Fortuna Düsseldorf: Kurz: Ich sehe zuerst den Menschen

Fortuna Düsseldorf: Kurz: Ich sehe zuerst den Menschen

Der neue Trainer möchte, dass sich seine Spieler wohlfühlen und mit Spaß Fußball spielen.

Düsseldorf. Es ist eine der wichtigsten Aussagen, die Marco Kurz am Donnerstag in den Katakomben der Arena macht. Doch der Satz, der viel über die Denkweise des 46-Jährigen aussagt, geht fast völlig im Medienrummel um die Vorstellung des neuen Trainers von Fortuna Düsseldorf unter. „Ich sehe in meinen Spielern in erster Linie immer die Menschen“, sagt Marco Kurz, dem es wichtig ist, dass sich die Profis wohlfühlen, wenn sie auf den Platz gehen und dort ihren Job mit Spaß, Konzentration und Leidenschaft erledigen sollen. „Darauf möchte ich sie in den nächsten Wochen vorbereiten.“

Die Aufgabe ist schwierig genug, Marco Kurz will sich ganz auf das Unternehmen Klassenerhalt konzentrieren können. So erschien er auch direkt im „Kampfanzug“ beim Laktattest, der unmittelbar vor der offiziellen Präsentation des neuen Trainers stattfand. Er stand zeitweise abseits von den Läufern und Mitgliedern des Funktionsteams, um sich alles ganz genau anschauen zu können. Dann suchte er immer wieder das Gespräch mit einzelnen Spielern, lobte leise, ohne die Aufmerksamkeit der 20 Fans auf der Tribüne oder der anwesenden Medienvertreter zu suchen.

Zurück zur sehr gut besuchten Pressekonferenz: Kurz ist Profi und weiß genau was er sagen muss. Wie bestätigend für dessen Aussagen wirkt das sanfte und zufriedene Lächeln des ihn beobachtenden Sportdirektors Rachid Azzouzi. Der sitzt direkt neben ihm. Die Ankündigung, dass „wir jetzt liefern müssen“, geht in Richtung Fans, die der neue Trainer für so großartig hält, weil er als Trainer und Spieler nicht so gerne im Rheinstadion und der Arena zu einem Spiel angetreten sei. „Da war es immer ziemlich laut“, sagt Kurz.

Offensichtlich passen Peter Hermann und Marco Kurz gut zusammen. Die ersten Absprachen wurden bereits getroffen. „Ich stehe nicht gerne in der Öffentlichkeit“, sagt nämlich auch Kurz, der am liebsten die ruhigen Momente hat und dann einfach nur über seine Leidenschaft, den Fußball reden möchte. Nach den ersten Gesprächen hat er festgestellt, dass er bei der Fortuna nicht allzu viel ändern muss. „Es wäre jetzt auch falsch, die Basis grundlegend zu erneuern“, sagt der 46-Jährige, der geschieden ist und getrennt von Frau und seinen beiden erwachsenen Töchtern lebt, die weiter in München wohnen.

Die Grundlagen für ein erfolgreiches Spiel seien eine gute Fitness der Mannschaft, eine kompakte Spielweise und die Fähigkeit, sich gute Tormöglichkeiten erspielen zu können. Kurz lässt immer wieder durchklingen, dass er sich nicht nur auf eine gut funktionierende Defensive verlassen will. Da er gehört habe, dass das Mannschaftsgefüge funktioniert, hat er auch keinen Zweifel daran, dass er seine Ziele umsetzen kann, und mittelfristig steht erst einmal der Klassenerhalt im Vordergrund. Es ist zu spüren: Kurz will danach mehr mit seiner neuen Mannschaft erreichen. Zweifel hat er daran trotz des jeweiligen Scheiterns bei seinen beiden letzten Stationen in München und Ingolstadt nicht. „Ich habe versucht, die Zeit aufzuarbeiten und einen Haken darunter zu machen“, sagt Kurz, der nicht eiskalt und profihaft, sondern herzlich und menschlich rübergekommen ist.

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