Aufstieg trotz Abbruch — der KFC Uerdingen feiert

Aufstieg trotz Abbruch — der KFC Uerdingen feiert

Der KFC Uerdingen führt in Mannheim mit 2:1, als Waldhof-Fans zu zündeln beginnen. Es kommt zum Abbruch - die Feierlaune der Krefelder stört das kaum.

Mannheim. Die 3. Liga darf sich auf drei namhafte Aufsteiger freuen: Mit dem KFC Uerdingen, 1860 München und Energie Cottbus haben drei ehemalige Bundesligisten den Absprung aus der Fußball-Regionalliga geschafft.

Überschattet wurden die Relegations-Rückspiele allerdings durch Ausschreitungen in Mannheim, wo Waldhof-Fans zehn Minuten vor dem Abpfiff zahlreiche Feuerwerkskörper zündeten und einen Spielabbruch erzwangen. „Das gehört natürlich nicht zum Sport, zum Fußball dazu. Es tut mir leid, dem Verein tut es leid“, sagte Mannheims Sportchef Jochen Kientz.

Die Gäste aus Uerdingen, die bereits das Hinspiel mit 1:0 gewonnen hatten, führten zu dem Zeitpunkt mit 2:1 und feierten anschließend mit ihren Fans im Stadion. Die endgültige Wertung des Spiels durch das DFB-Sportgericht wird nichts daran ändern, dass der KFC nach 13 Jahren wieder drittklassig spielen wird.

Vor 24 263 Zuschauern im Mannheimer Carl-Benz-Stadion erzielten Connor Krempicki (29.) und Tanju Öztürk (39.) die Treffer für die Krefelder, Patrick Mayer (32.) erzielte das Tor für die Gastgeber, die bereits in den vergangenen beiden Jahren den Aufstieg in die 3. Liga in der Relegation verpasst hatten. Uerdingens Trainer Stefan Krämer war froh, dass es geschafft war: „Das war Nervenkitzel genug.“

Der Aufstieg ist für Krefeld wie ein Geschenk vom Himmel gefallen. 13 Jahre nach dem Lizenzentzug und Absturz in den Amateurfußball ist die Stadt zurück auf der Fußball-Landkarte — als Ergebnis harter Arbeit und strategischen Kalküls. Club-Präsident und Investor Mikhail Ponomarev feiert den zweiten Aufstieg im zweiten Jahr seiner Amtszeit, nachdem er das Erbe von Ex-Präsident Agissilaos „Lakis“ Kourkoudialos im Sommer 2016 übernommen hatte.

Meister in Oberliga 2017, jetzt Meister in der Regionalliga und Aufsteiger in die 3. Liga nach erfolgreicher, wenn auch skandalbelasteter Relegation gegen Waldhof Mannheim. Der Russe, der sich einst in Düsseldorf bei der DEG und Fortuna engagierte, entdeckte im Umfeld am Niederrhein den darben Traditionsclub. Lakis holte ihn in den Vorstand, rund anderthalb Jahre arbeiteten sie zusammen, aber doch eher nicht miteinander. Als Lakis entnervt aufgab, war der Weg für Ponomarev frei. Mit den beiden Aufstiegen hat der Russe das umgesetzt, was er auf dem Reißbrett als Erfolgsweg für den Club entworfen hat.

Über Zahlen redet er nicht gerne, die Umwandlung in eine Fußball GmbH bedingte ein Einlagekapital von einer Million Euro. Der Etat beträgt drei bis vier Millionen. Jetzt, in der 3. Liga, geht es noch einmal rauf — sportlich und finanziell, weil auch Fernsehgeld dazukommt. Das Gros der Mannschaft hat die Qualität für die 3. Liga, anders als im Vorjahr, als Ponomarev fasst das komplette Team austauschte.

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