Aigner führt den KFC in Wiesbaden an

Fußball : Aigner – der Kapitän für ein Spiel

Der Offensivspieler des KFC besticht durch seine Laufstärke und seine Mentalität als bedingungsloser Teamspieler.

Die Statistiker des Fußballs führen heutzutage über alles Buch. Ballbesitz, Fehlpässe, Laufstrecken, auch jedes einzelnen Bundesligaprofis. Ein Spieler wird in diesen Auswertungen nicht mehr geführt. Er spielt mittlerweile für den KFC Uerdingen in der 3. Liga. Die unterste Profiliga wirft keine solchen Zahlen aus. Es wäre doch interessant zu sehen, wie viele Kilometer Stefan Aigner in einem Spiel trabt, rennt und sprintet. Augenscheinlich gehört er zu den Dauerläufern in der Mannschaft. Er ist sprintstark und mit sechs Treffern auch ihr bester Schütze. Im vorletzten Ligaspiel des Jahres am Montagabend, wenn die Krefelder beim SV Wehen Wiesbaden antreten, wird dem 31-Jährigen noch eine ganz andere Aufgabe zuteil. Aigner wird die Mannschaft erstmals als Kapitän aufs Feld führen.

Die Kapitäne Erb, Schorch und Öztürk sind alle nicht dabei

Es ist eher eine Häufung an Zufällen, dass der frühere Bundesligaspieler von Eintracht Frankfurt plötzlich in den Rang des Mannschaftsführers aufgestiegen ist. An diese exponierte Stellung gewöhnen muss er sich jedoch nicht. Dieses Amt wird er nach diesen 90 Minuten unter Flutlicht wieder abgeben. Der eigentliche Kapitän Mario Erb fällt nach einem Schienbeinkopfbruch noch bis Januar aus. Sein Vertreter Christopher Schorch wird am Montag nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt fehlen. Und dessen Stellvertreter Tanju Öztürk brummt ebenfalls eine Strafe ab. Er sah zuletzt gegen Rostock seine zehnte gelbe Karte.

KFC-Trainer Stefan Krämer glaubt an die natürliche Autorität, die Aigner qua seiner Vita mitbringt, Binde hin oder her. Einer, der schon ganz oben war und dennoch weiter „Bock auf Fußball hat“, unermüdlich rennt. Eine extra Portion Motivation brauche der 31-Jährige jedenfalls nicht: „Er verausgabt sich in jedem Spiel. Es wird für ihn keine Belastung sein, oder irgendwas, was ihn noch zusätzlich anreizt. Er knallt ohnehin immer alles raus.“

Das meint auch der Linksaußen Oguzhan Kefkir: „Er ackert, bringt Power ins Spiel. Er gibt alles, was er hat, zieht Mitspieler mit.“ Krämer bezeichnet seine Sturmspitze Aigner als „ersten Abwehrspieler. Er ist sich für keinen Lauf zu schade. Wenn es sein muss, läuft er 26 Mal den Gegner an. Für unsere Art Fußball ist es eine herausragende Eigenschaft.“ Denn da zählt der Wille im Abnutzungskampf 3. Liga. Meter fressen, Kompaktheit herstellen, immer in Bewegung sein, um den Gegner schnell auszukontern.

Trainer Krämer: „Ich nutze die Erfahrung in der Mannschaft“

Abseits des Platzes eher ein ruhiger Zeitgenosse, kein Lautsprecher, kein Ansager. Auf dem Platz niemand, der mit dem Habitus eines ehemaligen Bundesliga-Torjägers daherkommt, dem man gefälligst die Bälle zentimetergenau in den Fuß zu spielen habe. Es ist eher umgekehrt: Aigner dient den Anderen. Kefkir: „Er ist ein Sportler, der viel erreicht hat. Seine Worte nimmt man ganz anders auf.“ Trainer Krämer redet gerne über Fußball, Plaudereien, Sichtweisen, im Dialog mit den Spielern wie Aigner: „Ich nutze die Erfahrung in der Mannschaft. Ich bin ein neugieriger Mensch.“ Aigners Laufstärke wird der KFC auch am Montag gut gebrauchen können. Auch in Wiesbaden wird wieder ein Abnutzungskampf über 90 Minuten erwartet.

Mehr von Westdeutsche Zeitung