gegen Köln insgesamt drei Torhüter Platz. Darunter A-Jugendtorwart Julius Paris und der vierte Ersatztorwart Philipp Bachmeier. Mehr Ausbootung geht eigentlich nicht. Schlechte Trainingsleistungen, motivationale Probleme und Ärgernisse in der eigenen Kabine: Die Liste der Ursachen für Großkreutz’ Leistungsabfall sind lang. Keine Frage: Für den ehemaligen Weltmeister, der bei dem ohnehin schon überteuerten Kader der Krefelder zu den absoluten Spitzenverdienern zählt, ist kein Platz mehr beim KFC Uerdingen.

Öffentlich schweigen sich
Spieler und Verein aus

Reden möchte der „Dortmunder-Jung“ auf Nachfrage unserer Redaktion nicht über seine aktuelle Situation. Und auch auf der Gegenseite hält man sich mit Verlautbarungen zur Zukunft von Großkreutz derzeit lieber zurück. Öffentlich verliert die Führungsriege des KFC Uerdingen kein schlechtes Wort über seinen Weltmeister, der für eine Ablöse von rund 350 000 Euro im Juli 2018 von Darmstadt 98 an den Niederrhein gewechselt war. Wohlwissend, dass es nicht einfach werden dürfte, den Mann mit dem üppigen Vertrag ohne Verlust wieder loszuwerden. Ex-Manager Stefan Effenberg sprach Großkreutz Ende Februar sogar noch Mut zu, als er wieder einmal nicht im Kader des Fußball-Drittligisten aufgetaucht war. „Das nicht jeder Platz hat im Kader, ist normal. Bei uns entscheiden nur sportliche Gründe. Ich finde den medialen Umgang mit Kevin Großkreutz in Teilen fragwürdig. Nichtsdestotrotz nimmt er, wie auch andere Spieler, die zur Zeit nicht zum Einsatz kommen, die Situation an. Alle Spieler müssen hart arbeiten, damit sie dabei sind“, hatte Effenberg damals in einem Interview erklärt. Jetzt ist der Kurzzeit-Manager bereits wieder Geschichte beim KFC Uerdingen, Großkreutz könnte es auch bald sein.

Junge Spieler sollen den KFC zum Aufstiegsanwärter machen

Denn der Kader der ambitionierten Krefelder soll im Sommer umgebaut werden, damit das Ziel vom Aufstieg in die 2. Bundesliga im dritten Anlauf realisiert werden kann. Dazu suchen die Krefelder junge, hungrige Spieler, wie beispielsweise Omar Haktab Traoré. Der 22-jährige Deutsch-Togolese kommt vom Regionalligisten VfL Rödinghausen. Weitere Transfers dieser Größenordnung sind geplant. Gepaart mit erfahrenen Akteuren soll der KFC zum ernsthaften Aufstiegsanwärter werden.

Trotz der sehr großen finanziellen Möglichkeiten, schaut man auch beim KFC Uerdingen spätestens seit der Corona-Krise vermehrt auf die eigenen Finanzen. Verein und Spieler einigten sich im Frühjahr auf Abstriche beim Gehalt. Mit Großkreutz soll indes nie eine Lösung gefunden worden sein.

In der nächsten Verhandlungsrunde scheint es wohl auch deshalb eher um eine möglichst für beide Seiten akzeptable Trennungslösung zu gehen. Eine Zukunft mit Großkreutz scheint unter diesen Bedingungen schlichtweg unmöglich.