Haariges Musculus-Ritual führt beim KFC zum Erfolg

KFC Uerdingen : Haariges Musculus-Ritual führt beim KFC zum Erfolg

KFC-Stürmer Lucas Musculus ist nicht nur ein Vollstrecker im Strafraum, sondern sticht im Team auch sonst mit besonderen Qualitäten hervor.

Wenn es doch immer so einfach wäre im Fußball. Man könnte glatt auf die Idee kommen, aus Aberglauben noch mehr auf solche Rituale zu setzen. Eines könnte sich in diesen Wochen beim KFC Uerdingen etablieren.

Denn wenn Lucas Musculus seinen Mannschaftskollegen die Haare schneidet und frisiert vor einem wichtigen Spiel, dann treffen diese auch ins Tor. So war es vor dem Kopfballtor Christopher Schorchs in Osnabrück. Und so stellte es sich auch bei Christian Dorda dar, der das wegweisende 1:0 für den KFC in Braunschweig erzielte – mit einem punktgenauen Distanzschuss.

„Wenn sie ein bisschen schöner sein wollen, kommen Sie zu mir“

„Am besten hätte ich mir die Haare auch noch selbst geschnitten. Dann hätte ich auch getroffen“, sagt Musculus mit einem Lachen. Der Stürmer des KFC ist kein gelernter Friseur, hat das Hobby aber schon zu Schulzeiten gefunden: „Immer wenn die Jungs vor einem Spiel ein bisschen schöner sein wollen, kommen sie zu mir“, erzählt der Angreifer, der in Braunschweig nach längerer Zeit mal wieder in der Startelf stand.

In einer schwierigen Phase setzte Trainer Stefan Krämer auf die Künste des 27-Jährigen. Musculus als Sturmspitze, Stefan Aigner ein kleines Stück dahinter. Es war erst sein viertes Spiel von Beginn an. Ansonsten Kurzeinsätze oder Bankplätze. Nicht das, was sich ein Stürmer wie er wünscht, der im Frühjahr im Duett mit Maximilian Beister großen Anteil am Aufstieg des KFC in die 3. Liga hatte. Dann die Phase im August, als Musculus mit einem Wechsel liebäugelte, die Uerdinger ihn aber nicht ziehen ließen: „Da war er in einer Phase enttäuscht, war gedanklich ein Stück weg von der Mannschaft.“

Trainer Krämer: „Er hat große Verdienste. Ich glaube an ihn“

Aus dem kleinen Tief aber arbeitete sich Musculus Schritt für Schritt heraus, kämpfte sich mit guten Trainingsleistungen zurück – und zuletzt unter die ersten Elf. Krämer: „Ich komme sehr gut mit ihm klar. Er hat große Verdienste um den Verein. Ich glaube an ihn.“ Nach dem Braunschweig-Spiel sagte Lucas Musculus: „Es ist natürlich schön zu spielen. Als Fußballer kennt man solche Phasen, wo man nicht spielt und hofft auf seine Chance. Der Trainer hat mir das Vertrauen geschenkt und ich habe es glaube ich gut gemacht.“

Lucas Musculus: „Ich weiß, woran ich arbeiten muss“

Krämer lobt den Instinkt seines Mittelstürmers und die Abschlussqualität. Ein Pfund, mit dem die Krefelder noch wuchern können. „Er hat das Gefühl dafür, wo die Bälle hinfallen. Das kann man nicht lernen“, sagt der KFC-Trainer. Musculus zögert nicht vor dem Torschuss. Eine Ballberührung reicht ihm oft im Strafraum aus. Das ist verdammt schwer zu verteidigen. „Ich weiß, woran ich arbeiten muss. Ich bin eben kein Lukaku, der zwei Meter groß und 100 Kilogramm schwer ist. Ich muss das Beste daraus machen“, sagt er. „Seine Qualität können wir sehr gut gebrauchen“, findet Krämer, und weiter: „Lucas hält das Zentrum. Das wissen wir. Da ist jemand, der die Bälle verwertet.“

Der Torjäger ist auch eine Option fürs Pokalspiel bei SW Essen

So könnten Aigner oder Beister auch um ihn herumspielen. Mehr Optionen für Krämer, der daran arbeitet, die zuletzt lahmende Offensive wieder in Tritt zu kriegen. Nach Beister will er auch aus Musculus wieder eine Waffe machen. Eine Eintagsfliege soll der Einsatz Musculus‘ gegen Braunschweig zumindest nicht gewesen sein. Krämer kann sich den 27-Jährige auch gut im Pokalspiel am Sonntag bei Schwarz-Weiß Essen vorstellen, wenn die Trainingsleistungen gut bleiben. Und abergläubisch ist Krämer schon. Vielleicht wird Musculus vor dem nächsten Punktspiel ja doch mal sich selbst frisieren. Es hat ja Glück gebracht.

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