Fortuna Düsseldorf: Robert Schäfer: „Wir haben Vorurteile gegen Fortuna entkräftet“

Fortuna Düsseldorf : Robert Schäfer: „Wir haben Vorurteile gegen Fortuna entkräftet“

Mit dem Trainingsbeginn am nächsten Montag startet der Bundesliga-Aufsteiger in die Saison. Im ersten Teil des WZ-Interviews sagt Vorstandschef Robert Schäfer, wie der Club das Abenteuer Bundesliga angeht.

Düsseldorf. Am 22. März 2016 ist Robert Schäfer bei Fortuna Düsseldorf als neuer Vorstandsvorsitzender angetreten, um den Verein wieder langfristig in die Fußball-Bundesliga zu führen. Etwas mehr als zwei Jahre später hat er das Zwischenziel erreicht. Welche weiteren Ziele der 42-Jährige noch mit Fortuna hat, lesen Sie in unserem großen zweiteiligen Interview.

Herr Schäfer, wie präsent sind noch das Kribbeln und die Freude über den Aufstieg in die Bundesliga?

Robert Schäfer: Der zeitliche Abstand wird größer und der Aufstieg und die Meisterschaft beginnen so langsam Geschichte zu werden. Aber innerlich ist dieses Gefühl der Euphorie noch da. Der erste Titel nach 38 Jahren ist schon etwas Besonderes. Die Szenen und Momente in Dresden und in Nürnberg und dann die Feier auf dem Rathaus-Balkon mit den Toten Hosen sind unvergesslich und kommen immer wieder hoch. Mit der Konzentration aufs tägliche Arbeiten und die neue Saison nimmt der Abstand zu, aber es ist noch alles im Prozess.

Geht das in Vorfreude über?

Schäfer: Ja, so ist es, die ersten Spieler sind bereits verpflichtet. Jetzt kommt so ein Kribbeln mit der Frage, wie weit geht das in der Bundesliga. Das ist ein schönes Gefühl, gepaart mit der Freude, wie weit wir jetzt schon mit der Kaderplanung und den Rahmenbedingungen für die Saison sind. Ich freue mich darauf, zu erleben, wie unsere Jungs sich im Wettbewerb mit anderen Bundesliga-Vereinen bewähren und entwickeln werden.

Wie sehen Sie Ihren Anteil am Aufstieg?

Schäfer: Natürlich waren die Mannschaft und das Trainerteam ausschlaggebend. Wir haben jedenfalls von außen nicht gestört (Schäfer lacht). Das war wichtig, und ist bei einigen anderen Vereinen nicht so gewesen. An unseren Erfolg haben alle gemeinsam mitgearbeitet, die Mitarbeiter, die Gremien, der Aufsichtsrat und der Vorstand. Bei aller Aufregung um die Fortuna, haben wir uns immer auf die Kernthemen konzentrieren können. Es hat Fortuna nach vorne gebracht, dass alle vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Die ernst gemeinten Sorgen von außen unter dem Motto ,Ihr dürft das jetzt nicht verderben’ haben wir trotzdem nicht auf die leichte Schulter genommen. Aber wir haben es geschafft, die typischen Vorurteile gegenüber Fortuna zu entkräften: Wir sind nicht in der Rückrunde schwächer geworden, wir haben nicht gegen kleinere Gegner verloren, und wir haben Spiele umgebogen. Wir waren davon überzeugt, dass die Angst von außen unbegründet war. Nervös waren wir nie, wir haben uns aber immer hinterfragt, weil wir sehr selbstkritisch sind. Die Fans können sicher sein, dass wir uns auch den kritischen Fragen stellen, die sie bewegen.

Es gab mit dem „Transfer“ von Peter Hermann zu den Bayern einen kritischen Moment. War das nicht zu verhindern?

Schäfer: Wir hätten es ihm moralisch gesehen nicht verwehren dürfen. Deshalb hatten wir keine Chance, ihn zu halten und mussten eine Lösung finden. Den Weg, den wir dann gegangen sind mit Thomas Kleine und Axel Bellinghausen, war der richtige.

Hatten Sie zwischendurch einmal Zweifel am Aufstieg?

Schäfer: Nach dem Sieg in Braunschweig hatte ich das Gefühl, dass es höher gehen könnte, als Platz sechs. Da habe ich gedacht, es könnte funktionieren. Nach dem 3:4 in Regensburg habe ich allerdings auch gedacht, dass es wieder enger wird. Wie die Spieler das dann weggesteckt hat, fand ich umso bemerkenswerter. Der Charakter der Mannschaft hat uns in die Bundesliga gebracht.

Wie ist es möglich, charakterlich so starke Spieler zu verpflichten?

Schäfer: Indem wir einen hohen Aufwand betreiben, um herauszufinden, was für ein Mensch hinter dem Spieler steht. Wir holen uns Erkundigungen ein. Dabei müssen es nicht immer einfache Typen sein. Aber sie müssen respektvoll miteinander umgehen und sich gegenseitig akzeptieren. Deshalb haben wir vor einer Verpflichtung immer noch ein Gespräch mit einem Kandidaten, und auch der Trainer redet noch einmal unter vier Augen mit ihm. Aber auch diese Vorgehensweise garantiert einem nicht, dass man immer richtig liegt. Aber bislang haben sich unsere neuen Spieler stets super integriert. Wir hoffen natürlich, dass das auch jetzt wieder so fabelhaft funktioniert. Der Zusammenhalt der Mannschaft ist für uns nämlich ein wichtiger Wert. Aber unsere Mannschaft hat auch fußballerische Qualität. Außerdem: Bei uns ist keiner satt, jeder ist hungrig. Jedes Spiel wird für die Spieler zu einem Festtag..

Aber Sie mussten Spieler der Aufstiegsmannschaft wegschicken . . .

Schäfer: Das ist uns menschlich nicht leicht gefallen. Aber im Endeffekt ist es wichtig, damit die Qualität für die kommende Saison stimmt. Und ich freue mich darüber, dass alle, die uns verlassen haben, einen neuen Verein gefunden haben.

Wie wird sich die Stimmung verändern, wenn mehrere Spiele verloren werden. Wie geht der Verein damit um?

Schäfer: Wir werden sehr ruhig damit umgehen. Wie wir letztlich das Ziel erreichen, die Klasse zu halten, ist völlig zweitrangig. Wir werden mehrere Chancen im Saisonverlauf erhalten, eine davon müssen wir nutzen. Wir müssen in allen Bereich alles dafür tun.

Muss der Verein anderes arbeiten als in der 2. Liga?

Schäfer: Wir müssen uns bewusst werden, dass wir mehr Verantwortung haben und der Fokus mehr auf uns gerichtet ist. Wir müssen uns noch genauer um unser Umfeld kümmern. Wir haben das alles nicht alleine geschafft, sondern große Unterstützung von außen erfahren. Wir müssen daran denken, wo wir herkommen und genau mitteilen, was wir vorhaben. Wir müssen auch lokal arbeiten und uns für unsere Heimat in Düsseldorf engagieren, um möglichst viele Menschen zu überzeugen, uns zu unterstützen.

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