Kommentar: Fortuna ist erwachsen geworden

Kommentar : Erwachsen geworden

Aus dem ersten Spiel etwas über den weiteren Verlauf der Saison abzuleiten, wäre ein Fehler — so erfolgreich es im jüngsten Fall auch gewesen sein mag. Aber der Auftritt der Fortuna im Weserstadion lässt mit dem Blick auf die vergangene Spielzeit eine wichtige Schlussfolgerung zu: Die Mannschaft hat sich weiterentwickelt, ist sozusagen erwachsen geworden.

In der Hinrunde 2018/19 hatte das Team Drucksituationen wie die erste Viertelstunde der Bremer häufig nicht unbeschadet überstanden. Die Folge waren nicht selten klare Auswärtsniederlagen. Doch wie bereits in der Rückrunde zeigte sich am Samstag einmal mehr, welchen Reifeprozess gerade diejenigen unter den Fortunen durchlaufen haben, die bereits das zurückliegende Spieljahr geprägt haben. Da wurde die Ruhe bewahrt, an einigen dieser berühmten Stellschrauben gedreht und sich mit zunehmender Dauer in ein Spiel hineingearbeitet, das in den ersten 15 Minuten einseitig zu werden drohte.

Über fußballerische Klasse oder individuelle Einzelaktionen geht es für einen Außenseiter wie die Fortuna nicht — ebenso wenig um die Antwort auf die Frage, ob Siege verdient oder glücklich sind. Es geht einzig und allein um das sportliche Überleben, sprich: den Klassenerhalt. Das „Wie“ spielt dabei allenfalls eine untergeordnete Rolle. In Bremen gehörte zu diesem „Wie“ eine gnadenlose Effektivität bei der Chancenverwertung und tatsächlich die eine oder andere besondere Individualleistung wie die des neuen Torhüters Zack Steffen. Der Auftritt an der Weser darf aus Fortuna-Sicht eine Art Blaupause für künftige Spiele sein, einen Rückschluss für die kommenden 33 Partien liefert er keinesfalls. Wer das denkt, ist blauäugig.

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