Frauen-Länderspiel: Marozsan nach schwerer Zeit: „Weiß, was Gesundheit bedeutet“

Frauen-Länderspiel: Marozsan nach schwerer Zeit: „Weiß, was Gesundheit bedeutet“

Gut gelaunt und scherzend sitzt Dzsenifer Marozsan im Quartier der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft.

Der 26 Jahre alten DFB-Spielführerin ist die lange Leidenszeit kaum noch anzumerken. Locker und gelöst, aber auch nachdenklich spricht sie über die vergangenen Monate, die tückische Krankheit, die sie in ihrer steilen Karriere zurückwarf. „Es sind keine schönen Erinnerungen“, gibt die 26 Jahre alte DFB-Spielführerin in Harsewinkel zu, wo sich das Team auf die letzten beiden Länderspiele des Jahres vorbereitet. „Ich versuche, das Thema jetzt abzuhaken und nach vorn zu schauen. Ich freue mich jetzt einfach, wieder bei den Mädels dabei zu sein.“

Hinter der dreimaligen Champions-League-Siegerin von Olympique Lyon liegt eine Zeit mit Krankenhausaufenthalten, Therapien und der Unsicherheit, überhaupt wieder gesund zu werden. An Fußball war lange nicht zu denken. Wie aus heiterem Himmel fing es an mit stechenden Schmerzen in der Schulter, die später in den Brustkorb wanderten. Am 12. Juli, „dem Tag des 50. Geburtstags meiner Mama“, musste Marozsan mit dem Notarzt erstmals ins Krankenhaus. Mit Verdacht auf Nierensteine wurde sie zunächst mit Schmerzmitteln und der Empfehlung, viel zu trinken, zurückgeschickt in ihr Elternhaus in Saarbrücken. „Doch zwei Tage später fing das gleiche Theater wieder an“, erzählt die Olympiasiegerin.

Bemerkenswert offen schildert die in Budapest geborene Spielerin, wie nach weiteren Untersuchungen endlich die Ursache ihrer Probleme festgestellt wurde. „Es waren die Hormone“, sagt Marozsan. Die Einnahme der Antibabypille verbunden mit Reisestress hatten eine Thrombose im Bein verursacht. Der Thrombus wanderte in die Lunge und löste eine beidseitige Lungenembolie aus. „Die Diagnose war der schockierendste Moment in meiner Karriere“, sagt Marozsan, die in den Wochen danach Halt bei ihrer Familie und ihrem Zwergpinscher „Nyuszka“ (Ungarisch für Häschen) fand. „Der Hund ist mir nicht mehr von der Seite gewichen. Und die Familie, der Verein und meine Freunde haben mir viel Kraft gegeben. Auch mit Horst Hrubesch habe ich öfter telefoniert. Alle haben mich unterstützt.“

Nach dreimonatiger Therapie konnte die 86-malige Nationalspielerin ins Training zurückkehren und Mitte Oktober im Champions-League-Spiel von Lyon bei Ajax Amsterdam ihr Comeback feiern. „Das war ein überragendes Gefühl.“ Seitdem geht es bergauf. Die Erfahrung davor war ein krasser Einschnitt in ihrem Leben. „Es ist ja keine Verletzung, die ausheilt, sondern eine Krankheit. Ich weiß jetzt, was Gesundheit bedeutet, bin gelassener geworden und genieße jeden Tag. Ich will Spaß und Freude haben.“

Marozsan möchte nichts überstürzen. Leistungsmäßig sei sie erst „bei 65 bis 70 Prozent“, sagt sie. Ein Grund, warum sie in den beiden letzten Länderspielen mit Interimscoach Hrubesch gegen Italien am Samstag (16.00 Uhr) und am Dienstag (16.00 Uhr) in Erfurt gegen Spanien noch geschont wird. Bereits am Montag wird sie vorzeitig zurück nach Lyon reisen. „Das war so verabredet“, sagt Hrubesch. „Aber Stand heute wird sie nicht spielen.“ Marozsan selbst meint: „Ich finde es noch zu früh für die Nationalmannschaft.“

Nicht mit dabei ist gegen Italien auch Lea Schüller. Die Angreiferin laboriert an einem grippalen Infekt. Ob sie am Dienstag gegen Spanien auflaufen kann, ist derzeit noch ungewiss. Hrubesch wird in beiden Spielen sein Casting junger Spielerinnen fortsetzen. „Die jungen Leute sollen sich zeigen, sie sind die Zukunft. Das Team wird in der nächsten Zeit Stück für Stück verjüngt werden. Aus den Nachwuchs-Teams kommen da einige Top-Spielerinnen dazu“, sagte Hrubesch am Freitag.

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