Gestatten, Patrick — der Grotifant

Gestatten, Patrick — der Grotifant

Er ist 32 Jahre alt, tritt in große Fußstapfen. Der Familienvater sagt zu seinem neuen Job: „Es wird eine Herausforderung.“

Krefeld. Der neue Grotifant ist 1,72 Meter groß, wiegt 96 Kilogramm, trägt einen anrasierten Bart und Stoppelhaare. Den KFC Uerdingen trägt er im Herzen.

Alles andere wäre auch nicht denkbar gewesen für diesen Job. Patrick Dietzsch, der als Fan die Wege seines Clubs bisher von der Tribüne verfolgt hat, wechselt nun in die Rolle des Maskottchens. Er unterscheidet sich rein von seiner körperlichen Statur wenig von seinem Vorgänger Andreas Bosheck, der gestern bei der Präsentation neben ihm steht. Doch nicht nur das Äußerliche ähnelt sich. Das Verbindende des alten und des neuen Grotifanten ist offenbar auch das Temperament.

Dietzsch’ Freunde nennen ihn eine „Rampensau.“ Sie hätten ihn auch dazu motiviert, sich beim KFC auf die freie Stelle zu bewerben. Der 32-Jährige sagt: „Es wird eine Herausforderung. Ich trete in große Fußstapfen.“ Wird er denn die Leidenschaft und das Temperament zeigen wie der Vorgänger? „Oh, jaaaa“, sagt er bestimmt. Bosheck fügt an: „Er muss sein Ding machen, die Balance selbst finden.“ Schon nach wenigen Minuten unterm Fellkopf schwitzt Dietzsch etwas, demnächst werden es noch ganz andere schweißtreibende Auftritte werden.

Bosheck, 13 Jahre im Kostüm und seit dem Sommer Mannschaftsbetreuer, erzählt etwas von zwei bis drei Litern, die er während eines Spiels getrunken habe, einmal sogar sieben Liter. Man muss schon ein glühender Fan sein und viel wegstecken können, um sich auf so eine Aufgabe einzulassen.

Eine Sache von wenigen Wochen soll es nicht sein. KFC-Sprecher Jan Filipzik wünscht sich Kontinuität im Kostüm. Am Samstag im Pokalspiel gegen RW Oberhausen hat der dreifache Familienvater Patrick Dietzsch den ersten Einsatz. Seit 23 Jahren, mit Beginn der Saison 1994/95, gibt es den Grotifanten als überlebensgroße Figur am Spielfeld. Damals noch mit riesigem Kopf spazierte das Maskottchen in schwerem Gewand vor den Spielen winkend und grüßend durchs Stadionrund. Die Gestalt wurde mit der Zeit und den Jahren immer kleiner, aber dafür auch wilder.

Seit 2004 und mehrjähriger Abstinenz, gibt es den Grotifanten in seiner jetzigen Form. Bosheck nutzte die Beweglichkeit im Fellkostüm: er litt am Spielfeldrand mit, sprang, fluchte, tobte, kletterte auf die Zäune, geriet auch schon mal mit gegnerischen Fans oder dem Düsseldorfer Torhüter Carsten Nulle aneinander, der ihm gegen den Kopf trat. Im Fernsehen trat er bei Stefan Raab auf, in Spielshows.

Der Grotifant ist eine Marke mit hohem Bekanntheitsgrad. Dietzsch will „kinderlieb sein“, auch die Zuschauer auf den Tribünen besuchen, den Fanblock mit seinen Freunden will er aber meiden. Mit ihnen fährt er lieber wie gewohnt zu den Auswärtsspielen. Das Maskottchen Grotifant hat längst eine eigene Facebook-Seite. Man sieht es da im Konfettiregen nach dem Aufstieg, im Zwiegespräch mit dem Zebra des MSV Duisburg, rudernd auf den Stadtwald-Weiher, posierend vor dem Springbrunnen in Bad Pyrmont während des Trainingslagers, oder Arm in Arm mit Atze Schröder oder Olivia Jones. Einen Schönheitsfehler hat das Profil aber noch: Der Elefant trägt immer noch ein altes Trikot mit dem Schriftzug Lakis. KFC-Präsident Mikhail Ponomarev dürfte über diese Nachlässigkeit aber erhaben sein.

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