Sieg gegen St. Pauli: Gezaubert, gekämpft, gezittert und gefeiert

Sieg gegen St. Pauli: Gezaubert, gekämpft, gezittert und gefeiert

Eine Busrückfahrt ohne Trainer und zwei freie Tage haben sich die Spieler von Tabellenführer Fortuna nach dem Spiel gegen St. Pauli verdient. Friedhelm Funkel spricht nach dem dritten Auswärtssieg von einem guten Start in die Saison.

Düsseldorf. Eine feucht-fröhliche Rückfahrt mit dem Bus nach Düsseldorf wurde es für die siegreiche Mannschaft nicht, obwohl der Trainer mit seiner Frau an der Stätte des 2:1-Erfolgs der Fortuna geblieben war und in Hamburg Freunde besuchte. „Ich freue mich nur noch darauf, dass ich die Füße hochlegen kann“, sagte etwa Jean Zimmer - müde, aber mit einem zufriedenen Lächeln. Auch Marcel Sobottka kommentierte die Anstrengungen der englischen Woche. „Jetzt verstehe ich, was es heißt, unter der Woche etwa Champions League zu spielen. Das ist schon hart, und ich freue mich, wenn wir jetzt ausruhen dürfen“, sagte der Mittelfeld-Motor der Fortuna.

Von der Königsklasse ist die Fortuna zwar noch weit entfernt, aber höchstes Niveau in der 2. Liga hatte der Auftritt der Fortuna auf St. Pauli schon zu bieten. Jedenfalls in den ersten 30 Minuten, als die Mannschaft nicht nur 2:0 führte, sondern bis dahin einen reifen, abgeklärten Fußball gezeigt hatte. Trotz der nimmermüden Anfeuerung durch die tollen Pauli-Fans gab niemand noch etwas auf die Gastgeber, die bis dahin nicht einmal ernsthaft aufs Tor der Fortuna geschossen hatten.

Das Tor zum 1:2 durch den überragenden Hamburger Sahin änderte nicht alles, aber vieles. Der Gäste-Motor stotterte nun mehrfach, statt kräftig durchzuziehen, und in der Endphase des Spiels hatten die Fortunen Glück, dass Raphael Wolf zweimal glänzend reagierte und in der Nachspielzeit Julian Schauerte mit dem Kopf den Ball von der Linie des eigenen Tores beförderte.

„Einen Brummschädel habe ich nicht“, sagte Schauerte. „Ich war für die Position eingeteilt und hatte Glück, dass der Ball genau auf meinen Kopf geflogen ist.“ Nicht nur der in der vergangenen Saison so scharf kritisierte Schauerte machte ein Klasse-Spiel, auch die Innenverteidiger Kaan Ayhan und Robin Bormuth zeigten sich in prächtiger Form, obwohl Ayhan beim Anschlusstreffer der Hamburger seine Hand im Spiel hatte und den Ball unhaltbar ins Tor abfälschte.

Der Trainer war nicht nur mit dem Ergebnis zufrieden, sondern letztlich auch mit zwei Dritteln der englischen Woche. „Die beiden jüngsten Spiele haben wir wieder so bestritten, wie wir uns das alle wünschen“, sagte Friedhelm Funkel. „Da ging besonders Kaan Ayhan im Abwehrzentrum für alle vornweg.“ Läuferisch und kämpferisch hat alles gepasst. Dennoch wollte Fortunas Cheftrainer nicht ausschließen, dass es immer mal wieder so Spiele geben kann wie in Fürth, wo wenig klappte: „Ich hatte es ja schon gesagt: Wir sind eben keine Roboter.“

Diesmal habe seine Mannschaft alles in die Waagschale geworfen, was zu einem guten Fußballspiel gehört. „Wir haben schöne Tore erzielt und später mit Mann und Maus verteidigt“, sagte Funkel. „Zudem haben wir wieder das Quäntchen Glück des Tüchtigen gehabt.“ So oder so ähnlich möchte der 63-Jährige seine Mannschaft gerne immer sehen. Man sei auf dem richtigen Weg, was man auch daran sehen konnte, dass wieder vier Spieler gegenüber Mittwoch neu in die Mannschaft gekommen sind und sich sehr gut eingepasst hätten. „Es ist einfach gut, wie die Mannschaft auftritt. Schließlich haben wir im vierten Auswärtsspiel den dritten Sieg geholt“, sagte Funkel, der auch das erste Saisonviertel bewertete: „Ich kann sagen, dass wir gut in die Saison gekommen sind. Wir haben uns als Team Woche für Woche weiterentwickelt - läuferisch, spielerisch und menschlich.“ Die 16 Gespräche, die Funkel am Freitag in Hamburg geführt hat, scheinen zudem auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein.

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