Der KFC Uerdingen in der Krise - Die Flaute im Sturm

3. Liga : Der KFC Uerdingen in der Krise - Die Flaute im Sturm

In der gesamten Rückrunde haben die Uerdinger in elf Spielen lediglich sieben Treffer erzielt. Eine Analyse.

Es ist eine Szene mit Symbolcharakter gewesen für die Offensivflaute des KFC Uerdingen am Samstag in Jena und auch schon in den vergangenen Wochen. Patrick Pflücke, noch einer der wenigen agilen Krefelder zuletzt, legte sich an der Strafraumkante den Ball für einen Freistoß zurecht. Das Vorfeld des Jenaer Tores war prall gefüllt mit Spielern beider Teams. Doch der Ball flog über Freund und Feind hinweg ins Toraus.

Besser hätten die Gastgeber die drohende Gefahr nicht überstehen können. Es war harmlos, wie der KFC agierte, von einer Szene abgesehen, als Maximilian Beister, von Roberto Rodriguez mit einem weiten Ball geschickt, an Jenas Schlussmann scheiterte. Insgesamt aber erspielten sich die Krefelder kaum Torchancen. Zu behäbig, zu phlegmatisch, zu schlampig, kein funktionierendes Zusammenspiel, was auch wieder an den vielen Abspielfehlern lag, die zu Ballverlusten führten. „Wir haben nie Ruhe ins Spiel bekommen, haben das Spiel nie kontrolliert“, sagte Trainer Frank Heinemann.

Stefan Aigner hat seine letzten Tore im Hinspiel gegen Jena erzielt

Die Sturmflaute zieht sich durch die letzten Wochen, gar Monate. In den vergangenen sechs Spielen gelangen den Uerdingern gerade einmal zwei Treffer, in den elf Spielen der Rückrunde insgesamt nur magere sieben. Der Rechtsaußen Maximilian Beister ist mit seinen acht Saisontreffern noch einer der auffälligsten Uerdinger in der Offensive. Auch Stefan Aigner, der gegen Jena auch mal in der Defensive mit aushalf und Bälle eroberte, läuft viel, kommt aber kaum noch zu Abschlüssen. Seine letzten Treffer setzte er ausgerechnet im Hinspiel gegen Jena, bei jenem 2:1-Sieg am 6. Oktober.

Das Bemühen um einen Torerfolg will man auch dem Winter-Zugang Osayamen Osawe nicht absprechen, doch agiert der 25-Jährige oft unglücklich. Er ist schnell, verstolpert aber zahlreiche Bälle, als Mittelstürmer, der er im Team bis zur Genesung Adriano Grimaldis einer war, scheint er ungeeignet. Die Kurzzeit-Arbeiter und offensiven Mittelfeldspieler Maurice Litka und Patrick Pflücke – beide U23-Spieler – waren in den vergangenen Wochen belebende Elemente, feine Techniker, aber eher Vorbereiter als Stürmer.

Es sind oft Einzelaktionen, die den Uerdingern zu Torchancen verhelfen. Die Rädchen greifen nicht ineinander beim KFC. Oguzhan Kefkir, in der Hinrunde mit sechs Treffern einer der torgefährlichsten besten Linksaußen der Liga, ist seit der Demission Stefan Krämers Ende Januar zu einem Reservisten degradiert worden. Kurzeinsätze ja, in fünf Spielen verzichteten die Trainer – ob Meier oder Heinemann – ganz auf ihn.

Grimaldi wurde beim Spiel gegen Jena oft gefoult

Adriano Grimaldi ist als Zielspieler aufgrund seiner Statur geeignet, in Jena aber wurde auch er von seinen Gegenspielern hart bearbeitet. Oft gefoult, oft behandelt, oft am Boden liegend mit Schmerz verzerrtem Gesicht. In der 3. Liga wird einem nichts geschenkt. „Spielerisch war es sehr dünn“, sagte Heinemann: „Wir haben auch Konterchancen schlampig ausgespielt. Das zog sich durch. Einfache technische Fehler, Passgenauigkeit. Zu unsauber beim ersten Kontakt. Nichts hat ineinandergegriffen.“ Kaum einmal gelingen Zuspiele über drei bis vier Stationen. So ist es schwer, sich Chancen zu erspielen, es sei denn, man versucht es mit langen oder zweiten Bällen. Trainer Frank Heinemann sagt: „Ein Pass über fünf Meter kann für einen Spieler auch mal wichtig sein, um im Spiel zu sein. Warum versucht man die schweren Dinger? Die leichten Fehler machen alles kaputt.“ Die Folge: Zu wenige Bälle landeten über Flanken im Strafraum. Mit Fernschüssen des auffälligen Linksverteidigers Christian Dorda war der KFC aus der zweiten Reihe gefährlich. Zu wenig, um ein Spiel zu gewinnen.

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