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Kommentar: Wie sich Funkels Entlassung bei Fortuna Düsseldorf erklärt

Kommentar zu Fortuna Düsseldorf : Gar nicht so überraschend - Wie sich Funkels Entlassung erklären lässt

Bei Fortuna Düsseldorf ist in den letzten Monaten vieles falsch gelaufen, was nun zu der Entlassung von Friedhelm Funkel geführt hat. Der Trainer trägt an der Entwicklung eine Mitschuld.

Friedhelm Funkel ist weg, Uwe Rösler als Nachfolger fast schon da. Das Feld bei Fußball-Erstligisten Fortuna Düsseldorf ist am frühen Mittwochmorgen komplett neu bestellt. Überraschend ist, wie schnell das alles geht: Offenbar haben die operativ Tätigen dann doch etwas mehr im Hintergrund an Trainer Funkel vorbei gearbeitet, als das der Fan-Liebling in den vergangenen Tagen wahrhaben wollte. Der Vorstand soll die treibende Kraft bei diesem Trainerwechsel gewesen sein, der sicher erklärbar ist - wie immer man auch emotional dazu stehen mag.

Denn da ist nicht nur eine schlechte Gesamtbilanz in dieser Saison als Tabellenletzter mit den mit Abstand wenigsten geschossenen Toren als oberflächliches, aber freilich auch bedeutsames Zwischenfazit. Da sind auch Abläufe innerhalb des Vereins, die die Trennung seit Wochen und vielleicht schon länger wahrscheinlich gemacht haben: Zum Beispiel die Tatsache, dass es zwischen Funkel und Sportvorstand Lutz Pfannenstiel nie zu einer wirklich harmonischen Einheit gekommen sein soll, die beide Seiten zufrieden stellt. Pfannenstiel musste zuletzt gar um seinen Ruf als Spielerkenner bangen, weil die von ihm geholten Akteure zum großen Teil unter Funkel kaum Einsätze verzeichnen. Uninteressant, ob Funkel sie versauern ließ oder Spieler wie Ampomah, Adams oder Tekpetey schlicht nicht besser sind: Pfannenstiel wird sich daran gestört haben - und er hat als Sportvorstand die Macht, die Dinge entscheidend zu verändern. Dass mit Uwe Rösler Pfannenstiels Mann die Nachfolge von Funkel antritt, bedeutet zugleich, dass Pfannenstiel seine letzte Patrone gerade verschossen hat. Jetzt ist nur noch offen, ob sie ihr Ziel trifft.

Funkel, der jahrelang hervorragende Arbeit geleistet hat, indem er die Mannschaft eng an sich gebunden und zu einer beeindruckenden Einheit geformt hat, die meist besser Performer als es ihre Möglichkeiten hergaben, hat aber auch Fehler gemacht. Zu lange war er überzeugt davon, dass er sich in Düsseldorf nach dem gewonnenen Machtkampf mit Ex-Vorstand Robert Schäfer unantastbar gemacht hatte. In diesem Gefühl machte er sich angreifbar, baute eine Wagenburg-Mentalität um den engsten Kreis und zeichnete dieses Bild auch mit Beständigkeit nach außen: Im Aufsichtsrat, der in Funkels Zirkeln immer außen vor blieb, ist das nie gut angekommen. Zudem sicherte sich der Trainer-Routinier durch geschickte Selbstvermarktung die moralische Unterstützung der halben Liga, für die Funkel schlicht Kult ist - wie er es auch bei den Anhängern ist. Aber Kult ist für das Business, das es längst geworden ist, keine handhabbare Kategorie mehr.

Der Verein musste fürchten, dass den Handlungsträgern da einiges aus den Händen gleitet und sich ein Staat im Staate bildet, wie das schon seinerzeit Ex-Vorstand Schäfer mächtig aufgestoßen war. Funkel, ein Gegenspieler im eigenen Haus? Wenn man ein wenig um die Eitelkeiten der Protagonisten eines Großvereins weiß, ahnt man, dass das nicht gut ausgehen konnte. So ist es jetzt gekommen. Funkel ist weg und seine Karriere damit wohl beendet. Der Aufschrei wird groß sein, jetzt soll Rösler schaffen, was schwierig wird: Mit einem Kader, der definitiv schlechter ist als in der vergangenen Saison, den Ligaerhalt hinzubekommen. Funkel hätte nach dem sehenswerten Auftritt in Leverkusen sicher noch eine Chance verdient gehabt gegen Frankfurt am Samstag. Aber darum ging es in Wahrheit schon lange nicht mehr. Zu viel ist falsch gelaufen in diesem fragilen System Erstliga-Club. Da werden dann eben auch Chancen von jenen genutzt, die glauben, vielleicht bald keine mehr zu bekommen.