Stillstand an der Vertragsfront

Meier und Werner haben nur bis zum Sommer 2010 Vertrag. Der Verein lässt sich mit den Bauherren des Erfolgs viel Zeit.

Düsseldorf. Der gerade erst genesene Bamba Anderson staunte nicht schlecht. Norbert Meier hatte es ihm gesagt, aber geglaubt hat der brasilianische Verteidiger nicht, dass er schon gegen RW Oberhausen in die erste Elf rücken würde. "Er versteht ja auch nicht alles", feixte Meier nach dem 2:0-Sieg gegen Oberhausen. "Der hat es erst geglaubt, als sein Trikot in der Kabine lag."

Die personellen Entscheidungen des Trainers, soviel wurde wieder deutlich, sind nicht immer zu erwarten, aber meistens richtig. Der lange verschmähte Stephan Sieger glänzte als Vertreter des gesperrten Claus Costa im defensiven Mittelfeld, das Kapitel Sebastian Heidinger war ein ganz eigenes dieses 17. Spieltags, an dem die Fortuna zur besten Heimmannschaft der Zweitliga-Hinrunde mutierte.

Die Gründe für die überraschende Düsseldorfer Stärke sind vielfältig, aber fast immer beginnen und enden sie bei der sportlichen Leitung um Geschäftsführer Wolf Werner und Trainer Norbert Meier. Letzterer hat wie seinerzeit beim MSV Duisburg den Beweis angetreten, eine Mannschaft trotz bescheidener Mittel bauen zu können. Vielleicht ist dies das größte Kompliment, das man einem Trainer auf diesem Niveau, wo es oft auf Kleinigkeiten bei vergleichbarer individueller Klasse ankommt, machen kann. "Das wird nicht immer so weiter laufen", sagt Meier, aber die "Grundlagen für ein funktionierendes Miteinander sind gelegt."

"Im Moment sieht es überragend aus für uns", sagte Kapitän Andreas Lambertz nach dem siebten Heimsieg im neunten Heimspiel. "Warum sollten wir nicht über den Aufstieg sprechen? Fast alle Teams von oben haben wir geschlagen, in St. Pauli wäre auch ein Punkt drin gewesen. Verstecken müssen wir uns sicher nicht mehr."

So viel Selbstbewusstsein war lange nicht mehr in Düsseldorf, umso mehr rückt zur Winterpause die Frage in den Vordergrund, was mit den dafür Verantwortlichen geschieht. Fakt ist: Die Verträge von Werner und Meier laufen nach der laufenden Zweitliga-Saison aus. Und nichts läge näher, als die Erfolgsgeschichte gemeinsam weiterzuschreiben. Tatsachen aber hat bislang noch niemand geschaffen. "Wenn es in dieser Sache etwas zu vermelden gibt, wird es der Verein tun", sagt Meier, zu mehr will er sich nicht mehr hinreißen lassen. "Das ist meine Sprachregelung."

Auch Fortuna-Vorstand Peter Frymuth kommt über Absichtserklärungen nicht hinaus: "In den vergangenen anderthalb Jahren hat die sportliche Leitung einen guten Teamgeist entwickelt. Selbstverständlich wollen wir den Trainer gerne auch über die Saison hinaus an uns binden. Wobei dazu auch Wolf Werner als sportlicher Leiter gehört." Allerdings verschicke er "sicher keine Verträge zu Weihnachten". Die Zielsetzung aber sei allen klar: "Wir wollen die erfolgreiche Arbeit gemeinsam fortsetzen. Und ich bin mir sicher, das sehen auch Meier und Werner so."

Pech für Fortuna: Nach dem Aufstieg in die 2. Liga hatte Meier nur einen Einjahresvertrag unterschrieben. Jetzt dürfte eine Vertragsverlängerung ungleich teurer werden.

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