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Mike Büskens: „Für uns ist es eine Verpflichtung“

Mike Büskens: „Für uns ist es eine Verpflichtung“

Mike Büskens weiß, dass er und die Spieler sich die Anerkennung und die Leidenschaft der Fans verdienen müssen.

Düsseldorf. Mike Büskens ist ein Trainer, der sehr akribisch alle Teilaufgaben seines Jobs bearbeitet. Wir sprachen Fortunas Chefcoach kurz vor dem Saisonstart auf viele Themen an.

„Ich wehre mich dagegen, dass man jetzt sagt: Mit dem Ende der Vorbereitung sind alle da. Der Prozess dauert länger — bei allen Teams. Jetzt geht es darum, dass man sich Wettkampfhärte holt. Mit dem ersten Pflichtspiel ist das nicht abgeschlossen. Bisher kann ich sagen: Ich bin zufrieden damit, wie sich die Jungs präsentieren.“

„Wenn sich Jupp Heynckes Ende Mai noch einmal alle Spiele der Saison angeschaut hätte, dann würde er auch Momente finden, wo er sagt: Jungs, das hätten wir anders lösen müssen. Das ist normal. Wir haben mit Videosequenzen analysiert, wo wir uns anders verhalten müssen. Nach einem Sieg gegen Monaco kann man das besser tun als nach einer Niederlage.“

„Wir haben einen Kader, in dem eine Handvoll von Jungs stehen, die eine ordentliche Grundqualität mitbringen. Jetzt geht es darum: Wie setzen sie die Qualität auf dem Spielfeld um. Und dann ist die Frage: Zeigen sie sich? Oder drehen sie sich vom Ball weg? Falls sie reinkommen, müssen sie aber auch sofort da sein.“

„Du hast in diesem Geschäft immer Konkurrenz. Das war bei mir nicht anders. Als ich mit 21 Jahren Bundesliga-Profi werden durfte, habe ich davon profitiert, dass sich Petr Rada verletzt hat. Aber dann musste ich da sein. Du brauchst das Momentum und Glück. Du bekommst vielleicht noch eine zweite Chance, aber mehr nicht. Ich wollte damals dahin, da wollen die Jungs alle hin. Nichtsdestotrotz wissen sie, dass wir sie auf ihrem Weg begleiten. Aber: Wir können die Tür aufhalten, durchgehen müssen sie schon selbst.“

„Die Fortuna wollte gerne ihren eigenen Nachwuchs fördern, das war insofern keine Forderung von mir. Aber es war etwas, was ich gewohnt war. Bei der 2. Mannschaft von Schalke 04, in Fürth auch: Spieler zu begleiten, zu entwickeln, vorzubereiten für den nächsten Schritt. Deswegen waren Wunsch des Vereins und meine Ausrichtung deckungsgleich.“

„Ich möchte agieren und nicht reagieren. Das wollen viele, das weiß ich auch, das wird uns auch nicht immer gelingen. Aber grundsätzlich möchte ich schon, dass die Mannschaft den Rhythmus bestimmt. Und wir weniger auf Fehler warten, sondern Fehler auch erzwingen.“

„Bittere Niederlagen kosten wahnsinnig viel Energie. Und dann raubt es dir den Schlaf. Und am Montag musst du wieder den Stecker ziehen und sagen: Jungs, ihr seht, es fehlt uns nicht so viel. Jetzt wieder volle Kraft voraus. Das zehrt definitiv.

„Ich versuche Entscheidungen aus Überzeugung zu treffen und nicht allein aus dem Bauch heraus. Es war schon wichtig für mich, die Protagonisten hier bei der Fortuna lange zu kennen. Peter Frymuth, Paul Jäger, Thomas Allofs oder auch Aleks Spengler. Axel Zehle war mein Psychotherapeut bei Schalke II. Ich brauche in meinem Leben eine gewisse Verlässlichkeit, deswegen bin ich auch selten gewechselt.“

„Mir war wichtig zu sehen, wie die Fortuna aufgestellt ist. Wir wissen, dass wir in Bereichen wie Infrastruktur noch sehr viel machen müssen. Fortuna ist in den vergangenen Jahren sehr schnell gewachsen, für manches eben auch zu schnell. Ein Kneipp- und Entmüdungsbecken, ein Kraftraum — das wäre schon nicht schlecht. Wir reden schließlich von Bundesliga-Fußball.“

„Was hier in Sachen Fankultur entstanden ist, ist ein Wahnsinn. Am Mittwoch habe ich mal den Fankatalog zur Hand genommen. Das sind ja verdammt viele Seiten. Und die letztjährige Auslastung der Arena ist sensationell. Und wenn man sich vor Augen führt, dass wir nun bereits knapp 24 000 Dauerkarten verkauft haben, dann ist das ein Wahnsinn. Fußball-Leidenschaft pur. Darauf freue ich mich ganz besonders — das am Montagabend zu erleben. Es ist aber natürlich auch eine Verpflichtung.“