1. Sport
  2. Fußball
  3. KFC Uerdingen

KFC Uerdingen: Drama um KFC-Spieler Müller bei Sieg beim WSV

KFC Uerdingen : Drama um KFC-Spieler Müller bei Sieg beim WSV

Es dauert über zehn Minuten, bis der Rettungsdienst im Stadion am Zoo dem schwer verletzten Christian Müller vom KFC zu Hilfe kommt.

Begonnen hatte alles mit einem „Schockmoment“, wie Oguzhan Kefkir später sagte. Die Fußballer von Regionalligist KFC Uerdingen mussten mit ansehen, wie Kollege Christian Müller nach einem Zweikampf mit dem Wuppertaler Peter Schmetz im Gesicht getroffen zu Boden ging, liegenblieb und bewusstlos wurde — vor den Augen von 4332 Zuschauern. Doch Hilfe war nicht in Sicht.

Der Rettungsdienst brauchte über zehn Minuten, um dem schwer verletzten Offensivspieler zu Hilfe zu kommen. Bange Augenblicke für die Spieler. Auch die WSV-Akteure hatten schon die Feuerwehrleute am Spielfeldrand zur Hilfe gerufen. Rettungskräfte waren nicht am Spielfeld.

„Es hat ewig gedauert“, beschreibt Kefkir das, was alle ungläubig sahen. Der Einsatzleiter der Feuerwehr Wuppertal, Andreas Steinhard, räumte zur Halbzeit ein, die Zeit, bis der Sanitätsdienst bei Müllergewesen sei, habe „ein Stück zu lang gedauert“. Müller wurde ins Wuppertaler Bethesda-Krankenhaus gebracht, war auf der Intensivstation zur Untersuchung. Mittlerweile wurde er aus der Klinik entlassen, hat die Nase gebrochen und eine Gehirnerschütterung.. Die Polizei Wuppertal nahm Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen unbekannt auf.

Mittelfeldspieler Tanju Öztürk spricht für die Mannschaft, als er nach dem Schlusspfiff im Kabinengang sagt: „Wir wünschen Christian alles Gute. Da wird Fußball zur Nebensache.“

Als er diese Worte äußert, hatte es kurz zuvor für die Uerdinger fußballerisch im Wuppertaler Stadion am Zoo ein glückliches Ende gegeben, wenn auch „überschattet von der schweren Verletzung“, wie Torwart René Vollath sagt: „Extrem bitter. Das trübt die Stimmung.“ Kefkir besuchte Müller am Samstagabend im Krankenhaus, sagt am Sonntag der WZ: „Es ging ihm ganz gut. Wir haben erzählt und auch gelacht. Ich war erleichtert.“ Bei Facebook postete Kefkir ein Bild am Krankenbett.

Der späte Kopfballtreffer durch Kapitän Mario Erb nach einer Ecke Jan Holldacks markierte den neunten Sieg im 16. Saisonspiel. Einer aus der Kategorie: abgeklärt und effizient. Das ist beim Spitzenreiter eine Qualität geworden. Solange der KFC eine seiner wenigen Torchancen nutzt.

Ein Gegentor gab es seit neun Duellen nicht. Vollath: „Wir haben kühlen Kopf bewahrt. In der zweiten Hälfte hatten wir die komplette Kontrolle. Man spürt den Glauben. Wir versuchen und versuchen es immer wieder. Dann haben wir uns mit dem Tor belohnt.“ Erneut war es ein später Treffer — wie schon gegen Erndtebrück und Dortmund. Für Öztürk ist dies kein Zufall: „Wir haben immer die Überzeugung, dass wir noch ein Tor machen können. Alle 18 Mann im Kader glauben daran, dass wir jedes Spiel gewinnen können. Am Ende des Jahres fragt keiner mehr, wie wir gespielt haben.“

Kefkir fügt an: „Wir bleiben immer dran. Es geht darum, einfach zu gewinnen. Es gab keinen Schönheitspreis.“ Ähnlich sieht es Trainer Michael Wiesinger, angesprochen auf den späten Treffer: „Jedes Tor bringt drei Punkte. Wir haben nicht locker gelassen. Wir haben eine Wucht und den Sack zu gemacht.“