Karim Aouadhi wählt zweiten Bildungsweg

Karim Aouadhi wählt zweiten Bildungsweg

Der Tunesier sagt in Anderlecht ab, um bei Fortuna in der 2. Bundesliga Fuß zu fassen.

Düsseldorf. Wer die Fortuna einem europäischen Spitzenverein wie dem RSC Anderlecht vorzieht, muss wissen warum. Für Karim Aouadhi ist es „eine Herzensangelegenheit“, für den deutschen Fußball-Zweitligisten zu spielen. „Trainer und Manager der Fortuna haben sich sehr um mich gekümmert“, sagt der 25-Jährige, dessen langer Weg durch die Wirren in Tunesien, der fehlenden Freigabe seines Ex-Klubs African Tunis und zum Schluss durch die Wetterkapriolen in Österreich zur Fortuna ins Trainingslager und direkt in die Arme von Trainer Norbert Meier und Manager Wolfgang Werner führte. „Die Begrüßung hat mir sehr imponiert und gezeigt, dass ich willkommen bin“, sagt Aouadhi, für den ein Kindheitstraum mit seinem Engagement in Europa in Erfüllung geht.

„Aouadhi ist für uns der Typ eines Spielers, der unverbraucht ist und der sich quasi über den zweiten Bildungsweg verbessern will“, erklärt Werner. Fortunas Manager setzt darauf, mit der der Fortuna eigenen Kreativität bei der Spielersuche eine erfolgreiche Mannschaft zu verstärken. „Nun ist entscheidend, wie lernwillig er ist.“ Auf dem Trainingsplatz scheint es zu funktionieren. Konzentriert und engagiert absolviert der Nordafrikaner die Übungen. Er geht auf seine Kameraden zu, die sich freundlich und hilfsbereit mit Händen und Füßen mit ihm unterhalten. Er meint es ernst, wenn er sagt: „Fortuna ist jetzt meine Familie.“ Obwohl ein Bruder in Hamburg, ein anderer in Frankfurt studiert, beherrscht Aouadhi noch kein Wort Deutsch.

„Aber für Fußballer ist das eigentlich kein Problem, sich auf dem Platz zu verständigen“, sagt der 1,94 Meter große Mittelfeldspieler. Sein Berater Mohamed Khammar übersetzt alles ins Deutsche. Sich selbst und seine Stärken zu beschreiben, fällt dem Tunesier schwer. „Das müssen andere tun“, sagt er und schaut erwartungsvoll zu seinem Trainer, der allein entscheide, auf welcher Position er künftig spielen wird. Als „Sechs“ vor der Abwehr würde er sich aber am wohlsten fühlen. Umstellen von der afrikanischen auf eine europäische Spielweise müsse er sich nicht. „Da gibt es keine so großen Unterschiede.“ Und Aouadhi ist informiert. Aus dem Internet weiß er fast alles über die 2. Liga. Fortunas Fans werden ihm zeigen, dass er sich für den richtigen Verein entschieden hat.

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